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Die Alte Universität, 1615 - 1618 vom Jesuitenorden unter Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg errichtet, beherrscht seit kurzem wieder das Mainzer Stadtbild. Ein wahrhaft beeindruckender Anblick. Der Grund: Nach über 200jähriger Abwesenheit sind die beiden imposanten, himmelstürmenden Dachreiter auf den First des mächtigen Steildachs zurückgekehrt.
Eine bewegte Vergangenheit liegt hinter dem ursprünglichen Kollegiengebäude der Philosophischen und Theologischen Fakultät. Mit seiner eigenartigerweise im überhohen 3. Obergeschoss untergebrachten Aula war die Domus Universitatis 170 Jahre lang würdiger Schauplatz zahlloser Promotionen und Universitätsfeiern. Auf den Stadtansichten Wenzel Hollars von 1632 wird deutlich, dass das Kollegiengebäude zwar seine profane Nachbarschaft merkbar überragte. Es waren aber in erster Linie die beiden Dachreiter, die seine herausgehobene Stellung in der Stadt so richtig zur Geltung brachten.
Ende des 18. Jahrhunderts war es damit vorbei. Bei der Beschießung der französisch besetzten Stadt im Jahr 1793 brannte das Dach der Alten Universität ab, das westliche Zwerchhaus wurde zerstört. Nach der Wiederherstellung diente der Bau jahrzehntelang als Kaserne, bis 1889 die Umnutzung zu einem Schul- und Ämterhaus erfolgte.
Schließlich brannte die Alte Universität im August 1942 nach einem Luftangriff der Alliierten erneut aus. Nur die mächtigen Außenmauern und die beiden Renaissance-Portale des Aschaffenburger Bildhauers Johannes Juncker überstanden den Krieg weitgehend unversehrt. Gefahr drohte danach durch eine Straßenplanung, die den Abbruch der Ruine bedeutet hätte. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Das war in erster Linie General Raymond Schmittlein zu verdanken, seines Zeichens Chef der Kulturverwaltung in der französischen Besatzungszone. Seit dem Wiederaufbau im Jahr 1952 beherbergt die Alte Universität das Institut für Europäische Geschichte. Aus Kostengründen erhielt der Bau seinerzeit nur einen Dachreiter in der Mitte.
Während der Bauarbeiten hatte der Mainzer Kunsthistoriker Fritz Arens in der Pariser Nationalbibliothek eine spektakuläre Entdeckung gemacht. Er war auf einen Kupferstich der Alten Universität aus dem Jahr 1620 gestoßen, der einzigen historischen Abbildung, die das Gebäude auch in seinen Details zeigte, und zwar einschließlich der ursprünglichen Dachreiter.
Der in der Nachkriegszeit aufgebrachte Dachreiter musste 1994 wegen Baufälligkeit entfernt werden. Mit der notwendigen Sanierung des kompletten Dachs ergab sich die einmalige Chance, der Alten Universität wieder die Konturen aus der Erbauungszeit zurückzugeben. Ein Stück Mainzer Dachlandschaft konnte so zurückgewonnen werden. Es dauerte einige Jahre, bis es so weit war: Seit März 2005 trägt die Alte Universität wieder ihre beiden Dachreiter.