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Pressemitteilung vom 24.7.2008
Endoskopie am eisernen Johannes

Denkmaldezernent, Bürgermeister Norbert Schüler zeigt sich beeindruckt von laufenden Untersuchungen / Statue wird buchstäblich auf den Kopf gestellt

Der Sockel auf dem Gutenbergplatz ist derzeit leer: Die Statue des Johannes Gutenberg befindet sich zur Zeit im Institut für Metallrestaurierung in Regensburg.

Bürgermeister Norbert Schüler hat sich über Zustand des beliebten Mainzer Denkmals informieren lassen, nachdem die Bronzefigur aus statischen Gründen demontiert werden musste, interessiert vor allem der Zustand der eisernen Tragkonstruktion im Inneren der Figur. Das Problem bestehe darin, dass die Statue komplett geschlossen sei und somit ein Einblick ins Innere des eisernen Johannes eigentlich nicht möglich, schilderte der Denkmaldezernent das Problem. Die Figur wurde aus mehreren Teilen zusammengefügt: Das Öffnen bzw. Aufschneiden der gegossenen, hohlen Figur ist daher keine Option, denn dann bestünde die Gefahr, dass sie in sich statisch instabil wird. Zudem ist aus denkmalpflegerischer Sicht auch das Gebot des geringst möglichen Eingriffes zu beachten, um die Originalsubstanz so wenig wie möglich zu beschädigen.


In den vergangenen Tagen (22. und 23. 7.) wurden nun zusätzlich zu den ohnehin notwendigen Materialuntersuchungen an den Außenflächen an unkritischen Stellen drei kleine Bohrungen eingebracht und über diese Öffnungen endoskopische Untersuchungen durchgeführt.
Die Bilder, die ihm heute vorgelegt worden seien, seien äußerst bemerkenswert, denn es könnten neben dem inneren Aufbau und Zustand der Figur vor allem Zustand und Art von Tragkonstruktion, Befestigungen, Verkittungen und Verschraubungen gesichtet und bewertet werden.
Die Untersuchungen werden zur Zeit in einem ausführlichen Bericht zusammengefasst. Vorab lässt sich bereits sagen, dass die strukturelle Integrität der Figur oberhalb der Gürtellinie in Ordnung ist. Die Bronzestatue ist selbsttragend, die inneren Verschraubungen wurde mit korrosionsbeständigen Bronzeteilen vorgenommen. Die innere Eisenkonstruktion dient der statischen Lastableitung in den Steinsockel.
Die besonders wichtige Untersuchung des Fußpunktes der Tragkonstruktion konnte endoskopisch allerdings (noch) nicht vorgenommen werden. Denn beide Füße sind bis zu den Knien voll mit Gusssand, Holzbrettchen, Eisenstückchen, Schutt usw., die einst während des Gussvorganges und während der Montage in die Figur gefallen und dort verblieben sind. Daher muss Johannes Gutenberg nun buchstäblich auf den Kopf gestellt werden, d.h. man wird versuchen, die drei Meter lange und knapp drei Tonnen schwere Figur über Kopf zu drehen, damit die losen Teile in Richtung Kopf fallen und dann hoffentlich der endoskopische Blick auf den Fußpunkt frei wird.
Problematisch ist die Lastableitung über das beschädigte, gerissene rechte Bein durch die ebenfalls beschädigte Plinthe in den Natursteinsockel. Hier sind neben den weiteren metallkundlichen Untersuchungen auch statische Berechnungen erforderlich, ob die innere Tragkonstruktion noch funktionsfähig ist.

Parallel dazu werden auch restauratorische Musteruntersuchungen an der Bronzeoberfläche durchgeführt. Ziel sei die Entwicklung von Techniken zur schonenden Reinigung von den Schmutz- und Korrosionsschichten auf der Figur, fasste Bürgermeister Norbert Schüler zusammen.
(red/ekö)