Untersuchung zu "Hidden Champions": Die heimlichen Weltmarktführer in Mainz

Konkret: Ob Radioteleskope, "Formsandaufbereitung", Getränkelogistik oder optische Datenübertragung - durch die Umsetzung spannender als auch nachgefragter Ideen positionieren sich die "Hidden Champions" an der Weltmarktspitze. Trotzdem ist ihr Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit oftmals eher gering. Der geringe Bekanntheitsgrad der von Prof. Hermann Simon definierten "Hidden Champions" begründet sich auch dadurch, dass die Unternehmer Marktnischen nutzen (oder erst schaffen) und sich darin spezialisieren. So entwickeln sie einzigartige Produkte bei außergewöhnlich hoher Fertigungstiefe - und auch der Standort Mainz beheimatet solche Unternehmen, deren herausragende Leistungen zur Marktführerschaft in ihrem Branchensegment führten. Bildhinweis: Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken.
Mainzer Professor Dr. Simon Urheber des Begriffes
Der Begriff "Hidden Champion" wurde maßgeblich geprägt von Professor Dr. Hermann Simon, der in den Jahren 1989-1995 an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz lehrte. Sein 1996 erschienenes Buch "Hidden Champions" untersucht systematisch 500 "world’s best unknown companies".
Simon stellte drei Kriterien auf, welche ein Unternehmen als "Hidden Champion" kennzeichnen:
- Das Unternehmen muss in der spezifischen Branche zu den "Top 3" auf dem Weltmarkt zählen - oder ist Nr. 1 in Europa.
- Der Jahresumsatz liegt unter 3 Milliarden Euro.
- Geringer Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit und am Markt.
Im Vorfeld der Untersuchung wurde eine Recherche zu möglichen Kandidaten kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) in Mainz durchgeführt. Grundlage war neben einer gezielten Internet-Recherche die Durchsicht vorliegender Datenquellen öffentlicher Institutionen. Insgesamt 30 Unternehmen wurden dabei zunächst durch die Wirtschaftsförderung schriftlich eingeladen, an der Untersuchung teilzunehmen - hiervon erklärten sich 16 bereit, an der Untersuchung teilzunehmen.
Weiterhin konnten anhand von Empfehlungen in den Experteninterviews weitere neun Unternehmen einbezogen werden. Zusammen mit ergänzenden sechs Unternehmen, die einem Presseaufruf initiativ gefolgt waren, wurden letztlich mit insgesamt 31 kleinen und mittelständischen Unternehmen Experteninterviews (auf der Basis eines qualitativen Leitfadens) geführt.
Die Ergebnisse belegen, dass die Landeshauptstadt Mainz zahlreiche innovative Unternehmen abseits der weltweit bekannten Größen wie der SCHOTT AG aufweist, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen sehr erfolgreich Marktnischen besetzen und sich damit deutschlandweit, teils europaweit oder auch global an der Spitze behaupten.
Zugleich bilden die "Hidden Champions" ein nicht unwesentliches Rückgrat der heimischen Wirtschaft. Ringhoffer: "Diese Firmen tragen in oft erheblichem Maße zur Gesamtwirtschaftsleistung des Standortes Mainz bei und bieten zudem zahlreiche Arbeitsplätze."
Kein Ranking-Charakter - stille Stars ins Rampenlicht bringen
Der Mainzer Wirtschaftsdezernent ergänzt, dass die Zahl der Mainzer "Hidden Champions" vermutlich sogar höher liege, als die Untersuchung dies belege: "Hier tritt jene von Professor Simon skizzierte - und durchaus verständliche - Einstellung zutage, dass mancher Unternehmer lieber im Verborgenen agiert und weder Marktanteil noch Nische benennen will, um sich nicht unnötig weiteren Wettbewerbern auszusetzen. Der Erfolg ist bekanntlich ein recht scheues Reh."
Mit der Veröffentlichung der Unternehmen (seien es echte "Hidden Champions" oder "Mainz Champions") will die Stadt Mainz zeigen, dass sie ein attraktiver Standort ist : "Mit der offensiven Herangehensweise, der Betonung unserer Stärken wollen wir die ,stillen Stars aus der zweiten Reihe’ hervorheben und ihnen die Möglichkeit bieten, sich der Öffentlichkeit vorzustellen und ihren Bekanntheitsgrad zu steigern", so der Wirtschaftsdezernent abschließend.
"Wir haben der Studie aber bewusst keinen Wettbewerbscharakter gegeben - es geht schlicht darum, verborgene aber überaus erfolgreiche Firmen in das verdiente Rampenlicht zu stellen."
Die ausführlichen Ergebnisse der Studie sind in der Info-Box rechts zum Download hinterlegt.