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Gonsenheimer Tor: ein historisches Stück Mainz wieder aufgebaut

Nach fast hundert Jahren ist das Gonsenheimer Tor Am Fort Gonsenheim wieder aufgebaut. Es wurde bei der Niederlegung des Festungsgürtels 1904 von Erdaufschüttungen verdeckt und beim Erdaushub für den SWR-Neubau wieder entdeckte. Der SWR finanzierte den Aufbau und ist Denkmalpate.


Mit einer Wandtafel der Reihe Historisches Mainz am Gonsenheimer Tor informiert die Stadt Mainz über das Denkmal. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschildert die Stadt Mainz historische Baudenkmäler, Orte und Plätze mit Hinweistafeln in einheitlicher Art und Weise. Die Wandtafel Gonsenheimer Tor ist die 115. im Rahmen dieser Gesamtkonzeption. Die Tafeln befinden sich an vielen Orten in der Innenstadt, aber inzwischen auch an vielen interessanten Gebäuden in den Mainzer Stadtteilen. Geschaffen hat die Gestaltung der Designer Hans Horst Möbes.

Geschichte des Gonsenheimer Tores, errichtet 1872

Der Mainzer Festungsgürtel des 17. Jahrhunderts wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Bebauung des Gartenfeldes nach Nordwesten hin erweitert. Es entstand bis 1877 eine Umwallung mit parallel verlaufendem Graben und überhöhten Stellungen in Form von so genannten Cavalieren. Weitgehend erhalten sind beispielsweise noch die Cavaliere „Prinz Holstein” und „Hauptstein” an der Wallstraße. Deren Name erinnert an die damalige Umwallung.

Stadtseite der Toranlage. (Quelle: Stadt Mainz)Stadtseite der Toranlage mit getrennten Durchlässen für den Fahr- und Fußgängerverkehr. Rechts und links davon befanden
sich Kasematten. Sie wurden von großen Bogenfenstern belichtet. In die Durchfahrt war eine Zugbrücke integriert.

Feldseite der Toranlage. (Quelle: Stadt Mainz)Die Feldseite der Toranlage zeigt beiderseits der Durchfahrt Schießöffnungen, von denen die unteren nur knapp über der
Grabensohle lagen. Den Graben überspannte eine Brücke, die sich im Kriegsfall schnell demontieren ließ.


Wehrhafte Toranlagen an den wichtigsten Ausfallstraßen verbanden Stadt und Umland. Zu ihnen gehörte auch das damals 35 Meter breite Gonsenheimer Tor mit einer Durchfahrt für Kutschen und Fuhrwerke sowie einem deutlich schmäleren Durchgang für Fußgänger. Das Tor besaß eine mächtige Erdabdeckung als Schutz gegen Artilleriebeschuss und tonnengewölbte Kasematten. Von innen ließ sich durch Schießöffnungen der landseitige Graben unter Feuer nehmen. Stadteinwärts belichteten Bogenfenster die Räume. Den vor dem Tor verlaufenden Graben querte ein Fahrdamm und eine aus stählernen Doppel-T-Trägern gefertigte Brücke. Sie ließ sich bei einem drohenden Angriff innerhalb kurzer Zeit demontieren.

Die zunehmende Reichweite der Artillerie machte die Nordwestumwallung gegen Ende des 19. Jahrhunderts militärisch überflüssig. 1904 begannen die Abbrucharbeiten. Sie umfassten beim Gonsen-heimer Tor nur dessen oberen Teil, während der größere Rest erhalten blieb, aber unter einer großflächigen Aufschüttung verschwand.

Im Zuge der Aushubarbeiten für den SWR-Neubau wurde das Gonsenheimer Tor wieder sichtbar. Dessen nachträglicher Integration in den Neubau standen unlösbare Probleme bautechnischer und wirtschaftlicher Art entgegen. Der Südwestrundfunk als Bauherr sorgte aber entsprechend den Empfehlungen der Denkmalpflege dafür, dass der südliche Torteil mit Böschungsmauer sorgfältig abgebaut und nur wenige Meter vom alten Standort entfernt unter weitgehender Ver-wendung des Originalmaterials wieder errichtet werden konnte.

Die Quaderverkleidung mit Sandsteinrahmen, bossierten Eckquadern und profilierten Gesimsen zeigt eine handwerkliche Qualität, wie man sie sonst nur an Repräsentationsbauten jener Zeit antrifft. Mittlerer und nördlicherTeil des Gonsenheimer Tors sind noch unter der Straßenoberfläche verborgen.

Standort:

Am Fort Gonsenheim 139