Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Südöstlich des Kurfürstlichen Schlosses neben dem Landtag steht das vor 400 Jahren
(1604-1605) erbaute "Alte Zeughaus". Die sich zum Rhein öffnende Dreiflügelanlage befindet sich auf dem früheren Gelände der kurfürstlichen Schweinehaltung "Zum Sauter". Das Bauwerk diente als Waffenarsenal zur Lagerung von Kanonen, Gewehren und Munition. Ab 1770 wurde hier die "Münze" eingerichtet. Als Münze bezeichnete man im 18. Jahrhundert eine Werkstatt, in der Münzen geprägt wurden. Mit der Münzprägung stieg die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt Mainz enorm an, denn die Erlaubnis Münzen zu prägen war ein Privileg, das nur der Landesfürst verleihen konnte.
Zweimal wurde der Renaissancebau durch Feuer zerstört. Nach dem ersten Brand im Jahr 1723 wurde das Bauwerk wieder prunkvoll renoviert. Im Zweiten Weltkrieg erneut stark beschädigt und innen völlig ausgebrannt, erhielt das Zeughaus ab 1951 eine neue Fassade. Zwischen 1951 und 1978 nutzte der Südwestrundfunk Mainz das Gebäude und strahlte von dort seine regionalen Fernseh- und Radiosendungen aus. Heute residiert im "Alten Zeughaus" die rheinland-pfälzische Staatskanzlei.
Das "Alte Zeughaus" ist das älteste erhaltene Bauwerk aus kurfürstlicher Zeit in Mainz. Die an der Fassade aufwändig verwendeten Schmuckelemente und die wohldurchdachte - zwar im Vergleich zum Ursprungsbau stark veränderte - Anlage machen den Renaissancebau besonders sehenswert. Das Gebäude besteht aus verputztem Bruchsteinmauerwerk. Die hohen ziegelgedeckten Satteldächer, und die schematisch angeordneten, mit Sandsteinrahmen versehenen Steinpfostenfenster vermitteln den Eindruck einer fürstlichen Schlossanlage. An der Außenseite des Nord- und Westflügels befinden sich langrechteckige Fensterschlitze. Sie verweisen immer noch auf die Funktion als Lagerort von Waffen.
Eine Besonderheit des Gebäudes sind die am westlichen Hauptflügel errichteten dreigeschossigen, geschweiften Rollwerkgiebel. Die einzelnen Giebel werden durch das Gesims optisch gleichmäßig unterteilt. Sie sind die ältesten und zugleich am meisten geschmückten ihrer Art in Mainz.
An der nördlichen Giebelseite des Hauptflügels befindet sich am Hauptzugang des Zeughauses die Kopie eines mächtigen Renaissance-Portals. Im Innenhof des Zeughauses steht ein achteckiger Treppenturm. Er reicht bis zum Dachgeschoss und schließt mit einer so genannten welschen Haube in Zwiebelform ab. Durch die größere Tiefe des Südflügels gegenüber dem Nordflügel, scheint er optisch leicht verschoben. Die offene vierte Seite der Dreiflügelanlage wird durch das vorgelagerte jüngere Zeughaus geschlossen.
