Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Im Jahre 975 wurde Willigis, ein Ziehsohn des Bischofs Volkhold von Meißen (Sachsen), zum Erzbischof von Mainz und Stellvertreter des Papstes nördlich der Alpen ernannt. Noch im selben Jahr ließ er den Grundstein für die Errichtung des Mainzer Domes legen, der unter dem Patronat des heiligen Martin von Tours steht.
Da das Gotteshaus Staatsdom des Reiches werden sollte und Willigis vom ersten Tag seines Amtsantrittes an reichlich Gelder zur Verfügung standen, wurde der Dom so groß geplant, dass zur damaligen Zeit alle Christen der Stadt zugleich darin Platz gefunden hätten. Seine gewaltige Größe hatte den Zweck, die geistliche und die politische Macht seiner Kirchenfürsten zu demonstrieren, die zugleich Erzkanzler des Reiches waren. Am Tage seiner Einweihung im Jahre 1009 zerstörte ein Feuer den Dom. Willigis ließ den Wiederaufbau sofort beginnen; die Einweihung des Neubaus erfolgte aber erst im Jahre 1036 durch seinen zweiten Nachfolger, Erzbischof Bardo.
Einwirkungen von außen haben die ehrwürdigen Mauern des Doms mehr als einmal erschüttert. Siebenmal wurde er in seinem über 1000-jährigen Bestehen von Bränden heimgesucht, 1767 schlug sogar ein Blitz ein und zerstörte den gotischen Westturm. Kriegerische Unruhen richteten zusätzlich große Schäden an. Diese Übergriffe machten wiederholte bauliche Veränderungen, Eingriffe und Renovierungsarbeiten erforderlich.
Besonders durch die Beschießung der Stadt durch Reichstruppen im Jahre 1793 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die französischen Besatzungskräfte, die das Dominnere zeitweise als Pferdestall nutzte, wurde der Dom so stark beschädigt, dass 1806 sein Abbruch angeordnet wurde. Nur dem persönlichen Engagement von Bischof Joseph Ludwig Colmar (1802-1818), der Napoleon umstimmen konnte, ist es zu verdanken, dass der Martinsdom erhalten blieb. Colmar konnte auch das geschnitzte Rokoko-Chorgestühl von 1767 retten, das man bis heute im Westchor besichtigen kann.
Trotz dieser Vielzahl an gravierenden Schädigungen ist der Martinsdom das an Steindenkmälern reichste kirchliche Gebäude in Deutschland und sein Besuch in jedem Fall eine faszinierende Entdeckungsreise durch die Zeitgeschichte. Aufgrund seiner langen Bau- und Wiederaufbaugeschichte präsentiert er sich als ein Gemisch der unterschiedlichsten Baustile des letzten Jahrtausends. Daher kann er auch mit unzähligen Besonderheiten aufwarten.
Zu den außergewöhnlichsten Merkmalen des Domes gehört, dass sich der Hauptaltar - genau wie bei seinem Vorbild Alt St. Peter in Rom - im Westchor (statt im Ostchor) befindet. Damit sollte die besondere Nähe zu Rom und die bevorzugte Stellung der Stadt gezeigt werden. Auffällig ist auch seine Doppelchörigkeit. Sie ist ein Charakteristikum des romanischen (hochmittelalterlichen) Kirchenbaus in Deutschland. Doppelchörig wird der Dom deshalb genannt, weil er sowohl einen West- (Martinschor) als auch einen Ostchor (Stephanschor) besitzt.
Nur noch auf historischen Bildern ist die berühmte eiförmige Eisenkuppel des Architekten Georg Moller zu sehen, die ab 1828 an der Ostseite des Domes angebracht wurde. Sie musste 1870 aus statischen Gründen wieder entfernt und durch ein leichteres Spitzdach ersetzt werden..
Ein Werk von außergewöhnlicher Bedeutung empfängt einen schon am Haupteingang: die bronzenen Torflügel des Marktportals. Sie wurden noch zu Zeiten Willigis jeweils in einem Stück gegossen und sind das älteste erhaltene Ausstattungsstück von St. Martin. Ihre Inschrift weist auf ihren Erbauer und Künstler, Meister Berenger, hin und hält als politisches Dokument das 1119/22 von Erzbischof Adalbert aus an die Bürger verliehene Freiheitsprivileg fest.
Einzigartig und kunsthistorisch von großem Wert sind die erzbischöflichen Grabdenkmäler. Angefangen im frühen 11. Jahrhundert ist die Reihe der im Dom beigesetzten Erzbischöfe fast lückenlos. Besonders interessant und auch für das Auge des Laien gut erkennbar sind die gestalterischen Veränderungen der Grabmäler im Verlauf der Jahrhunderte.
Eines der schönsten erhaltenen Ausstattungsstücke aus der gotischen Zeit ist das Taufbecken von 1328, das vermutlich der größte mittelalterliche Zinnguss der Welt ist. Ursprünglich in der Liebfrauenkirche stehend, wurde es 1804 in den Nordflügel des Dom-Querschiffs übertragen.
Ein Ort der Stille und inneren Einkehr ist der große, zweigeschossige Kreuzgang aus dem 15. Jahrhundert. In der Vergangenheit diente er vielfach als Friedhof. Im Obergeschoss war bis zu seiner teilweisen Zerstörung 1793 die Dombibliothek untergebracht. Heute wird der Kreuzgang vom Dom- und Diözesanmuseum genutzt.
Eine weitere Stätte der Meditation ist die St. Gotthardkapelle. Sie wurde im romanischen Stil im Auftrag des Erzbischofs Adalbert I. gebaut und 1137 geweiht. Im Altarraum der einstigen Palastkapelle des erzbischöflichen Hofes befindet sich das geheimnisvolle lebensgroße Udenheimer Kreuz von 1150, das ursprünglich wohl für die Mainzer St. Emmerans-Kirche geschaffen wurde.