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Historisches Mainz: Fastnachtsbrunnen

Mainz hat ein Denkmal, wie wir wissen,

das einzigartig weit und breit,
das wohl kein Mainzer möcht’ vermissen,
ein Denkmal voller Fröhlichkeit.

Man sieht den Mainzer Fastnachtsbrunnen, Quelle: Stadt MainzObwohl weit über die Grenzen Deutschlands für ihre närrische fünfte Jahreszeit berühmt, hatte die Stadt lange Zeit kein einziges Denkmal vorzuweisen, in dem sich die Mainzer Fastnacht widerspiegelte. Dies sollte sich erst in den 60er Jahren ändern. Im Spätherbst 1963 trugen die Stadtväter einem kleinen Kreis Industrieller ihren Wunsch nach Errichtung eines Fastnachtbrunnens am südlichen Ende des Schillerplatzes vor..

Elf Köpfe hat ... das NarrenschiffDamit sollte zum einen zur Verschönerung des Stadtbildes beigetragen und zum anderen die typische Mainzer Lebensfreude plastisch manifestiert werden. Das bekannte Getränkeunternehmen Eckes aus Nieder-Olm erklärte sich bereit, den Fastnachtsbrunnen zu stiften und schrieb einen Wettbewerb aus, den schließlich der Münchner Professor Blasius Spreng und der Mainzer Architekt Helmut Gräf für sich entscheiden konnten..

Nach einer dreijährigen Schaffenszeit wurde der Narrenturm am 14. Januar 1967 im Beisein mehrerer Tausend Mainzer, die sich erwartungsfroh auf dem Schillerplatz eingefunden hatten, und begleitet von karnevalistischer Musik endlich enthüllt.

Stier mit geheimnisvollem, wasserspuckendem BajazzBei der Übergabe erklärte der Stifter; Ludwig Eckes: "Wir haben diesen Wunsch gerne erfüllt, und wir haben es aus freudigem Herzen getan, um auch unsererseits einen Beitrag zu leisten zur Verschönerung der durch den Krieg so schwer angeschlagenen und zerschundenen Stadt." .

Die schleichende Katze im WasserDie Anwesenden nahmen ihren "Narrenturm" jubelnd in Besitz, erkannten sie doch sogleich, dass dieses geglückte Denkmal nicht einfach irgendein Brunnen war, sondern "ein sprechendes Kunstwerk, in dem sie selbst, Mainz und die Mainzer zur Sprache kamen."
(Dr. Gottfried Edel)

Blasius Spreng ist mit der Erschaffung des Fastnachtsbrunnens ein einzigartiges Kunstwerk geglückt, das sich motivisch wie ästhetisch perfekt ins Mainzer Leben einfügt.

Der Bajazz mit der LaterneInmitten des von Gräf geschaffenen, in rotem Sandstein gehaltenen Brunnenbeckens erhebt sich ein fast neun Meter hoher, bronzener Turm, der von mehr als zweihundert, ebenfalls bronzenen Einzelfiguren bevölkert wird. Was das Auge hier entdecken kann, ist geheimnisvoll, grotesk, fratzenhaft und vertraut zugleich..

Farbdruck aus dem Zyklus 'Goldenes Mainz' von H. J. JacobiVater Rhein, der Mönch und der Mann mit dem Brett vor dem Kopf, die Katze, Till Eulenspiegel und die Stadtgöttin Mogontia, der Geldbeutelwäscher oder der Paragraphenreiter seien nur exemplarisch für die Vielfalt der Phantasiemotive angeführt, die nicht nur das besondere Wesen der Mainzer Fastnacht, sondern mehr noch in einer unnachahmlichen Weise den Geist dieser traditionsreichen Stadt zum Ausdruck bringen..

Wenn ich nun, liebe Narrhallesen,
die Neugier hab’ in Euch erweckt,
dann ist es Sinn und Zweck gewesen,
damit Ihr wieder ihn entdeckt...

(beide Gedichtstrophen aus: Ein Mainzer Fastnachtstraum
von Dr. Rudi Henkel, Ehrenpräsident des MCV)

Standort:

Schillerplatz,
Ecke Schillerstraße/Ludwigsstraße

Literaturtipp:

Geheimnis Fastnachtsbrunnen,
Hans Jörg Jacobi, Edition Erasmus