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Historisches Mainz: Johanniskirche

Zu sehen ist die aktuelle Außenansicht der JohanniskircheSo schlicht und unscheinbar präsentiert sich das Gotteshaus im Schatten des Domes, dass es der eilig Vorbeigehende und der in der Stadt fremde Besucher zumeist nicht wahrnimmt. Dabei kann die Johanniskirche im Schatten des Domes auf eine sehr lange, bewegte und bedeutende Geschichte zurückblicken.


Innenansicht der Johannishirche um 1908. © Stadtarchiv MainzIm Jahre 910 wird der von Erzbischof Hatto in Auftrag gegebene Bau als Dom von Mainz eingeweiht. Nach dem Patron der Stadt und des Bistums erhält er den Namen St. Martin. Knapp ein Jahrhundert später, im Jahre 1002, findet hier die Krönung König Heinrichs II. durch Erzbischof Willigis statt.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Errichtung einer neuen und größeren Bischofskirche mit Willigis als Bauherrn bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Mit ihrer Einweihung 1036 hat Mainz einen "neuen" Martinsdom, denn Patron und Name wechseln in den Neubau über. Aus dem alten Dom wird nun die Johanniskirche - fortan volkstümlich auch "Aldedum" genannt.

Bilck vom Leichhof auf die Johanniskirche um 1909. © Stadtarchiv MainzObwohl die Fundamentierung des Hatto-Baus in der Folgezeit ein Sicherheitsproblem darstellt, wird erst im 13. Jahrhundert der Beschluß gefasst, die Kirche von Grund auf neu zu bauen. Als Geldquelle bedient man sich der zu jener Zeit nicht ungewöhnlichen Ablässe - Geldspenden, welche die Tilgung der Sünden bewirken. Sogar Papst Gregor IX. gesteht der Johanniskirche angesichts ihrer schlechten baulichen Verfassung diese Maßnahme zu.

Johannes der Täufer; Skulptur von  August Varnesi. ©Stadtarchiv MainzDennoch vergehen weitere 100 Jahre, bevor der erste bauliche Schritt getan ist. Man beginnt im Westen und zieht anstelle der Westapsis einen turmartigen gotischen Chor mit steilem Satteldach und einem Dachreiter für die Glocken hoch. Nach dieser vollbrachten Arbeit und einigen Reparaturen scheint aber entweder das Geld oder die Begeisterung des Kirchenstiftes am Bauprojekt erschöpft zu sein. Immerhin können die Stiftsherren es sich noch leisten, die Messen und die Seelsorge gegen Entgelt anderen Geistlichen zu übergeben. 1803 wird der Johannisstift (wie auch alle anderen geistlichen Stifte) per Gesetz aufgelöst..

Die zerstörte Johanniskirche im Herbst 1947. ©Stadtarchiv MainzErneute bauliche Eingriffe im Jahre 1685 gelten der Sanierung: Durch Aufschüttung wird der Fußboden um 2,65 m erhöht und so das unsichere Fundament dauerhaft gestärkt. Die Umbauten im 18. Jahrhundert sind zu einem großen Teil Modernisierungen und entspringen dem Wunsch, sich dem Zeitgeschmack gemäß zu präsentieren. So wird 1741 das gotische Satteldach wieder entfernt und durch eine „Welsche Haube" ersetzt, die erst 1943 bei einem Luftangriff zerstört wird.

Wiederaufbau der Johanniskirche 1946-1956. ©Stadtarchiv MainzWährend der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Napoleons Truppen im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert wird die Johanniskirche zu militärischen Zwecken missbraucht, beschädigt und sogar als Strohlager benutzt. Dabei wird - abgesehen von wenigen Ausnahmen - das gesamte bewegliche Inventar geplündert oder zerstört.

1828 kann die evangelische Gemeinde in Mainz, der die Ausübung ihrer Religionsfreiheit lange Zeit verwehrt wurde, die Johanniskirche vom Militär übernehmen. An den anfallenden, hohen Renovierungskosten beteiligt sich u. a. auch der preußische König mit einer Geldspende. Im Zuge dieser Umbauten erhält die Kirche ein festes Gestühl, auf dem alle Gottesdienstbesucher - auch die einfachen Leute - sitzen können und dürfen. Bis zur Einweihung der Christuskirche 1905 ist St. Johannis die einzige evangelische Kirche in Mainz.

Die Johanniskirche nach dem Fliegerangriff von 1942. ©Stadtarchiv MainzBei einem Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg brennt die Johanniskirche fast vollständig aus. Bedauerlicherweise wird von der Kirchenausstattung nichts geborgen und gerettet, so dass selbst die Kirchenbücher verschollen sind..

Ankunft der drei neuen Glocken der Johanniskirche im September 1956. ©Stadtarchiv MainzBeim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit legt man viel Wert auf optische Schlichtheit. Die Kirche soll durch die Natürlichkeit der in ihr verwendeten Materialien wirken und in ihrer Einfachheit eine Atmosphäre der Ruhe, Konzentration und des Ernstes ausstrahlen. 1959 kann sie wieder eingeweiht werden.

St. Johannis ist nicht nur die älteste Kirche in Mainz sondern auch die einzige noch erhaltene Kathedrale aus spätkarolingischer/frühottonischer Zeit in Deutschland.

Standort:

Ecke Schöfferstraße/Johannisstraße