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Historisches Mainz: Der Mainzer Marktbrunnen

Nordostseite des Marktes mit Brunnen; vor 19001526 stiftet der Mainzer Erzbischof, Kardinal Albrecht von Brandenburg, den Bürgern seiner Stadt einen auffallend beeindruckenden Brunnen, der heute nicht nur der älteste, sondern wohl auch schönste Renaissancebrunnen Deutschlands ist..



Der Marktbrunnen vor dem Mainzer DomIm täglichen Leben der Neuzeit sind Brunnen von wesentlicher Bedeutung. Eine zentrale Wasserversorgung, wie es sie zu Zeiten der Römer in Mainz gegeben hatte, existiert nicht mehr. Die Bevölkerung versorgt sich aus den vielen häusernah gelegenen Brunnen. Deren Grundwasser ist aber zumeist stark verschmutzt..

Aufnahme mit Blick auf Liebfrauenplatz; vor 1890Öffentliche Brunnen gibt es nur wenige. Sie führen allerdings sauberes Grundwasser, für dessen Qualität eigens "Brunnenmeister" verantwortlich sind. Überdem sind sie beliebte Treffpunkte für soziale Kontakte; Man geht Wasser holen, unterhält sich, klatscht und tauscht Informationen aus.

Marktbrunnen mit Domhäuser im Hintergrund nach 1890Die Errichtung des farbenprächtigen und schön geschmückten Marktbrunnens erscheint daher auf den ersten Blick als großherzige Geste eines Kurfürsten, der um das Wohlergehen seiner Bürger sehr bemüht ist. Wirft man aber einen genaueren Blick auf das Kunstwerk und die geschichtlichen Ereignisse jener Zeit, erweist sich die noble Spende als ganz und gar nicht uneigennützig..

Der Marktbrunnen vor dem Mainzer DomZwei Jahre zuvor, 1524, war im Land der Bauernkrieg ausgebrochen. Die Rebellion der Bauern um soziale Gerechtigkeit und Freiheit hatte bald auch die Mainzer Bevölkerung erfasst, die unter Waffenlärm in einer Liste mit 31 Artikeln die Aufhebung adeliger und klerikaler Privilegien gefordert hatte. Mit der Rückkehr der kaiserlichen Truppen nach der siegreichen Schlacht in Pavia folgte 1525 die Niederschlagung der Aufständischen und damit auch Wiederherstellung der alten Machtverhältnisse zwischen Volk und Obrigkeit..

Marktbrunnen um 1878Diese Ereignisse dokumentieren sich auch in den Inschriften und Formen des Mainzer Marktbrunnens. Sie kreisen um die Themen Tugend, Sieg und Vergänglichkeit. Eindringlich ist die Darstellung eines Betrunkenen, über ihm ein Totenkopf und die Inschrift: "O Bedenck das End", die auf einem der Pfeiler des Brunnens zu sehen ist. Möglicherweise wollte Albrecht mit den abgebildeten Personen die Todsünden, zum Beispiel hier die Trunksucht, anschaulich darstellen.


Oberer Brunnenabschnitt mit sichtbarer BischofsfigurAufgrund der neuen Straßenverbindung zwischen Ludwigs- und Rheinstraße wird der Marktbrunnen 1889 von seinem angestammten Platz an die freie Nordostseite des Marktplatzes versetzt. Im Zuge dieser Maßnahme wird er auch um eine Madonnenfigur des Mainzer Bildhauers Valentin Barth bereichert. Im Zweiten Weltkrieg erhält er eine gemauerte Umhüllung, die ihn vor Bombeneinschlägen schützt. .

Detailansicht vom MarktbrunnenMit der Neugestaltung von Höfchen, Markt und Liebfrauenplatz kehrt der Brunnen 1974/75 wieder an seinen ursprünglichen Standort vor die Domhäuser in Richtung Liebfrauenplatz zurück. Als Symbol erfolglosen Aufbegehrens, Zeugnis geschichtlicher Ereignisse und reich geschmückte Darstellung fürstlicher Eitelkeit ist der Mainzer Marktbrunnen in jedem Fall einer näheren Betrachtung wert..


Standort:

Marktplatz zu Füßen des Doms