Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Eng umgeben von den Häusern an der Rheinstrasse und der Mailandgasse, einem namhaften Kaufhaus sowie der Rathausbrücke steht halb versteckt das ehemalige Heilig-Geist-Spital. Wer den Weg hierher findet, erblickt die imposante Fassade eines mittelalterlichen Bauwerks, in dessen roten Sandsteinmauern die Vergangenheit noch spürbar scheint.
Seine Geburtsstunde hat das Bauwerk im Jahre 1236. Auf Bitte der Mainzer Bürger hin beschließt Erzbischof Siegfried III., das in Domnähe gelegene Heilig-Geist-Spital ans (damalige) Rheinufer zu verlegen. Das neue Heilig-Geist misst 33 x 19 Meter und ist zweigeschossig. Das Erdgeschoss, ein durchgehender spätromanischer Gewölbesaal, ist aller Wahrscheinlichkeit nach den Männern vorbehalten. An seinen vier Wänden finden sich nur wenige kleine Fensterschlitze, aber auch jeweils ein großes Portal, das Zugang aus jeder Himmelsrichtung gewährt und den Raum mit zusätzlichem Licht versorgt.
Das Original des prächtigsten dieser vier Portale (Rheinseite) wird 1862 in den Dom versetzt. Im Obergeschoss, einem Saal mit großen Fenstern, sind die Frauen untergebracht. Wie das heute noch vorhandene, nach außen vorspringende Ostchörlein bezeugt, dient das Südende dieses Stockwerkes außerdem noch als Kapelle..
Die Spitäler des Mittelalters entsprechen nicht dem, was man sich heute darunter vorstellen mag. Das Heilig-Geist ist eine Mehrzweckeinrichtung, eine Art ‘Mischanstalt’. Hier leben Pilger und Obdachlose, Fremde und Arme, Alte ... und auch Kranke, wobei Letztere wohl eher eine Minderheit darstellen. Daher steht ihre Pflege auch nicht im Mittelpunkt..
Da die öffentliche Wohltätigkeit in jenen Zeiten eine rein kirchliche Angelegenheit ist, liegt die Betreuung der Insassen in den Händen der Bruderschaft zum Heiligen Geist. Dieser gehören Männer wie auch Frauen an, die mönchsähnliche Gelübde abgelegt und sich verpflichtet haben, ihr Leben lang dem hl. Geist zu dienen (Dr. Ludwig Falck).
Die besondere Lage des Gebäudes, das im 13. Jahrhundert auf der Rheinseite zur Hälfte über die Stadtmauer hinausragt, ermöglicht es Spätankömmlingen, auch nach Schließung der Stadttore über das Ostportal noch Einlass ins Spital zu finden. Diese Gepflogenheit wird auch später, nach der Verlegung der Stadtmauer, über eine kleine Tür an dessen Südostseite beibehalten. Der eigenwillige Verlauf der Stadtmauer erfordert es auch, dass die patrouillierenden Wächter auf ihrem Weg vom Eisenturm zum Fischtor über eine Türöffnung durch das Obergeschoss des Spitals schreiten müssen, um durch eine weitere Tür wieder auf die Fortsetzung der Mauer gelangen zu können.
Schon 1244 geht die Verwaltung des Spitals an die nunmehr freie Stadt über, fällt aber mit dem Verlust der Stadtfreiheit im Jahre 1462 wieder an die Kirche zurück, die das Haus nun in ein Altersheim für Frauen verwandelt. Unter den neuen alten Herren wird das Bauwerk in spätgotischer Zeit, Ende des 15. Jahrhunderts innen zum Teil umgebaut. Dabei werden auch die romanischen Fenster durch hohe gotische Fenster ersetzt..
1804 verfügen die Franzosen die Aufhebung der älteren Mainzer Spitäler. In der Folgezeit dient das Heilig-Geist-Spital verschiedenen Zwecken, wird sogar als Magazin und für Turnunterricht genutzt. 1863 eröffnet die Brey’sche Aktien-Brauerei darin erstmals eine Gaststätte. Zu diesem Zeitpunkt ist das Spital Eigentum der deutschkatholischen Gemeinde, die im Obergeschoss des Hauses ihre Gottesdienste abhält. 1888 wird es an die Mainzer Aktienbrauerei verkauft.
Beim Fliegerangriff der britischen Luftwaffe auf Mainz am 27. Februar 1945 brennt die ganze Innenstadt. Auch das Heilig-Geist steht in Flammen, der Schaden hält sich jedoch in Grenzen und das in der Hauptsache abgebrannte Dach kann bald nach Kriegsende wieder errichtet werden. In den 50er Jahren ist das Heilig-Geist ein beliebtes Tanzlokal. .
Eine im Rahmen des Wiederaufbaus des kriegszerstörten Mainz durchgeführte Restaurierung legt ab 1975 das in den vorhergehenden Jahrhunderten vor allem rheinseitig beträchtlich zugebaute und verbaute Spital wieder frei..
In dem Bemühen, das Bauwerk in seinen romanischen Urzustand zurückzuführen, werden allerdings auch die spätgotischen Elemente des Außenbaus inklusive der Maßwerkfenster beseitigt. Nichtsdestoweniger ist das Heilig-Geist-Spital als ältestes erhaltenes Bürgerspital Deutschlands und In-Gastronomie mit historischem Flair ein besonders eindrucksvoller Schauplatz, den man unbedingt einmal auf sich wirken lassen sollte.