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Historisches Mainz: Heunensäule

Blick von oben auf die Heunensäule. © Sascha KoppGroß und mächtig wie die jahrtausendealten Obelisken der Ägypter und Römer ragt sie in der Mitte des Marktes empor. Gleich dem Zeiger einer riesigen Sonnenuhr, auf jeden Fall unübersehbar das Zentrum des Zentrums der Stadt markiert die Heunensäule...


Für viele Besucher und Mainzer jüngerer Generationen scheint der mächtige Monolith aus Sandstein ein Denkmal zu sein, das zweifellos schon seit Jahrhunderten an dieser Stelle steht. Ältere Bürger erinnern sich aber noch an die alte Platzgestaltung, als an dieser Stelle die Straßenbahnschienen den Platz durchschnitten.

Die Heunensäule ist zwar schon über 1000 Jahre alt, auf den Mainzer Markt gelangte das Denkmal erst aus Anlaß des 1000jährigen Domjubiläums im Jahr 1975. Die Mainzer Säule wiegt 16 Tonnen, ist 6,40 Meter hoch und mißt einen Durchmesser von 1,20 Meter. Als schwere Fracht kam sie aus den Bullauer Bergen bei Miltenberg am Main an den Rhein. Die Heunensäulen liegen dort in einem Felsenmeer, am Osthang der Berge, in der Schleife eines von Miltenberg nach Mainbullau führenden Weges. Insgesamt lagerten dort sieben der Giganten. Im 17. Jahrhundert weisen Quellen noch sogar 14 Säulen aus. Nach Ansicht der Geschichtsforscher ist ein Teil der Säulen in den vergangenen Jahrhunderten zu Mühlsteinen verarbeitet worden.

Die Heunensäule auf dem Domplatz. © hoeBei den Miltenberger Säulen handelte es sich wohl um Reste eines Großauftrages an die Steinmetze, der nicht vollständig abgerufen wurde oder um fehlerhafte Stücke. Nach einer Theorie waren die Heunensäulen einst für den Vorgängerbau des Martinsdomes bestimmt gewesen. Diese Vermutung wird unterstützt durch die Tatsache, dass in der Zeit um das Jahr 1000 kein anderes Bauprojekt an Rhein oder Main in vergleichbarer Größe entstand. Es steht zudem fest, dass der älteste Kölner Dom bereits Pfeiler besaß. Gestützt wird die Vermutung weiterhin durch erhaltene älteste Teile im Mauerwerk des Mainzer Doms, Felssandsteine, die auch aus der Miltenberger Gegend stammen. Wahrscheinlich sollten die Säulen für den Wiederaufbau des am Tag der Weihe 1009 abgebrannten Mainzer Doms verwendet werden.

Die Heunensäule auf dem Mainzer Markt gelangte 1975, kurz vor der Einweihung der neu gestalteten Domplätze, Markt, Liebfrauenplatz und Höfchen, nach Mainz. Die Stadt Miltenberg trennte sich nur schweren Herzens von der Säule, jedoch glaubte der damalige Bürgermeister der Stadt, "die Säule sei auf historischem Boden gut aufgehoben."

Heute zählt sie zu den Wahrzeichen der Stadt und erzählt mit ihrer Ummantelung aus Bronze zugleich viele Episoden aus der Stadtgeschichte. Der Pfälzer Bildhauer Gernot Rumpf schuf die Bronzeplastik, die die Säule auf allen Seiten umfängt.

Der nachempfundene Helm eines römischen Legionärs erinnert an die Stadtgründung im Jahr 13 v. Christus. Ein Beispiel: die Kopfbedeckungen an allen vier Ecken des Denkmals. Der nachempfundene Helm eines römischen Legionärs erinnert an die Stadtgründung im Jahr 13 v. Christus. Die Bischofsmitra bezieht sich auf die reiche kirchliche Tradition, die bis ins 2. Jahrhundert nach Christus zurück reicht.Die Narrenkappe  an der Heunensäule entspringt symbolträchtig einer Jakobinermütze, wie sie die französischen Revolutionäre trugen.
Die Narrenkappe entspringt symbolträchtig einer Jakobinermütze, wie sie die französischen Revolutionäre trugen. Die Reichskrone schließlich steht für die zahlreichen Kapitel Reichsgeschichte, die Könige und Kaiser schrieben, die sich immer wieder mit ihren Gefolgsleuten in Mainz als einem der mächtigen Zentren des Römischen Reiches aufhielten und von denen hier sogar einige gekrönt wurden, so z.B. Friedrich II. 1202..

Eine römische Münze an der HeunensäuleNeben den Darstellungen der Kopfzier belegen weitere Details die Bedeutung der Stadt durch die Jahrtausende: Römische Münzen, die Abgüsse der ersten Stadtsiegel, die sowohl den Dompatron Sankt Martin als auch den Domerbauer Willigis würdigen.

Auch das Mainzer Rad in seinen verschiedenen historischen und modernen Ausprägungen darf natürlich nicht fehlen. Zwei Reliefs an der den Markthäusern zugewandten Seite weisen auf zwei besonders traurige Kapitel der Stadtgeschichte hin. Unter dem Davidstern das brennende "Magenza" ist ein Verweis auf die Pogrome, die einst blühende jüdische Gemeinde von Mainz immer wieder zerstörten, zuletzt die Vernichtung unter der nationalsozialistischen Herrschaft. Folgerichtig steht daneben das Bild von Mainz nach den schweren Bombardements im August 1942 und im Februar 1945.

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