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Historisches Mainz: Theodor Heuss Brücke

Die Theodor Heuss Brücke nach der Generalsanierung von 1991 bis 1995. Am 18. Juli 1995 war es soweit: eine der schönsten Brücken über den Rhein wurde nach mehr als dreijähriger Generalsanierung wieder für den Verkehr freigegeben. An diesem und dem darauffolgenden Tag jedoch nur für rund 200 000 Fußgänger, die aus den beiden Landeshauptstädten diesseits und jenseits des Rheins herbeigeströmt waren, um mit dem Brückenfest ihre schönste Verbindungsachse zu feiern.



Nicht ganz in der Mitte der Brücke markiert das Ortsschild Mainz-Kastel die Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie dokumentiert mit dem Zusatz Die Straßenbrücke im Zentrum der Stadt war und ist für die Menschen in Mainz auf beiden Rheinseiten schon immer etwas besonderes. Nur so ist der große Andrang nach den Restaurierungsarbeiten des 110 Jahre alten Bauwerks zu verstehen

Dies war auch bei den insgesamt drei vorausgegangenen Brückenfesten der Fall gewesen. 1995 konnten die Passanten zur Mitfinanzierung des Fests mit seinen sieben Bühnen, einem doppelten Musikfeuerwerk und zum Erwerb einer kleinen Erinnerung einen Brückenzoll entrichten.
Brückenzollmarken aus dem 17. und 18. Jahrhundert. MS=Mainzer Seite, BZ=Kasteler Seite

Die Rheinbrücke im Jahre 18851885 war die Passage am Tag der Einweihung frei. Jedoch mussten alle Passanten ab 1. Juni 1885 - zunächst für drei Jahre befristet -ein Brückengeld zahlen: 4 Pfennig jeder Fußgänger, 5 Pfennig jeder Fahrgast der Pferdebahn, für ein Schwein oder eine Ziege mußte immerhin 1 Pfennig entrichtet werden, Schüler waren befreit.

Die Trophäenplastiken mit kriegerischer Ausrüstung aus Sandstein waren einst Teil der Octroihäuschen. Sie wurden nach 1995 am Übergang von der Brücke auf die Rampe gestellt. Zollbeamte saßen in so genannten Octroihäuschen auf beiden Brückenköpfen und kassierten den Obulus, allerdings länger als vorgesehen: erst nach 27 Jahren wurden die Zollhäuschen 1912 geschlossen. Den Brückenzoll erhob die großherzogliche Landesregierung, um die für die damalige Zeit immensen Baukosten in Höhe von 3,6 Millionen Goldmark zu refinanzieren.

Das Lyoner Bleimedaillon (um 300) zeigt die älteste Ansicht der Stadt Mainz mit der festen römischen Rheinbrücke aus dem 1. Jhd. nach Christus.Nachdem die Menschen auf beiden Rheinseiten mehr als 1000 Jahre keine feste Brücke gekannt hatten, galt der Bau der modernen Stahlkonstruktion als Wunderwerk der Technik. 1882 begannen die Bauarbeiten nach einer deutschlandweiten Ausschreibung. Aus 38 Entwürfen entschied sich das Preisgericht für das Gemeinschaftsprojekt der Firmen Philipp Holzmann und der Gebrüder Benckiser.

Man sieht den Stich eines Brückenpfeilers der Theodor Heuss BrückeDer architektonisch-künstlerische Entwurf stammte von Friedrich von Thiersch, der in der Region Rhein-Main mit dem Wiesbadener Kurhaus und der Frankfurter Festhalle weitere bedeutende Bauwerke geschaffen hat.

Die Theodor Heuss BrückeEr entwarf vor der historischen Kulisse von Deutschhaus und Zeughaus auf einer Länge von 550 Metern ein überaus elegantes und dennoch funktionales Bauwerk.


Hochwasserkatastrophen im Winter 1882/83 behinderten die Bauarbeiten sehr stark, doch 1885 fanden die Arbeiten an den fünf Stahlbögen auf massiven Sandsteinpfeilern ein glückliches Ende. 3,5 Millionen Kilogramm Schmiedeeisen waren erforderlich, unzählige Nieten hielten die Konstruktion, die nach Einbau der neuen Bögen beim Brückenfest unserer Tage an die Bevölkerung verkauft wurden. Die Spannweiten von 87-99-103-99-87 Meter sorgten nicht nur für einen reibungslosen Schiffsverkehr, sondern trugen in ihrem Wechsel maßgeblich zur eleganten Erscheinung des Bauwerkes bis heute bei.

Beginn der Bauarbeiten 1882 mit einfachen Holzgerüsten.

"Brücke im Wandel" heißt der Buchtitel einer Monographie, die 1995 erschien. Und Veränderungen erlebte die Brücke immer wieder. 1931 mußte die Brücke aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens verbreitert werden. Kein leichtes Unterfangen, da aus statischen Gründen auch die Pfeiler im instabilen Flußgrund neu gemauert werden mußten. 1945 sprengten deutsche Pioniere in den letzten Kriegsmonaten (im März) die Brücke, ohne damit den Vormarsch der Alliierten aufhalten zu können. US-Pioniere schlugen für die Dauer des Wiederaufbaus, der 1950 mit einem Brückenfest gekrönt wurde, eine Schiffspontonbrücke, ähnlich wie es sie in kurfürstlicher Zeit seit 1661 gegeben hatte. Auch die wiederaufgebaute Brücke in den einfacheren Formen der Neuzeit führte noch Schienenstränge für den Tramverkehr. 1960 erhielt die Kasteler Seite den Kreisel zur Bewältigung der Verkehrsströme von drei aufeinander treffenden Bundesstraßen.

Die neuen Brückengeländer orientieren sich am historischen Vorbild, sind aber eigens angefertigte Neuschöpfungen.

Die stärksten Eingriffe erfolgten jedoch mit der Generalsanierung von 1991 bis 1995. Besonders die Stahlbögen mußten ausgetauscht, die Fahrbahnplatten erneuert werden. Im Zuge der Sanierung sorgte die Denkmalpflege dafür, dass neben den technisch und funktional notwendigen Arbeiten auch der ursprüngliche Charakter des Bauwerks Beachtung fand. Bei der Auswahl der Lampen, der Geländer, der Farbigkeit und beim Einbau historischer Details wie der Wappenkartuschen oder eines originalen Halbbogens am Kasteler Ufer versuchte man die alte Schönheit des Bauwerks wieder herzustellen.

Neben der technischen Herausforderungen der Sanierung bewältigten die Brückenbauer der Jetztzeit bei fließendem Verkehr ein Mammutwerk. Insgesamt kostete der Umbau 139,5 Millionen Mark. Viel Geld, das aber angesichts der Funktion der wichtigen Verbindung und der Ästhetik des Bauwerks vor dem berühmten Mainzer Stadtpanorama gut angelegt wurde.

Standort:

Höhe Landtag, Zugang über Peter Altmeier-Allee