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Historisches Mainz: St. Gotthardkapelle

Die Nordseite der  Gotthardkapelle.Schaut man vom Marktplatz in Richtung Dom fällt sie sofort auf. Die St. Gotthardkapelle aus hellem Muschelkalkstein hebt sich von dem typischen roten Sandstein des Doms und der Häuser in ihrer Umgebung deutlich ab. Das romanische Bauwerk, eines der ältesten seiner Art, hat am Fuß des „Domgebirges" seinen Platz.


Die Gotthardkapelle auf einer Ansichtskarte um 1925.  © und Quelle: StadtarchivUm 1130 gab Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken den Auftrag zum Bau der Gotthardkapelle und stiftete dafür Liegenschaften aus seinem Besitz. Doch erst kurz nach Adalberts I. Tod 1137 wurde die zweigeschossige Kapelle fertig. Bischof Bucco von Worms weihte den Altar und Adalbert I. wurde vor dem Chor in der Kapelle beigesetzt. Schutzpatron der Doppelkapelle wurde der heilige Gotthard, eigentlich Godehard von Hildesheim (ca. 960-1038). Dieser war kurz zuvor im Jahr 1131 von Papst Innozenz II. heilig gesprochen worden.

Marktansicht 1948. © und Quelle: StadtarchivDie Gotthardkapelle wurde im klaren romanischen Stil an die Nordseite eines Vorgängerbaus des heutigen Querschiffs des Doms gebaut. Sie ist der einzige Teil, der vom ehemaligen erzbischöflichen Hof erhalten geblieben ist. Nur der Name Höfchen erinnert heute noch an den Palast des Erzbischofs. Wie die anderen Bauten des Hofes ausgesehen haben, ist nicht bekannt. Das schlechte Verhältnis der Mainzer Bürger zu Erzbischof Werner von Eppstein gipfelte 1273 in der Zerstörung seines Palastes. Die wenigen Reste verschwanden bei der Zerstörung der Domherrenhäuser im Jahr 1552, als der antikaiserliche protestantische Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach mit seinen Truppen in die Stadt einfiel.

Apsis um 1955. © und Quelle: StadtarchivVorbild der salischen und staufischen Burg- und Palastkapellen, zu denen auch die Gotthardkapelle gehört, war die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen. Schon von außen sieht man die Aufteilung der Kapelle in zwei Geschosse. Der Bau ist aus heute unverputzten Muschelkalk-Quadern mit wenigen Gliederungen aus Sandstein.

Die Zwerggalerie der Gotthardkapelle um 1964. © Klinicke Quelle: StadtarchivIm Obergeschoss befindet sich eine der ältesten Zwerggalerien Deutschlands. Das Nordportal ist rekonstruiert.


Die Apsis der Gotthardkapelle nach 1945. © Usinger Quelle: Stadtarchiv
So wie der Dom hat auch die Gotthardkapelle im Laufe der Zeit viele Brände und Zerstörungen miterlebt. Am 22. Mai 1767 wird der westliche Vierungsturm des Doms von einem Blitz entzündet. Beim anschließenden Brand, der die ganze Nacht wütet, verliert die Gotthardkapelle ihren achteckigen Mittelturm.

 Der Markt nach 1945. © Usinger Quelle: Stadtarchiv
Auch im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs werden das Dach und das Gewölbe der Kapelle beschädigt. Doch schon im Juni 1945 beginnen die Wiederaufbauarbeiten. 1964 wird die Kapelle restauriert. Der Außenbau wird 1981 und 1983 erneuert und der Innenraum erhält seine
ursprüngliche Farbfassung zurück.

Nordansicht  der Gotthardkapelle um 1978. © und Quelle: StadtarchivHeute betritt man die Gotthardkapelle durch ein Portal vom nördlichen Dominneren aus. Der Eingang wird links vom Denkmal des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg und rechts von einem zinnernen Taufbecken eingerahmt. Das frühgotische Stufenportal (um 1240) gehörte früher zum Heilig-Geist-Spital und wurde 1860 hierher versetzt. Außerdem kann man die Kapelle auch durch eine
Tür an der Marktseite betreten.

Die Funktion der Gotthardkapelle als Hofkapelle des erzbischöflichen Palastes sieht man schon in der Raumaufteilung. Eine weite viereckige Öffnung verbindet beide Geschosse, sodass der Erzbischof und seine Gefolgsleute, nach mittelalterlicher Ständeordnung getrennt, dennoch am gleichen Gottesdienst teilnehmen konnten.

Innenansicht der Gotthardkapelle. © Nichtweiß Quelle: Bischöfliches Ordinariat Nur spärlich fällt das Tageslicht durch die kleinen Fenster in die Kapelle, was zur besonderen Ruhe und Würde des Raumes beiträgt. Die Farbgebung des Innenraums ist schlicht und doch sehr eindrucksvoll. Neben dem vorherrschenden Weiß mit roten Abschlüssen, finden sich hinter dem Altar und den Nebenapsiden halbrunde Zonen in blaugrau mit gelben Rahmen.
Auch die Pfeiler und Säulen sind in den gleichen Farben gestaltet. Die linke Nebenapsis bietet Platz für eine Ikone, welche die Madonna mit Kind zeigt, in der rechten steht eine Holzstatue. Eine schlichte Kreuzwegdarstellung ist an den hinteren Wänden der Kapelle angebracht. Die offene Mitte des Raumes wird seit 1971 von einem achtseitigen Bronzeleuchter von Georg G. Zeuner geschmückt, der die Wirkung des Raumes noch unterstreicht.
Im Obergeschoss befindet sich die Orgel.

Das Udenheimer Kreuz um 1070. © Nichtweiß Quelle: Bischöfliches Ordinariat Eine ganz besondere Kostbarkeit ist das Udenheimer Kreuz, das im Altarraum der Kapelle zu bewundern ist. Es gehört zu den wenigen Großkreuzen, die aus der Zeit der Romanik erhalten sind. Das frühromanische Kreuz wurde um 1070 wohl für die Mainzer St. Emmerans- Kirche geschaffen, befand sich aber als freistehendes Triumphbogenkreuz im Dom. Zum Schutz vor Kriegschäden und Plünderung war es während des Dreißigjährigen Krieges in das rheinhessische Dorf Udenheim ausgelagert. Seit 1964 hat es in der Gotthardkapelle seinen Platz gefunden. Im Rahmen der Restaurierung 1995 wurde auch das Holz eingehend untersucht und auf einen Zeitraum zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert geschätzt. Den entscheidenden Hinweis auf die Datierung des Kreuzes in die Mitte des 11. Jahrhunderts lieferten die ursprünglichen Farben der Figur. Das geheimnisvolle Kreuz verleiht dem Raum eine besondere meditative Stimmung, die gut zur heutigen Funktion der Kapelle als Stätte der Andacht passt.

Nordseite der Gotthardkapelle mit Bonifatiusstatue. © Kepplinger Quelle: StadtarchivVor der Gotthardkapelle steht an der Marktseite die Nachbildung einer Bonifatiusstatue, deren Original im Dom- und Diözesanmuseum zu finden ist. Ein origineller barocker Maskenbrunnen, liebevoll „St. Spuckes" genannt, sprudelt mit dem großen Rhein um die Wette.

Detail des ehemaligen Geländers am Markt 1968. © Münzenberger
Quelle: StadtarchivIn der besinnlichen Jahreszeit bietet die Gotthardkapelle eine besonders schöne Kulisse für den Weihnachtsmarkt. Auf der Bühne vor der Kapelle können die Besucher seit rund 20 Jahren die handgeschnitzte Weihnachtskrippe mit lebensgroßen Figuren bestaunen. Hier findet auch das musikalische Programm des Weihnachtsmarktes statt.

Literaturtipps:

Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz,

Stadt Mainz, Altstadt, hg. i.A.. des Kultusministeriums vom Landesamt für Denkmalpflege, Bd.2.2., Düsseldorf 1988.

1000 Jahre Mainzer Dom (975-1975), Werden und Wandel,

Ausstellungskatalog und Handbuch, hg. Wilhelm Jung i.A. des Diözesanbischofs und des Domkapitels, Mainz 1975.

Standort:

Marktplatz, Markt 8