Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Es gibt kaum ein Baudenkmal in der Mainzer Innenstadt, an dem man als Fußgänger im wahrsten Sinne so oft vorbei, besser: darum herum gehen muss wie am Neuen Brunnen auf dem Neubrunnenplatz. Kommt man die Lotharstraße hinab und will die Große Bleiche überqueren zieht er den Blick unweigerlich auf sich. Nicht nur wegen seiner schieren Größe. Auch erscheint er inmitten des Ensembles zweckgebundener Nachkriegsbauten rund um den Platz fast ein wenig als Fremdkörper.
Dabei war er bis zur Zerstörung der Stadt im Krieg 1942 Teil einer repräsentativ angelegten Platzanlage, umrahmt von der ehemaligen Universitätsburse und vom Wolf-Metternichschen Hof. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Platz von Kurfürst Johann Philipp von Schönborn als „Speisemarkt" angelegt. 1724 bis 1726 schuf Johannes Weydt, seines Zeichens Hofwerk- und Stadtbaumeister unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn, einen prunkvollen Laufbrunnen, der dem Platz seinen Namen gab. Der Brunnen lieferte das Trinkwasser für das neu errichtete Bleichenviertel. Das Quellwasser wurde aus Bretzenheim hergeleitet. Die Rohre aus Blei waren die erste Wasserleitung der Stadt seit römischer Zeit.
Von den ursprünglich drei Stufen, die sich um das ovale, geschweifte Becken aus rotem Sandstein legten, wurden 1986 zwei rekonstruiert. Weithin sichtbares Merkmal des Brunnens ist sein ca. 12 Meter hoher Obelisk. An seinem Sockel befinden sich zwei liegende Flussgötter, die Rhein und Main symbolisieren und 1726 von Franz Matthias Hiernle geschaffen wurden. Die heutigen Statuen sind Kopien des Jahres 1877, seitdem sind die Orginale im Landesmuseum Mainz ausgestellt. 1828 kamen anstelle der Nymphen sphinxartige Löwen von Joseph Scholl dazu.
Für die Flachreliefs, die den Obelisk auf seinen vier Seiten überziehen, sollte man sich Zeit nehmen. Sie bestehen aus Emblemen und allegorischen Hieroglyphen. Die Symbolik umfasst verschiedene Themenkreise: Krieg auf der Westseite, Künste auf der Ostseite, gute Staatshaushaltung auf der Südseite und Handel auf der Rückseite. Der Kurhut und andere kurfürstliche Insignien wurden zwar 1798 nach dem Anschluss der Stadt Mainz an Frankreich entfernt. Doch beseitigten die Mainzer 1814 ihrerseits umgehend wieder die französischen Umwidmungen an der Stiftertafel am Fuß des Obelisk. Nachdem der Brunnen 1828 und 1877 erneuert wurde, gingen im Herbst 2002 die vorläufig letzten Sanierungsarbeiten zuende. Seit dem steht er wieder in seiner ganzen Schönheit als beredtes Zeugnis barocker Selbstdarstellung in Mainz da - der Brunnen, um dem man nicht drum herum kommt.