Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Bei strahlend blauem Himmel hebt es sich besonders gut ab. Dann blinkt und blitzt das goldene Ross auf dem Eingangsportal des Gebäudes, das ihm seinen Namen verdankt: die ehemalige „Golden-Ross-Kaserne" in der heute das Landesmuseum Mainz untergebracht ist. Die Vorderbeine in der Luft sieht es aus, als setze es zum Sprung auf die andere Straßenseite an. Vielleicht scheut es aber auch vor dem dichten Verkehr auf der direkt unter ihm liegenden Großen Bleiche zurück. Das Ross war ursprünglich aus Kupfer. Heute ist es eine vergoldete Rekonstruktion aus Aluminiumguss.
Seinen Platz hat das goldene Ross in der Mitte des lang hingestreckten Gebäudekomplexes eingenommen. Nomen est Omen: Der zweigeschossige Bau unter ihm diente als kurfürstlicher Marstall, der zusammen mit dem Wohnhaus an der Schießgartenstraße und einem Hofflügel 1766/67 nach Plänen des Baudirektors Jakob Josef Schneider errichtet wurde. Das Wohnhaus an der Bauhofstraße 1, das Haus des Oberstallmeisters, wurde schon vor 1750 erbaut und diente als kürfürstliche Kameralverwaltung. Nach dem Bau des Marstalls waren in diesem Wohnhaus einflussreiche Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts untergebracht, so die Gesellschafterin des Kurfürsten von Erthal, Sophie von Coudenhoven (1747-1825), und der französische Außenminister Talleyrand. Er wohnte hier während des Aufenthalts Napoleons in Mainz im Jahre 1806. Kennzeichnend für die barocke Formensprache der Stadt ist die typisch rot-weiße Farbgebung des Gebäudes. An den Eckhäusern sind die Fenster mit geohrten Umrandungen versehen, die Eckeinfassungen sind durch Hausteine hervorgehoben. Bis 1770 entstand an der Mittleren Bleiche eine Reithalle. Ganz im Sinne absolutistischen Prestigedenkens lies Kurfürst Emmerich Joseph Breidbach-Bürresheim die ca. 15 mal 19 Meter große Halle mit zwei prächtigen Emporen ausstatten. Doch schon 1793 bis 1797 und nochmals zwischen 1805 und 1833 diente sie als Theater. Zwischen 1815 und 1930 war der Komplex Quartier verschiedener Kavalerieregimenter.
1937 traf man eine für die „Golden-Ross-Kaserne" wegweisende Entscheidung, die sie endgültig von einer Kaserne in ein Haus der Kunst umwandeln sollte: Man brachte im Marstall das städtische Altertumsmuseum unter. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte bereits die Städtische Gemälde-Galerie unweit im Rheinflügel des Kurfürstlichen Schlosses ihre vorläufige Heimat gefunden. Beide Sammlungen sollten später - freilich aus der Not geboren - ganz zusammenkommen.
Denn die Folgen des Zweiten Weltkrieges zwangen dazu, einen neuen Platz für die weitgehend ausgelagerten Bestände beider Museen zu suchen. Die französische Militärregierung unterstützte ab 1950 den Wiederaufbau des im Innenhof der Kaserne gelegenen Trakts als Magazin für beide Museen. Als dann die Gebäudefront an der Großen Bleiche wieder aufgebaut war, konnte 1962 der neu eingerichtete Museumskomplex Golden-Ross-Kaserne der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
1967 kamen Altertumsmuseum und Gemäldegalerie der Stadt als Mittelrheinisches Landesmuseum in die Trägerschaft des Landes Rheinland-Pfalz. Nachdem auch der Trakt an der Schießgartenstraße wiederhergestellt und zusätzlich ein Ausstellungspavillon im Innenhof errichtet worden war, wurde das Haus 1979 neu eröffnet. 1986 benannte man das Museum aus Anerkennung seiner überregionalen Bedeutung in „Landesmuseum Mainz" um. Im Jahre 2003 feiert es nun seinen 200jährigen Geburtstag.
Im Volksmund blieb das Gebäude allerdings als „Golden-Ross-Kaserne" bekannt. Und dies wird sich vermutlich so lange nicht ändern, bis das goldene Ross irgendwann einmal den Sprung auf die andere Straßenseite gewagt haben wird...
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