Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Eine rege militärische Bautätigkeit setzte ein, um Mainz als „Bollwerk Deutschlands" auszubauen. Die Kreuzschanze und die Befestigung auf dem Hartenberg wurden errichtet. Später folgten die Forts Bingen, Gonsenheim und Marienborn, die Reduitkaserne in Kastel und das Proviant-Magazin.
Vor allem der Bau des Magazins war wichtig, denn es fehlte an Lagermöglichkeiten für Lebensmittel für die stationierten Soldaten.
Allein schon in Friedenszeiten mussten nämlich 7.000 Mann der Bundestruppen versorgt werden. In Kriegszeiten hatte man mit 20.000 annähernd dreimal so viel zu versorgen. Mit dem Bau des Magazins 1863-67 schaffte man auf sieben Stockwerken knapp
5.000 Quadratmeter Schüttfläche für Getreide.
Das über 100 Meter langgestreckte Proviant-Magazin besitzt an seinen Stirnseiten zur Münsterstraße und zur Schillerstraße hin jeweils ein Rundbogenportal. Ebenfalls auffällig sind seine Rundbogenfenster. Über dem Eingang an der Schillerstraße sind das Wappen des Deutschen Bundes und die Inschrift „Proviant-Magazin" angebracht.
Der mit vier trutzigen Ecktürmen bewehrte Bau aus rotem Sandstein sollte selbst möglichen Bombardements von Kanonen standhalten. So zog man Gewölbedecken ein, die an ihrer schwächsten Stelle mehr als ein Meter dick waren. Freilich geriet das Proviant-Magazin nie ins Kreuzfeuer kriegerischer Auseinandersetzungen. Kurz vor seiner Fertigstellung nämlich besiegte Preußen Österreich 1866 in der Schlacht bei Königsgrätz und kehrte als alleinige Bundesmacht nach Mainz zurück. Die Stadt wurde für sechs Jahre eine Festung Preußens, bis sie nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870-71 ihren Charakter als Grenzstadt verlor. Zum Zeitpunkt der Übergabe war das Proviant-Magazin noch nicht einmal fertig gestellt.
Damit verlor das Proviant-Magazin seine ursprüngliche Bedeutung. Manche Überlegungen wurden seither angestellt, wie man das riesige Festungsgebäude mitten in der Stadt nutzen könnte. So gab es in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts den Plan, es zu einem Hallenbad umzubauen oder als Lichtspielhaus zu nutzen. Umgesetzt wurde keiner dieser Pläne. So stand der Kriegsbau, der nie dem Krieg gedient, geschweige denn durch die Weltkriege Schaden davon getragen hatte, Jahrzehnte lang leer. 1966 wurde er renoviert, bekam ein neues Sims und ein neues Dach. Heute hat man das Gebäude mit seiner Nähe zur Altstadt als Wohnquartier für den gehobenen Anspruch entdeckt. Für das Proviant-Magazin ist damit wohl die lebhafteste Zeit seines Bestehens angebrochen. Seit 2004 sind hier Eigentumswohnungen in historischem Ambiente unter den alten Kreuzgewölben zu beziehen. Außerdem entstanden in den alten Festungsmauern neue Räume für das Fastnachtsmuseum und das Deutsche Kabarettarchiv.
Auf diese Weise, so scheint es, hat das Proviant-Magazin nach fast 140 Jahren endlich zu seiner wahren Bestimmung gefunden.