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Historisches Mainz: Die Christuskirche

Die Mainzer Christuskirche: Gedacht war sie als repräsentatives Gegengewicht zum Dom. Tatsächlich ragt ihre mächtige Kuppel architektonisch aus dem Ensemble der Kirchtürme in der Innenstadt heraus. Am 2. Juli feierte diese Hauptkirche der evangelischen Christen in der Landeshauptstadt ihren hundertsten Geburtstag.


 Die Christuskirche während der Bauarbeiten 1901.  © StadtarchivErzählt man die Geschichte dieses Bauwerks gehört dazu auch die der Mainzer Protestanten, die mit diesem Bau ein Zeichen ihres Selbstbewussteins setzten. Im katholischen Mainz zählte man am Ende des Kurfürstentums 1802 gerade einmal 600 Protestanten. Erst Napoléon Bonaparte gewährte ihnen mit dem Recht zur freien Religionsausübung auch die vollen Bürgerrechte und hob damit ihren Status als Tolerierte in der Stadt, den sie mit den Juden teilten, auf. Nun hatten evangelische Christen die Möglichkeit, in Mainz eine Gemeinde zu gründen und mussten nicht länger ins protestantische Hessen „pilgern".

 Zu sehen ist die Christuskirche 1912. © Stadtarchiv1830 erwarben sie, mittlerweile auf 1.200 Mitglieder angewachsen, die Kirche St. Johannis. 100 Jahre später war bereits nahezu ein Drittel der Mainzer Bevölkerung evangelischen Glaubens, über 30.000. Die schnell wachsende evangelische Gemeinde hielt nach einer Hauptkirche Ausschau, die ihrer neu gewonnenen Bedeutung in der Stadt Ausdruck zu geben vermochte.

Zu sehen ist die brennende Kuppel der Christuskirche nach dem schweren Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg am 1. Februar 1945.  © StadtarchivDie Erweiterung der Stadt um die Neustadt im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kam da wie gerufen. Mit der Kaiserstraße entstand ein doppelläufiger Prachtboulevard, in dessen Mitte sich die von Stadtbaumeister Eduard Kreyßig geplante und von Bauleiter Franz Fredriksson fertiggestellte Kirche harmonisch einfügt und den Blick unweigerlich auf sich zieht. Kreyßig hatte den Bau im Stil der italienischen Hochrenaissance - die Kuppel erinnert an St. Peter in Rom - entworfen. Mit seinen schweren Einzelformen, der Tambourkuppel, der langgestreckten Eingangshalle mit ihrer Fensterfront und den seitlichen Turmaufbauten und Obeliskenbekrönungen wird deutlich, dass es diesem Bau inmitten ausgedehnter, parkähnlicher Grünanlagen darauf ankommt, auf den Betrachter bereits von fern zu wirken. Kennzeichnend ist vor allem das Kuppelmotiv. Die Türme, die die Querarme flankieren, führen es konsequent fort.

Zu sehen ist das eingestürzte Gewölbe im Innern der Christuskirche. © Stadtarchiv Als die Christuskirche am 2. Juli 1903 nach siebenjähriger Bauzeit endlich eingeweiht wurde, war das ein großer Tag für die ganze Stadt. Ehrengast war Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, der, von 2.000 Gästen umgeben, unter den Klängen von „Ein` feste Burg ist unser Gott" in die Kirche einzog. Die Stadt hatte ein neues Wahrzeichen hinzugewonnen. Doch schon knapp 42 Jahre später sollte dieser prunkvollen Feier die bisher schwärzeste Stunde der Christuskirche folgen: Am 1. Februar wurde sie beim Angriff der Alliierten auf Mainz schwer getroffen. Die Kirche brannte vollständig aus, alle Gewölbe stürzten ein. 1952 begann der Wiederaufbau und am 31. Oktober 1954 konnte die Kirche erneut eingeweiht werden.

Die Christuskirche 1963 aus der Luft. Majestätisch erhebt sie sich inmitten der doppelläufigen Kaiserstraße. © Landesbildstelle RLPIn den letzten Jahren sind sowohl eine Außen- als auch eine Innenrenovierung der Kirche abgeschlossen worden. Darüber freuen sich neben der Gottesdienstgemeinde nicht zuletzt die Musikfreunde in Mainz, die mit der Christuskirche Kunstgenuss auf höchstem Niveau verbinden: Der Bachchor und das Bachorchester Mainz sind in der Christuskirche beheimatet. Traditionell werden hier auch die Universitätsgottesdienste zu Anfang eines jeden Semesters gefeiert.

Standort:

Kaiserstraße