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Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek besitzt etwa 1300 Handschriften, von denen zwei Drittel aus dem Mittelalter stammen. Für die überwiegend spätmittelalterlichen Gebrauchshandschriften stellt die Bibliothek der 1781 aufgelösten Mainzer Kartause die wichtigste Provenienz dar. Daneben sind - dies gilt ebenso für den Altbestand - u.a. die Karmeliten, das Benediktinerkloster St. Jakob, das Jesuitenkolleg, die Kapuziner, die Augustinereremiten und die alte Mainzer Universität zu nennen.
Die Benutzung der Handschriften, Rara, Sondersammlungen und Altbestände erfolgt in der ersten Reihe des Lesesaals. Grundlage dafür sind die Besonderen Bestimmungen für die Benutzung von Handschriften, Rara und Sonderbeständen.
Sämtliche Handschriften bis 1600 sind verfilmt.
Im Rahmen der Handschriftenerschließung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sind drei Bände erschienen, die die Signaturen Hs I 1 - Hs I 350, ca. 27% des Gesamtbestands an Handschriften, erfassen. Es handelt sich dabei um theologische Handschriften, die ausnahmslos aus der Mainzer Kartause stammen.
Mit Erscheinen des 3. Bandes hat die Tiefenerschließung im Jahr 2006 ihren vorläufigen Abschluss gefunden. Ihre Fortsetzung fand die Erschließungsarbeit von 2005-2007 in Form einer Bestandsliste gemäß den "Neuen Konzepten zur Handschriftenerschließung" der DFG. Dabei wurden die Handschriften Hs I 351 - Hs I 490 (Theologie und Jura) und Hs I 513 - Hs I 529 (Medizin) erfasst. Die Erschließung wird künftig in Eigenleistung der Stadtbibliothek fortgeführt.
Für die noch nicht beschriebenen Handschriften stehen verschiedene handschriftliche Kataloge im Lesesaal bereit.
Die Sekundärliteratur zu Handschriften und Fragmenten, die auch in der Bibliographie zur Geschichte der Stadtbibliothek aufgeführt ist und halbjährlich aktualisiert wird, findet sich am Ende der Seite als Download.
Seit 1998 verwaltet die Stadtbibliothek das gesamte handschriftliche Material der Universitätsbibliothek Mainz als Dauerleihgabe. Zu den 814 Handschriften gehört neben einigen bedeutenden mittelalterlichen Codices vor allem eine große Autographensammlung.
Die Handschriften der Stadtbibliothek Mainz / beschrieben von Gerhard List ...
Wiesbaden: Harrassowitz
Bd 1. Hs I 1 - Hs I 150. - 1990. - 358 S.
Bd 2. Hs I 151 - Hs I 250. - 1998. - 443 S.
Bd 3. Hs I 251 - Hs I 350. - 2006. - 495 S.
Über http://www.manuscripta-mediaevalia.de besteht ein direkter Zugriff auf den Volltext der Beschreibungen der drei Bände.
Die vorläufigen Katalogisate der Bestandsliste sind unter www.manuscripta-mediaevalia.de ebenfalls einsehbar. (Klicken Sie dort auf die Rubrik "Projekte" und scrollen Sie anschließend nach unten bis zum Eintrag "Mainz") Die Eingabe der Daten in die Handschriftendatenbank mit entsprechenden Retrieval-Möglichkeiten ist in Planung.
Neben Buchhandschriften und Autographen besitzt die Wissenschaftliche Stadtbibliothek eine Fragmentensammlung im Aufbau, in der vor allem hebräische Handschriftenfragmente aufbewahrt werden. Die Sammlung enthält u.a. auch ein Beda-Fragment als Zeugnis zum Mainzer Skriptorium des 9. Jahrhunderts und deutsche Fragmente, wie die von Reinmars Leich oder ein Rennewart-Fragment, die im Handschriftencensus nachgewiesen sind. Zuletzt erregte das spätkarolingische Fragment eines illustrierten Beda-Kommentars zur Apokalypse internationale Aufmerksamkeit.
Zur Wissenschaftlichen Stadtbibliothek gehört seit 1985 eine Rarasammlung mit Druckwerken des 16.-21. Jahrhunderts, die besonders selten oder unter verschiedenen Aspekten wertvoll sind. Rara können historisch, wissenschaftlich und literarisch herausragende Druckwerke sein – Bücher, die die Welt bewegten oder buchgeschichtlich und buchkünstlerisch bemerkenswerte Ausgaben. Druckwerke mit speziellem Wert für Mainz und die Mainzer Bibliotheksgeschichte haben hier ebenso ihren Platz wie Exemplare mit individuellen Besonderheiten, die aus einem "gewöhnlichen" Druck ein Unikat machen und für die Provenienzerschließung von Bedeutung sind. Druckwerke, die in Handschriftenmakulatur eingebunden wurden, sind ausnahmslos Teil der Rarasammlung, da sie u.U. wichtiges Forschungsmaterial bereitstellen. Zur Rarasammlung wird auf folgende Publikation hingewiesen:
Exemplarspezifika sind Ausdruck der Geschichte eines bestimmten Buches und transportieren über den reinen Inhalt hinaus wichtige (Meta-)Informationen. Es gehören dazu z.B. Exlibris, Besitzeinträge, Binde- und Kaufvermerke, Zensurnotizen, handgeschriebene Marginalien und die Gestaltung des Einbands, der im 16. und 17. Jahrhundert in aller Regel erst nach dem Erwerb eines Druckwerks im Auftrag des Eigentümers entstand. Exemplarspezifische Merkmale bilden die Grundlage für die Provenienzforschung, die die Herkunft und Geschichte der jeweiligen Bibliotheks-Exemplare dokumentiert und die Spuren festhält, die Vorbesitzer in diesen Büchern hinterlassen haben.
Von wem, wann und wo wurden die Exemplare gekauft und gebunden, wie wanderten sie von einem Vorbesitzer zum nächsten, welche Bedeutung wurde ihnen beigemessen, und wie wurde mit ihnen gearbeitet? Diese Fragen versucht die Provenienzerschließung im bibliothekarischen Kontext zu beantworten und die Ergebnisse für die Forschung bereitzuhalten.
Die Anzeige der Provenienzen erfolgt am Ende der Lokaldaten des jeweiligen Exemplars: Durch Anklicken des Links "Provenienz" werden die Informationen aufgeklappt. Über weiterführende Links können auch die Normdaten mit biographischen Angaben zu den Vorbesitzern sowie digitalisierte Provenienzmerkmale als Bild aufgerufen werden. (z. B. Exlibris, Wappen und Zensurvermerke) Die Provenienzerschließung ist ein noch recht junges Arbeitsfeld der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek. Deshalb ist erst ein Teil des Altbestands mit Provenienzangaben verknüpft. Die Erschließung und Visualisierung der Provenienzen wird aber systematisch fortgesetzt. Als Ergebnis der Provenienzerschließung ist 2011 die Publikation "Woher unsere Bücher kommen. Provenienzen der Mainzer Stadtbibliothek im Spiegel von Exlibris" erschienen.
Einen besonderen Reichtum stellen die Altbestände der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek dar. Als historisches Erbe verwahrt die Bibliothek einen Bestand von ca. 77.000 Drucken des 16 .- 18. Jahrhunderts. Den größten Teil ihrer historischen Drucke verdankt sie den Bibliotheken der 1773 aufgelösten Mainzer Niederlassung der Jesuiten und dem 1781 aufgehobenen Kloster der Mainzer Kartause. Als weitere wichtige Klosterbibliotheken aus Mainz und dem Umland, deren Buchbestände nach der Säkularisierung in die Alte Universitätsbibliothek inkorporiert wruden, sind die Karmeliten, das Benediktinerkloster St. Jakob, die Kapuziner, die Augustinereremiten und die Franziskaner-Observanten zu nennen. Bedeutende Restbestände der Bibliotheca Palatina, darunter 63 Ottheinrichbände, gelangten über die Heidelberger Jesuitenniederlassung nach Mainz.
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