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Historisches Mainz: Der Osteiner Hof

Die Kaiserparade wird 1917 vor dem Osteiner Hof abgehalten.Einen besonderen Eindruck vom Reichtum kurfürstlicher Zeit in Mainz erhält der Besucher, wenn er vom Münsterplatz in Richtung Schillerplatz läuft. Der Weg ist gesäumt von barocken Adelspalästen, vom Erthaler Hof gegenüber dem Finanzamt, dem Schönborner Hof gleich neben dem ehemaligen Proviant-Magazin und vom an der Mündung zur Gaustraße gelegenen Bassenheimer Hof, heute Sitz des Innenministeriums von Rheinland-Pfalz. In Höhe des Schönborner Hofs weitet sich die Straße zum Schillerplatz, dessen Baumbepflanzung heute noch barockem Ideal entspricht. Als repräsentativ-monumentaler Abschluss des Platzes im Süden erhebt sich der Osteiner Hof. Dieses architektonische Ausrufezeichen unterscheidet sich von den genannten, eher nüchtern und kalkuliert wirkenden Prachtbauten durch seine aufgelockert und dynamisch wirkende Gestaltung.


Luftaufnahme aus dem Jahre 1969: Sie zeigt den Schillerplatz mit Fastnachtsbrunnen und Osteiner Hof. Foto: Otto TraboldErrichtet wurde er 1747-52 durch Johann Valentin Thomann (1695-1777) für den Bruder des regierenden Kurfürsten Johann Friedrich Karl von Ostein als Familienhof und "hochgräfliches familienhauß". Auffallend nehmen sich die drei vorspringenden Wölbungen (Risalite) in der Mitte der Fassade und an den Seiten des dreiflügeligen Profanbaus aus. Innere und äußere Gestaltung des Hauses korrespondieren in hervorragender Weise. Den Mittelrisalit wölben Toreinfahrt und längsovaler Festsaal nach außen. Das Prinzip der Rundung ist ebenso beim Mansarddach mit seinen kuppelförmigen Erhebungen durchgehalten. Die Giebelaufsätze über den Risaliten mit Puttenfiguren und in der Mitte mit einer Wappenkartusche, die von einem Kurhut bekrönt wird, tragen ebenso zum dekorativen Äußeren des Gebäudes bei wie die Rokokokartuschen über den Fensterrahmen. Die Symbole über den Balkontüren der Risalite stehen für die Elemente Erde, Luft und Wasser und zeigen Diana und Mars. Die beiden Seitenwände der Einfahrt zieren Reliefs mit Musikinstrumenten.


1918-30 war das Gouvernement Sitz der französischen Administration der französischen ArmeeDas Palais wurde allerdings nur bis zur napoleonischen Ära als Familiensitz derer von Ostein genutzt. Danach ging es in öffentlichen Gebrauch über. Aus der Zeit von 1854-1859, als der spätere Kaiser Wilhelm I. Gouverneur in Mainz war, hat sich unter den Mainzer das Synonym "Gouvernement" für den Osteiner Hof erhalten.

Der im Zweiten Weltkrieg völlig ausgebrannte Osteiner Hof wird wieder aufgebaut (hier um 1948). Foto: Karin Eckert1914 wurde den Mainzern vom Mittelbalkon aus der Ausbruch des Ersten Weltkrieg bekanntgegeben. Im Zweite Weltkrieg brannte das Gebäude völlig aus, wurde jedoch auf betreiben der Besatzungsmacht Frankreich bereits 1947/48 wieder hergestellt. Heute dient es als Standortkommandantur der Bundeswehr. Und - nicht zu vergessen - als Ort der alljährlichen Verkündung der "5. Jahreszeit" in Mainz. An jedem 11.11. um 11.11 Uhr wird vom Balkon die närrische Zeit ausgerufen. Mit Blick auf den Fastnachtsbrunnen verkündet der Oberbürgermeister dann die elf Fastnachtsgesetze.

Der Osteiner Hof heute, vom Fastnachtsbrunnen auf dem Schillerplatz aus gesehen

Standort:

Schillerplatz Ecke Ludwigsstraße