Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Friedhöfe: Orte des Innehaltens und Gedenkens sowie Oasen der Stille inmitten hektischer Betriebsamkeit. Friedhöfe wissen eine Menge zu erzählen. So wie der Mainzer Hauptfriedhof, der sich seit seiner Gründung 1803 als aufgeschlagenes Geschichtsbuch von fast zwei Quadratkilometer Größe präsentiert.
Er erzählt die Geschichte der Stadt und die Geschichten der Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Auf den Grabmälern prominenter Mainzer laufen beide historischen Stränge zusammen.
Beispielsweise am Grab des Präfekten des Département Mont Tonnère, Jean Bon St. André, der 1813 beigesetzt wurde. Sein Dekret von 1803 - Mainz stand damals unter der Herrschaft Napoleons - befahl das Bestattungswesen unter die Aufsicht der politischen Gemeinde. Vorher waren Friedhöfe innerhalb der Stadtgrenze als Kirchhöfe angelegt worden. Bürgermeister Franz Conrad Macké setzte das Dekret um. Im Zahlbachtal vor den Stadtmauern wurde die zentrale Begräbnisstätte errichtet. Das Gebiet des Hauptfriedhofs war bereits in der Antike als Gräberfeld römischer Legionäre genutzt worden. Als im Zuge der Stadterweiterung der traditionsreiche jüdische Friedhof an der Mombacher Straße in innerstädtische Lage geriet und geschlossen werden musste, wurde im Januar 1881 ein neuer jüdischer Friedhof eröffnet. Er schließt sich im Süden an den Hauptfriedhof an.
Schon bald wurde der Friedhof Ziel von Spaziergängern, die sich durch seinen artenreichen Baumbestand angezogen fühlten. So stellte 1844 eine städtische Kommission fest: "[Der Friedhof] gleicht mehr einem Garten als einem Kirchhof und wird deshalb von vielen Fremden besucht." Auch heute laden neben der üppigen Flora die architektonische Vielfalt der Grabmäler, Skulpturen, Reliefs und Gruftanlagen dazu ein, zwei Jahrhunderte Begräbniskultur kennen zu lernen: Denkmäler in barocker Form, Säulenstümpfe mit Urnenaufsätzen und aufwändiger Figurenschmuck aber auch einfache Grabsteine in hochrechteckiger Form mit Inschriften erinnern an die Vergänglichkeit menschlichen Lebens.
Interessant ist darüber hinaus auch die Bildsprache der Grabmäler. Aus der Antike entliehen ist beispielsweise die umgedrehte und erloschene Fackel als Symbol für das erloschene Lebenslicht. Immergrüne Tannen- und Efeukränze sind hingegen Sinnbild des Immerwährenden und Ewigen. Die christliche Symbolik zeigt sowohl Darstellungen aus der Passion Christi, Kruzifixe und die Pietà als auch vollplastische Figuren Christi, der Muttergottes und der Engel. Weiterhin finden sich Kriegerdenkmäler wie das Veteranendenkmal von 1834 und aufwändige Offiziersgrabmäler, die mit antikisierenden Helmen und Waffen dekoriert sind. Auch in Stein gehauene Porträts der Toten sind zu sehen.
Ein Besuch des Mainzer Hauptfriedhofs ist für jeden stadthistorisch Interessierten ein Muss. Die vielfältige Grabarchitektur und die Vielzahl von Inschriften als bedeutende kulturhistorische Quellen laden zur Entdeckungstour ein. Auch jene, die nicht das Grab eines Angehörigen besuchen, genießen die Ruhe und einladende, parkähnliche Gestaltung dieses Ortes.

