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Historisches Mainz: Die Nagelsäule

Die Nagelsäule am Mainzer Dom um 1916Der Erste Weltkrieg: Die Blockade des Deutschen Reiches durch die Entente zeigt Wirkung. Die Bevölkerung beginnt zu hungern. Die Wurst- und Fleischration, die jedem pro Woche zusteht, wird auf 250 Gramm festgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt, im Herbst 1915, reift beim damaligen Mainzer Oberbürgermeister Dr. Karl Emil Göttelmann eine Idee, die bereits in anderen Städten wie Mannheim, Berlin, Köln und Aachen Erfolg hatte. Er ruft die Mainzer Bürger auf, Geld zur Linderung der Kriegsnot zu spenden. Sinnbild für diesen Einsatz sollte ein Mahnmal sein: "Ein stolzes, trotziges und in der Form machtvolles Gebilde, das geeignet sei, jedem zu gestatten, durch Hammerschlag und Nageleintreiben seinen festen Willen zur Unterstützung der guten Sache im Gedenken an unsere tapferen Vaterlandsverteidiger kund zu geben".


Die Kriegs- oder Nagelsäule als Ansichtskarte. Ein Motiv des Jahres 1916.Die Nagelsäule auf dem Liebfrauenplatz ist das Ergebnis dieser "Spendenaktion" und gleichzeitig Zeichen für die Opferbereitschaft und Leidensfähigkeit der Mainzer zu jener Zeit. In einer Zeremonie durfte jeder Spender einen Nagel in das Denkmal schlagen. Den Billigsten gab es für eine Reichs-Mark, der Teuerste, mit vergoldetem Kopf, kostete 20 Reichs-Mark. Zur Einweihungsfeier des Kriegswahrzeichens am 1. Juli 1916 hatten sich auf dem mit Fahnen und Pflanzen geschmückten Platz mehrere tausend Menschen, darunter die gesamte großherzogliche Familie, versammelt. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, seine Frau und die beiden Prinzen durften die ersten Nägel einschlagen. Am 20. August 1916 war die Nagelung der Säule beendet. Die Spendenaktion brachte insgesamt 170.000 Reichs-Mark, nach heutiger Kaufkraft rund 800.000 Euro.

Die Nagelsäule vom Dom aus gesehenLipp innerhalb weniger Monate errichtete Monument, besteht aus einem Kreis mit drei steinernen Nebensäulen, die eine hölzerne Mittelsäule - die eigentliche Nagelsäule - umgeben. Die sieben Meter hohe Hauptsäule musste aufgrund von Größe und Umfang aus mehreren Bündeln von Eichenstämmen zusammengesetzt werden. Diese wurden durch Eisenbänder fest miteinander verbunden, wodurch sich eine Gliederung in mehrere Ringflächen ergab. Das legte den Gedanken nahe, jeden Ring durch eine bestimmte Thematik zu charakterisieren.

Großer Andrang auf dem Liebfrauenplatz als die Nagelung der Säule am 20. August 1916 beendet ist.Die Hauptsäule, die vom "Eisernen Kreuz" und dem Spruch "In Kriegsnot helf uns Gott" bekrönt wird, ist in insgesamt drei Teile gegliedert. Der obere Hauptring behandelt die Thematik "Kriegsarbeit" und zeigt einen Waffenschmied, einen Krieger mit Fahne und einen Soldaten mit seinem Sohn. Die Rosetten und Lisenen, pfeilartige, auftragende Streifen, die die Ringfelder in sich nochmals unterteilen, tragen Metallschilder mit den Namen der Stifter, vor allem Vereine und Firmen, sowie geschnitzte Darstellungen, zum Teil mit Bezug auf deren Arbeit.

Erzherzogin Eleonore schlägt bei der Einweihung 1916 einen Nagel in die Säule.Auf dem mittleren Ring dreht sich alles um das Thema "Staat". Der Reichsadler mit Kaiserkrone, der hessische Löwe und das Mainzer Rad sind dort abgebildet. Weitere Figuren, Symbole und Sinnsprüche stehen für verschiedene Berufsgruppen in Justiz, Heilberufe, Handel, Industrie, Lehrer und Landwirtschaft.

Der untere Ring widmet sich dem Thema "Liebe" und stellt ausschließlich Frauen dar. Eine Frau die Korn aussät, eine andere, die an Kinder Brot austeilt und eine weitere, die einen Verwundeten pflegt. Verbunden sind die Darstellungen durch Rosetten, die von Vertretern der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften gestaltet wurden. So finden sich auf diesem Ring ein Kreuz, die Lutherrose und ein sechszackiger Judenstern mit hebräischen Schriftzeichen.

Eine Plastik des Bildhauers Ludwig Lipp an der NagelsäuleDer Bereich unterhalb der Hauptringe ist als Hauptnagelfeld angelegt. Er ist mit einer Vielzahl von Rosetten, Emblemen, Spruchbändern und Plaketten ohne einheitliche thematische Vorgabe bedeckt. Durch die unterschiedlichen Beiträge zahlreicher Stifter entstand so eine eigentümliche Vielfalt an Elementen, die das Mainzer "Nagel-Mal" aus denen anderer Städte hervorhebt.

Standort:

Die Nagelsäule befindet sich im Osten des Doms auf dem Liebfrauenplatz vor dem Listmann-Gebäude. Die sanierungsbedürftige Säule musste im Februar 2006 aus Sicherheitsgründen abgebaut werden und wurde aufwendig restauriert. Möglich wurde dies durch viele Spenden und die Unterstützung des Landes. Im Juli 2011 kehrte die Nagelsäule dann wieder auf ihren angestammten Platz zurück.