Wiederholt hat sich ein Mainzer Unternehmen großzügig gezeigt und damit das Anbringen einer Tafel der Reihe „Historisches Mainz“ ermöglicht: die Sparda-Bank Südwest eG. Die neue Tafel dokumentiert die Geschichte des Boineburger Hofes, der Wirkungsstätte des Universalgelehrten und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz. Heute wurde die neue Tafel am Standort des ehemaligen Boineburger Hofes (heute Emmeransstraße /Ecke Kronberger Hof) der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Universalgelehrte und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) in Mainz
Zwischen Emmeranskirche, Welschnonnengasse, Pfandhausstraße und Emmeransstraße standen bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Gebäude des einstigen Boineburger Hofs. Hier wirkte von 1667 bis 1671 der Universalgelehrte und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716).
Nach Mainz gebracht hatte den Professorensohn, der damals schon Doktor beider Rechte war, der kurmainzische Oberhofmarschall Johann Christian von Boineburg-Lengsfeld. Er verschaffte ihm eine Stelle als Mitarbeiter des Hofrats Hermann Andreas Lasser, vom Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn beauftragt mit der Reform des Römischen Rechts. Leibniz´ Denkschrift zu „Neuen Methoden des Lernens und Lehrens der Rechtswissenschaft“ führte in wissenschaftlichen Kreisen schnell zu erheblichem Aufsehen. Im Jahr 1670 avancierte Leibniz trotz seiner lutherischen Konfession zum Rat am kurfürstlichen Oberrevisionsgericht.
Während seiner Mainzer Jahre, in denen er das „t“ aus seinem Namen strich, arbeitete Leibniz nicht nur an zahlreichen Reformplänen, sondern beteiligte sich auch mit Veröffentlichungen und einem regen Briefwechsel am Disput europäischer Rechtsgelehrter, Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftler. Auf besonderes Interesse stießen Leibniz´ Gedankengänge in Frankreich und England. Folgerichtig widmete er 1670 und 1671 seine naturwissenschaftlichen Hypothesen den königlichen Akademien in Paris und London.
In Mainz konzipierte Leibniz eine für die damalige Zeit revolutionäre Rechenmaschine mit Staffelwalze. Vom Kurfürsten 1671 in politischer Mission nach Paris entsandt, blieb er dort bis 1676. Seine berufliche und wissenschaftliche Zukunft sah Leibniz danach in Hannover, zumal sein Freund und Gönner Boineburg 1672 und Kurfürst Johann Philipp von Schönborn im darauf folgenden Jahr gestorben waren.
Das von Leibniz später entwickelte duale Zahlensystem legte den Grundstein für die rechnergestützte Informationstechnologie des 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 2007 hat die UNESCO den umfangreichen Briefwechsel von Leibniz als wichtigen Bestandteil des Weltgedächtnisses und damit als besonders schützenswert erklärt.