Landeshauptstadt Mainz Direkt zum Inhalt
Eine unabhängige Fachjury unter Vorsitz von Landrat Claus Schick wählte im Mainzer Rathaus die Preisträger des "Best of Wine Tourism Awards" des Jahres 2010. Die renommierte Auszeichnung wird in Deutschland in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen, nachdem die Landeshauptstadt Mainz und die Region Rheinhessen im Juni 2008 in den Kreis des internationalen Netzwerks der Great Wine Capitals aufgenommen wurden. Der Best of Award umfasst sieben Kategorien rund um das Thema Wein und Tourismus und geht an jeweils einen herausragenden Betrieb, eine Interessensgemeinschaft oder an eine Institution.
Qualität und Anzahl der aktuell eingegangenen Bewerbungen belegen vor allen Dingen eines: Mainz und Rheinhessen verfügen über ein weintouristisches Potenzial, das international konkurrenzfähig ist. Zugleich stellt das Gesamtniveau der Bewerber im einschlägigen Wettbewerb eine Herausforderung für die Jury, denn pro Kategorie kann die Trophäe nur einem Unternehmen verliehen werden. In diesem Sinne sollten sich weintouristisch aktive Betriebe motiviert fühlen, ihre Bewerbung im nächsten Jahr erneut vorzulegen, auch wenn sie in der aktuellen Runde nicht ausgewählt wurden.
Das alte Schulgebäude aus dem Jahr 1908 gehörte für viele Jahrzehnte zum Mittelpunkt der dörflichen Gemeinschaft Bingen-Kemptens. Als man den Schulbetrieb in den 1960er Jahren einstellte, weil die Klassenräume nicht genug Platz boten, drohte dem denkmalgeschützten Haus eine ungewisse Zukunft. Die Inhaber des Familienweinguts Hemmes haben es aufgekauft, mit großem Engagement restauriert und wiederbelebt. In den vier ehemaligen Klassenzimmern richtete man in Analogie zur ursprünglichen Nutzung eine Weinschule ein. Hier erwarten den Gast eine geschmackvoll eingerichtete Vinothek, Verkostungsräume, eine professionelle Gastroküche, Weinproben, Jahrgangspräsentationen, Lesungen oder Feiern. Mit Gespür und Stilsicherheit wurde das moderne Ambiente in das historische Umfeld integriert. Für die Erhaltung der alten Bausubstanz im Ortskern und die zukunftsweisende Energieversorgung des Gebäudes mit Erdwärme verleiht die Jury den Preis in der Kategorie Nachhaltigkeit im Weintourismus an das Weingut Hemmes. Diesem Votum schloss sich die internationale Jury bei der Jahreshauptversammlung in Bordeaux am 5. November an.
Der Best of Wine Tourism Award 2010 in der Kategorie "Weintourismus und Service" geht an das Unternehmen Jordan’s Untermühle in Köngernheim. Das einstimmige Votum der Jury begründet sich durch "die exzellente Küche und weinfachliche Beratung, die tolle Lage des Anwesens und das ansprechende Ambiente des Hauses." Das majestätisch wirkende Fachwerkanwesen inmitten einer weitläufigen Parkanlage wurde bereits im 14. Jahrhundert als damalige Wassermühle erwähnt. Seit November 2005 wird es unter der Leitung von Familie Jordan als Hotel und Restaurant geführt. Mit elf neuen Gästezimmern vereint man traditionelle Mühlenromantik mit modernen Akzenten.
Im Laufe der Jahrhunderte sind in der Region Rheinhessen Gärten entstanden, die von der kulturellen Vielfalt ebenso erzählen wie von der Fruchtbarkeit der Landschaft. Vom traditionellen Bauerngarten, dem englischen Landschafts- oder Rosengarten bis zum verträumten Mühlen- und Kräutergarten kennt Rheinhessen eine zauberhafte Gartentradition, die sich nicht hinter verschlossenen Toren versteckt. Mit der Interessensgemeinschaft der Gartenführer Rheinhessen öffnet sich der Weg in die kleinen Paradiese. Zahlreiche Aktionen wie die "Tage der offenen Gärten" oder "Sonntags im Garten" und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Schwerpunktthemen laden Gäste ein, dieses kulturelle Erbe kennen zu lernen. Die Jury der Best of Awards überzeugte das innovative Weintourismus-Erlebnis und ehrt die Interessensgemeinschaft mit der gleichnamigen Auszeichnung.
"Aus gastronomischer Sicht kann sich die Hauptstadt des Weines Mainz mit dem Restaurant Kasematten gut repräsentiert fühlen", urteilt die Jury der Best of Awards. Das Weinrestaurant in geschichtsträchtigem Umfeld bietet nicht nur ausgezeichnete regionale Produkte aus Küche und Keller, sondern zugleich eine exzellente Weinberatungskompetenz. Die puristische Architektur der Einrichtung korrespondiert mit der beeindruckenden Bauweise der ehemaligen Stadtbefestigung, die restauriert und in das dazugehörige Hotel integriert wurde. Küchenchef André Büsselberg kreiert seine Gerichte überwiegend aus regionalen Produkten und orientiert sich dabei am Purismus der Architektur. In Abstimmung zur Speisekarte wurden 20 Rheinhessische Weine namhafter Winzer ausgewählt. Darunter sind vier Aktionsweine, die monatlich oder quartalsweise wechseln. Ein kurzweiliges Veranstaltungsprogramm ergänzt das Gesamtangebot der Kasematten, die für das Jahr 2010 die Auszeichnung des Best of Award in der Kategorie Weingastronomie erhalten.
Als infolge der französischen Revolution Refektorien säkularisierter Klöster zu Kuhställen zweckentfremdet wurden, ahnte noch niemand, dass hiermit der Grundstein für zirka 300 rheinhessische "Kuhkapellen" gelegt wurde. Der Maurermeister Franz Ostermayer aus dem pfälzischen Eisenberg entwickelte im 19. Jahrhundert Stallbauten mit Kreuzgewölben nach dem Vorbild alter Klosterrefektorien, die hauptsächlich in Rheinhessen errichtet wurden. Die Luxusstallungen avancierten in den 1970er Jahren zu Weinprobierstuben, Verkaufsräumen und Weinwirtschaften und gelten heute als rheinhessisches Markenzeichen für stilvollen Weingenuss. 1999 gründete sich die Interessengemeinschaft Rheinhessische Weingewölbe, die mit kulturellen Veranstaltungen und kulinarischen Ereignissen die Region repräsentiert. "Die Rheinhessischen Weingewölbe sind ein Symbol für Rheinhessen", weiß die Jury und vergibt den Best of Award an den Zusammenschluss von 43 Gewölbebesitzern, die dieses architektonische Kulturerbe und Alleinstellungsmerkmal Rheinhessens pflegen.
Ausgesprochen viele Bewerbungen erhielt die Jury der Best of Awards aus dem Bereich Unterkunft. "Als besonderen Zugewinn für Rheinhessen" sieht man indes das Gästehaus des Weinguts Peth in Flörsheim-Dalsheim. Das schöne und architektonisch interessante Anwesen im Zentrum des Ortes überzeugt zudem mit zahlreichen Weinaktivitäten, Kunstausstellungen und Weinerlebnis-Arrangements. Rheinhessische Gastfreundschaft verbindet sich mit Lebensart und verleiht diesem Gästehaus einen besonderen Wohlfühlcharakter. Dass im Parterre des Anwesens zwei behindertengerechte Zimmer eingerichtet wurden, trägt ebenfalls zum einstimmigen Urteil der Jury bei: Mit dem Gästehaus Peth sind die Kriterien für die Auszeichnung in der Kategorie Unterkunft erfüllt.
Ganz nebenbei haben die Inhaber des Weinguts Domhof im Garten ihres Anwesens den ersten Weinaromagarten Rheinhessens geschaffen: Die vier regionaltypischen Leitrebsorten des Weinguts kombiniert man mit Pflanzen, die den Duft der Weine repräsentieren.