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Historisches Mainz: Quintinskirche

St. QuintinObwohl St. Quintin mitten in der Einkaufscity steht, ist die rote Kirche vielen Passanten unbekannt. An der Größe des dreistöckigen Turmes mit seiner barocken Haube kann es nicht liegen. Die Unkenntnis ist wahrscheinlich eher auf die bauliche Situation zurückzuführen:

St. Quintin ist an ihrer von den Fußgängerströmen am stärksten freqentierten Seite immer noch von zweigeschossigen barocken Häusern eng umbaut, die sich aus Krambuden des Mitteltalters entwickelten. Und auf ihrer Nordseite, wo sich einst der Kirchhof befand, liegt heute der Garten des Mainzer Altenheims als versteckte grüne Oase in der Stadt.

Dennoch spielt die gotische Hallenkirche im Konzert der Mainzer Kirchen eine bedeutende Rolle. Das Gotteshaus ist nicht nur die älteste Pfarrkirche der Stadt, sondern auch von kunsthistorischem Rang. Als ein Beleg kann das Urteil des großen Kunsthistorikers Fritz Arens über das Kircheninnere dienen, das "von solcher Weite und Freiheit, so durchleuchtet von den allenthalben verteilten Fenstern (ist), daß es wohl das edelste ist, was die Mainzer Kirchen der Gotik an Raum zu bieten haben".

Der Turm von St. Quintin; Copyright: hoeDer heutige Bau wurde 1288 begonnen und um 1330 vollendet. Urkundlich erstmals erwähnt wurde St. Quintin bereits 815 als Zentrum der frühmittelalterlichen Stadt. Neben St. Stephan ist es die einzige Hallenkirche der Gotik in Mainz. Der Grundriss der verschiedenen Kirchenschiffe entspricht annähernd einem Quadrat, an das der Chor, die Sakristei und die Heiligkreuzkapelle angefügt wurden. Trotz des quadratischen Grundrisses ist die Aufteilung des Innenraums in Joche sehr unregelmäßig. Dies ist bedingt durch den mächtigen Turm, der 1489 eine Türmerwohnung erhielt. Von dieser Aufstockung zeugt ein Wappen mit Datierung an der Fassade.

Maskenbrunnen am Fuße des Turms Ecke Quintinstraße; Copyright: hoeDer Turm von St. Quintin ist ein wichtiger Akzent in der Rheinansicht der Stadt Mainz. Bilddokumente, die zwischen 1942 und 1996 entstanden, zeigen ein anderes Bild. Bei den schweren Bombenangriffen auf Mainz am 12. August 1942 war St. Quintin wie das gesamte Viertel stark zerstört worden. "St. Quintin - Dach beschädigt, das Innere verwüstet" - so ein Abschnitt aus der knappen Übersicht von Diözesankonservator A. Schuchert im Jahrbuch des Bistums 1945. Ein Notdach schützte seitdem das Gebäude.

Zuvor war bereits die historische Glocke von 1885 entfernt worden. Kirchenglocken aus zahlreichen Gotteshäusern wurden für kriegerische Zwecke benötigt- allein in der Stadt und dem Landkreis Mainz waren nach einer Liste des Kreishandwerksmeisters 195 Geläute entfernt worden. Von den 57 im Dekanat Stadt Mainz beschlagnahmten Glocken kamen 8 mit großen Schiffstransporten zurück.

Sie konnten nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs auf einem "Glockenfriedhof" in Hamburg sichergestellt werden. Nach der schwierigen Identifizierung erhielt die Gemeinde St. Quintin "ihre" Glocke am 31. Dezember 1947 mit dem Transportschiff "Rosslau" zurück - ein erster Schritt zur erneuten Nutzung der zerstörten Kirche war getan.

Im Oktober 1948 konnte St. Quintin nach den gröbsten Aufräum- und Sicherungsarbeiten erstmals wieder für Gottesdienste genutzt werden. Eine Renovierung des Äußeren und die Sicherung des Turms erfolgte 1969/70. Bereits seit 1977 gab es im Stadtrat Diskussionen über die Wiederherstellung der Turmbekrönung in Form der originalen Haube mit Dachlaterne. Eine Spendenaktion mit Hilfe des Modells wurde 1981 ins Leben gerufen, aber erst 1996 konnte die in alter Handwerkstradition gefertigte komplizierte Holzkonstruktion wieder erstehen. Allein das mittlere Viereck wiegt 10 Tonnen. Die Zimmerleute von Holzbau Strieder verbauten 50 Kubikmeter abgelagertes Eichen- und Fichtenholz, bis die Turmhaube unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit wieder an den angestammten Platz gesetzt wurde. Eine Wunde im Rheinpanorama war geschlossen.

Die Innenausstattung von St. Quintin birgt aus diesem Grund auch Schätze aus anderen Kirchen der Diözese: Das prachtvolle Altargemälde mit der Himmelfahrt Mariens von Franz Anton Maulbertsch etwa stammt aus der Altmünsterkirche. Aus St. Emmeran kommt die geschnitze Barockkanzel (1761 gestiftet), aus St. Christoph eine um 1470 geschaffene Pieta. Original ist der nach Entwürfen von Maximilian von Welsch 1739 geschaffene Baldachin des Hochaltars. Zwei Figuren der Heiligen Quintin und Blasius von Burkard Zamels sind erhalten und erinnern an den Kirchenpatron, der der Legende nach unter Kaiser Maximinian um 300 in dem nach ihm benannten Ort St. Quentin ein grausames Martyrium erlitt.

Mittelalterliche Grabplatte an der Quintinskirche; Copyright: hoeAn der Außenfassade im Garten des Altersheimes sind mittelalterliche Grabplatten aufgestellt, die Bildnisse Adliger aus vergangenen Jahrhunderten zeigen und an die alte Funktion des Platzes als Friedhof erinnern.

Standort:

Schusterstraße/Ecke Quintinstraße