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Historisches Mainz: Der Kirschgarten

Die romantische Mainzer Altstadt: Besonders der Kirschgarten, der von der Leichhofstraße aus gesehen rechts von der Augustinerstraße abzweigt, ist ein lebendiges Stück Geschichte der Landeshauptstadt. Aufstrebende, dicht aneinandergedrängte dreieinhalb stöckige Häuser aus Fachwerk recken sich selbstbewusst gen Himmel. An der linken Seite des Hauses „Zum Beimburg" (Nr. 19) im Süden den Platzes gewährt ein Torbogen Einblick in das eng laufende Hollagäßchen. Auf der anderen Seite des Hauses geht eine Gasse ab, die sich mit dem Platz den Namen teilt.


Der Kirschgarten mit Madonnenbrunnen und Eingang zum Hollagäßchen (vor 1942). © StadtarchivZum unverwechselbaren Charme dieses Fleckchens in der Altstadt trägt neben dem architektonischen Ensemble der Gebäude und den schmucken Läden in historischem Ambiente ringsherum auch der Brunnen bei, der, im Stile eines barocken Laufbrunnens, erst 1932 aufgestellt wurde. Er knüpft an den bereits im Mittelalter bezeugten öffentlichen Brunnen an.

Der westliche Teil des Kirschgarten vor 1942.  © StadtarchivAuf der Brunnensäule steht die „Harxheimer Madonna". Die Figur umgibt eine Gloriole mit den Erzeugnissen des rheinhessischen Bodens. Auf dem runden Brunnenbecken befinden sich Reliefs des Bildhauers Carl Hoffmann. U.a. ist darauf eine Darstellung der Blasiuskapelle zu sehen, die bis 1803 den Eingang zum Kirschgarten bildete.

Um 1960: Ein Blick von der Kirschgartengasse hinunter zum Platz. © Otto Trabold Der Ort wurde bereits 1329 als „im Kirschgarten" bezeichnet. Der Name rührt von der Kirschbornquelle her, die am Rochushospital (Rochusstraße 9), entspringt. Er war Teil der „nova civitas", einer Siedlungsausdehnung des 13. und 14. Jahrhunderts. Damals entstand die charakteristische Bebauung des Kirschgartens aus zweireihigen, gegeneinandergekehrten und parallel gestellten Häuserzeilen, die durch die querverlaufende Gasse entlang des Weihergartens verbunden wurden. Ursprünglich war der Kirschgarten ein abgeschlossener Platz, der sich nur in Hausbreite zur Augustinerstraße öffnete. Die Fachwerkarchitektur der Bürgerhäuser stammt aus der Zeit des 15. bis 18. Jahrhunderts.

Der Brunnen mit der Harxheimer Madonna. Die Figur ist von einer Gloriole umgeben (1982). © Philipp SchreiberAm Kirschgarten kann man entweder ein wenig Ruhe vor der Geschäftigkeit der Augustinerstraße finden oder sich auf Spurensuche in die Mainzer Architektur- und Kunstgeschichte begeben. Die schönsten Entdeckungen liegen in den Details. Neben wunderschönen Holzeingangstüren sind auch Inschriften an den Fassaden zu erkennen. Das Haus „Zum Beimburg" (Nr. 19) beispielsweise wurde bereits 1657 als „fladenbackhaus" aufgeführt und besitzt als Kopfbau einer Häuserzeile zwischen Hollagäßchen und Kirschgarten gleich drei Fassaden.

Der Kirschgarten mit dem Haus An der dem Platz zugewandten Seite befindet sich das Wappen der Bäckerzunft. Neben dem Haus ist ein schon fast versteinerter Baumstumpf zu sehen, um den sich Mythen ranken. Oftmals als Kirschbaumstumpf bezeichnet, handelt es sich jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach um den Stumpf einer Eiche oder eines Baumes ähnlicher Maserung. Manches Wissenswerte sieht man dem Kirschgarten von außen jedoch nicht an. So ist Haus 21 das Geburtshaus der Freiheitsdichterin Kathinka Zitz, alias Kathinka Halein. Hier erblickte sie 1801 das Licht der Welt. Auch auf den berühmtesten Sohn der Stadt, Johannes Gutenberg, stößt man am Kirschgarten. Als Bürgschaft für einen Kredit, den sein Vetter Arnold Gelthus für ihn aufgenommen hatte, dienten Zinseinnahmen aus dem Haus „Zum Aschaffenberg" (Nr. 26). Es ist das älteste bekannte Mainzer Fachwerkhaus, das um 1500 errichtet wurde. Sein Vorläuferbau datiert erstmals im Jahre 1448.

Standort:

Übergang von der Leichhofstraße in die Augustinerstraße in Höhe Grebenstraße