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"Der
stille Held der Drucker" Gutenberg:
Nationaler Held und denkmalverdächtig?
Gutenberg bot und
bietet seit mehr als 500 Jahren zu ganz
unterschiedlichen Daten Anlaß zum Feiern und
Gedenken:
Entweder wurde sein vermeintliches Geburtsdatum
(um 1400) zur Grundlage gemacht oder man hielt
sich an sein Sterbejahr (1468) oder man berief
sich immer wieder bei Gutenberg-Feiern auf das
Jahr der Erfindung des Buchdrucks (ca. 1440).
So wundert es bei der Durchsicht der
Geschichtsannalen nicht, wenn seit dem 16.
Jahrhundert "Gutenberg-Events" zum
Gedenken an den großen Erfinder mehrmals pro
Jahrhundert gefeiert oder zumindest publizistisch
berücksichtigt wurden: 1540, 1740, 1840, 1940,
1900, 1968 usw. usw.
Ein
flächendeckendes Phänomen wurde Gutenberg aber
erst im vergangenen Jahrhundert: Als
Begleiterscheinung der Sehnsucht nach nationaler
Einheit, Demokratie und Pressefreiheit - damals
noch als "Preßfreiheit" (!) bezeichnet
- entdeckte man Gutenberg als vermeintlichen
Nationalhelden: Er stand plötzlich symbolisch
für die ungehinderte Verbreitung von
Nachrichten, er wurde zu einer Figur, die sich
national vereinnahmen ließ und auf die
Leistungen der "Kulturnation"
Deutschland ebenso deutlich hinwies wie etwa
Goethe oder Schiller.
Was mit der Enthüllung des heute noch in der
Mainzer Innenstadt stehenden Gutenberg-Denkmals
im Jahr 1837 begann, setzte sich in vielen
Städten Deutschlands und Mitteleuropas fort:
Gutenberg wurde auf diverse Sockel gehoben und
zierte fortan bedeutende Plätze in deutschen
Innenstädten.
Heute kann man Gutenberg-Denkmäler u.a.
bewundern in Mainz, Straßburg, Leipzig,
Frankfurt am Main oder Paris und Wien und
etlichen weiteren Metropolen.
Wenn im Jahr 2000 die Stadt Mainz seines 600.
Geburtstages gedenken wird, stellt sich diese
klassische Denkmalfrage vermutlich nicht mehr.
Statt dessen wird immer deutlicher die Frage nach
dem "Medienwechsel" in den Mittelpunkt
treten. Was bleibt von der
"Gutenberg-Galaxis", der Welt des
gedruckten Wortes, auf Dauer neben den
audiovisuellen Medien und ihren revolutionären
Entwicklungen bestehen? Kommt nach dem Wechsel
vom Handgeschriebenen zum Gedruckten vor mehr als
550 Jahren nun ein Umbruch vom gedruckten Wort
zum Bild-Hörzeitalter? Wird durch die neuen
Medien die Alphabetisierung ganzer Bevölkerungen
in Frage gestellt, wenn man sich auch ohne des
Lesens und Schreibens kundig zu sein, über den
Bildschirm "auf dem Laufenden" halten
kann?
So gesehen gewinnen die leicht angestaubten
Gutenberg-Denkmäler der Biedermeierzeit eine
ganz aktuelle Bedeutung: Gutenberg als Symbol
für das gedruckte, das lesbare Wort, Gutenberg
als Symbol für Alphabetisierung und Bildung als
der Grundlage für die Kommunikation innerhalb
einer Kulturgesellschaft.
Christoph
Schlott
Team "Mainz. Gutenberg 2000"
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