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Karl Delorme

Biografie

Karl Delorme (*23.1.1920 † 12.3.2011) wurde im Herzen der Mainzer Altstadt als drittes Kind einer Handwerkerfamilie geboren. Seine berufliche Laufbahn begann er mit einer Lehre als Schriftsetzer in der Druckerei des katholischen Lehrlingshauses. In seinen Jugendjahren war er aktives Mitglied der katholischen Jugend. Von August 1939 bis März 1946 erlebte und erlitt Delorme den Krieg und die Kriegsgefangenschaft - das wohl schmerzlichste Kapitel seines Lebens.

1957 wurde das Stadtratsmitglied Karl Delorme mir 37 Jahren zum hauptamtlichen Dezernenten gewählt. Er war verantwortlich für das Sozial- und das Jugendamt, das Flüchtlingswesen und das Lastenausgleichsamt, die Altersheime sowie das Wohnungs- und Gesundheitswesen. 1983 zog er als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag ein.

Neben seinen hauptamtlichen Ämtern übernahm er zahlreiche Ehrenämter und wurde dafür mit hohen Auszeichnungen gewürdigt. Beispielhaft für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten seien die Folgenden erwähnt: Arbeiter Samariter Bund Rheinland-Pfalz (ASB), Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), Deutscher Jugendherbergs-Verein (DJH), Jakob Wucher-Stiftung, Fördergesellschaft Fastnachtsmuseum, Landesfilmdienst, Förderverein Open Ohr 2000, Gutenberg-Gesellschaft, Rotarier und Förderverein „Kinderhaus Goetheplatz“. Von 1962 bis 1983 wirkte Karl Delorme als ehrenamtlicher Sozialrichter. Die SPD Mainz, der Rentner- und Blindenbund, der Blindenförderverein und zwölf Fastnachts-Korporationen wählten ihn zum Ehrenmitglied.

Delorme ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Band, des Verdienstkreuzes I. Klasse, und des Großen Bundesverdienstkreuzes. Weiterhin wurde er mit dem Ehrenring der Stadt Mainz, der Rheingoldplakette in Gold, der Martinus-Medaille des Bistums Mainz, dem ASB-Ehrenkreuz in Gold und Silber sowie dem Landesverdienstorden Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Begründung für die Ehrenbürgerschaft

Karl Delorme gehört zu den Persönlichkeiten in Mainz, die wesentlich die Kommunalpolitik in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg mitgestaltet haben. Er hat im Zeichen von sozialer Solidarität und christlicher Nächstenliebe in Mainz eine umfassende, prägende Aufbauarbeit geleistet und dabei vorausschauend in vielen Bereichen wegweisende Weichen für die Stadt gestellt, wovon die Menschen in Mainz bis heute profitieren können.

Zu seinen Verdiensten zählt die Überwindung der katastrophalen Wohnungsnot in den 1950er und 1960er Jahre als Folge des Zweiten Weltkriegs. Karl Delorme, der sich schon viele Jahre zuvor als Stadtratsmitglied dafür eingesetzt hatte, wurde 1957 als hauptamtlicher Beigeordneter für Soziales und Wohnungswesen zuständig und hat mit seiner unerschöpflichen Energie und Durchsetzungskraft die Förderung des sozialen Wohnbaus, die Rückführung der Evakuierten, die Hilfe für Obdachlose und die Wohnungsnot im zerstörten Mainz zu seinen ureigensten Aufgaben gemacht.

Es folgten eine Vielzahl weiterer Projekte, wie der Ausbau des Kindergartenwesens, der Bau von Kinderhorten und Säuglingskrippen, die Errichtung von Kinderspielplätzen, der Neubau des Hauses der Jugend, die Errichtung von Jugendzentren, Werkstätten für Behinderte, der Bau von Behindertenwohnheimen, des Mainzer Blindenzentrums, Sonderkindergärten für geistig und körperlich Behinderte, die Gründung einer psycho-sozialen Arbeitsgemeinschaft, der Bau des ersten Altenwohnheims in Rheinland-Pfalz und weiterer zwei Altenwohnheime, die Errichtung von Altentagesstätten und vieler kultureller und geselliger Veranstaltungen für Senioren, der Aufbau mobiler Hilfsdienste, die Einführung des „Tags des ausländischen Mitbürgers“ (heute: Interkulturelle Woche), die Förderung der Arbeit der Freien Wohlfahrtsverbände.

Als Sanierungsdezernent hatte er seit 1972 eine „Jahrhundertaufgabe“ zu bewältigen, vermittelte mit viel diplomatischem Geschick zwischen den unterschiedlichen Interessensgruppen und sorgte dafür, dass die Auseinandersetzungen schließlich in fruchtbare Ergebnisse mündeten und den Mainzern ihre Altstadt wieder gegeben wurde.

Die Verbundenheit des geborenen Mainzers mit seiner Stadt hat sich zudem in zahlreichen Initiativen Karl Delormes gezeigt, die das Brauchtum und die Kultur wirkungsvoll gefördert haben. So gibt es kaum ein großes Volksfest in Mainz, das nicht, direkt oder indirekt, auf Karl Delorme zurückgeht. Das Johannisfest, das Open Ohr Festival oder die Reihe „Mainz lebt auf seinen Plätzen“ wären undenkbar ohne sein Engagement. Selbst ein Aktiver in der Fastnacht, hat er das närrische Brauchtum unterstützt und zuletzt als „Spiritus rector“ und nachdrücklicher Förderer des Mainzer Fastnachtsmuseums dem größten vaterstädtischen Fest ein einzigartiges und bleibendes Denkmal gesetzt. Als Mitglied des Deutschen Bundestages war ihm schließlich die Rückführung der rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile (AKK) ein besonderes Anliegen.

Karl Delorme kann auf ein beeindruckendes Lebenswerk verweisen, das er seiner Stadt Mainz gewidmet hat und mit dem er Mainz nachhaltig geprägt hat. Dies hat ihm in Mainz und darüber hinaus hohe Wertschätzung, Anerkennung und Popularität eingebracht. Seine christlich-ethisch begründete, glaubwürdige und gelebte Menschlichkeit, verbunden mit einem Blick für das Machbare, hat bis heute Vorbildfunktion. Karl Delorme hat über Jahrzehnte in vielen wichtigen Bereichen Einzigartiges und Bleibendes für Mainz geleistet.