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Neue Synagoge Mainz
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UNESCO-Welterbe SchUM

Wasser oder Woi: Alles koscher!© Offener Kanal Speyer

In diesem Video erzählt Dr. Susanne Urban, Geschäftsführerin der SchUM-Städte e.V, warum Judentum und Wein eng miteinandern verbunden sind und welche originären Merkmale die 3 SchUM-Städte für die UNESCO-Welterbeliste prädestinieren.

SchUM-Städte wollen auf UNESCO-Welterbeliste

Land, Kommunen und jüdische Gemeinden beschließen Kooperationsvereinbarung für Welterbeantrag

Das Ziel ist klar: Die sogenannten SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz sollen mit ihrem außergewöhnlichen jüdischen Erbe Eingang finden in die UNESCO-Welterbeliste, für die das Land Rheinland-Pfalz mit den beteiligten Kommunen und Vertretern der Jüdischen Gemeinden im Jahre 2012 eine Nominierung vorbereitete. Grundlage dafür war eine Kooperationsvereinbarung, die die Partner noch vor der offiziellen Abgabe der Nominierungsunterlagen bei der Kultusministerkonferenz (KMK) am 1. August 2012 unterzeichneten. Sie bildet die Basis für die künftige Zusammenarbeit und gemeinsame Aufgaben, die mit dem Welterbe-Antrag verbunden sind. 

Für das Land Rheinland-Pfalz unterzeichnete Ministerpräsident Kurt Beck die Kooperationsvereinbarung. Für die beteiligten Gemeinden unterschrieben die Oberbürgermeister der Städte Speyer, Worms und Mainz, Hansjörg Eger, Michael Kissel und Michael Ebling. Als Repräsentanten der jüdischen Gemeinden leisteten der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Dr. Peter Waldmann, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich, und der Geschäftsführer der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Daniel Nemirovsky, ihre Unterschriften. Der feierlichen Unterzeichnung wohnten auch die rheinland-pfälzische Kulturministerin Doris Ahnen sowie der Welterbebeauftragte des Landes, Staatssekretär Walter Schumacher, bei.

Die Kooperationsvereinbarung war ein erster formaler Schritt, dem konkrete Maßnahmen folgen sollen. So wollen die Partner etwa in einem gemeinsamen Verein künftige Aufgaben, die mit dem Welterbe-Antrag verbunden sind, koordinieren und umsetzen. Verantwortlich sein wird der Verein unter anderem für die Erstellung der Bewerbungsunterlagen sowie für die Öffentlichkeitsarbeit und die touristische Erschließung der SchUM-Städte.

Die drei jüdischen Zentren des Rheingebietes haben im Mittelalter bedeutende jüdische Gemeinden hervorgebracht, die in außergewöhnlicher Weise miteinander kooperierten und Anfang des 13. Jahrhunderts mit ihren Erlassen und Talmudschulen eine führende Rolle im aschkenasischen Judentum einnahmen. Auch die Entwicklung neuer Architekturformen prägten sie maßgeblich: Bis heute sind in den SchUM-Städten herausragende jüdische Ritualbauten und Grabdenkmäler aus dem Mittelalter erhalten geblieben, so etwa die Monumentalmikwe und die um 1104 eingeweihte Synagoge in Speyer, die zu den ältesten und bedeutendsten nördlich der Alpen zählt, der jüdische Friedhof Heiliger Sand in Worms oder die Grabsteine auf dem Denkmalfriedhof in Mainz. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen Namen von Speyer, Worms und Mainz: Schin (Sch) für Schpira, Waw (U) für Warmaisa und Mem (M) für Magenza.


Verein soll Weg zum UNESCO-Welterbe ebnen

Das einzigartige jüdische Erbe der Städte Speyer, Worms und Mainz noch stärker öffentlich herauszustellen und auch überregional und weltweit bekannter zu machen - das sind zwei zentrale Ziele des neu gegründeten Vereins „SchUM-Städte Speyer, Worms, Mainz“. Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Oberbürgermeister der drei Städte und die Repräsentanten der Jüdischen Gemeinden unterzeichneten am 21.07.2014 in der Mainzer Staatskanzlei die Vereinssatzung für die Gründungsmitglieder, das Land Rheinland-Pfalz, die drei beteiligten Städte, den Landesverband der Jüdischen Gemeinden sowie die Jüdischen Gemeinden Mainz-Worms und der Rheinpfalz. Das Land und die anderen Gründungsmitglieder des Vereins streben seit längerem für die SchUM-Städte den UNESCO-Welterbetitel an. Die Bezeichnung SchUM leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnungen für die Städte Speyer (Schpira), Worms (Uarmaisa) und Mainz (Magenza) ab. Angeführt von Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturministerin Doris Ahnen und dem Welterbe-Beauftragten der Landesregierung, Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, haben sie dafür bereits eine Reihe von Vorarbeiten geleistet. Der Antrag hat mittlerweile den Sprung auf einen der vordersten Plätze der deutschen Vorschlagsliste für eine kommende Auswahlrunde von neuen UNESCO-Welterbestätten geschafft.
„Mit der Gründung des Vereins gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt, um unserem gemeinsamen Ziel näher zu kommen“, unterstrichen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Oberbürgermeister Hansjörg Eger (Speyer), Michael Kissel (Worms) und Michael Ebling (Mainz) sowie der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz-Worms, Stella Schindler-Siegreich, und der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Israel Epstein.

Bis 2020 soll die jetzige, noch vorläufige Bewerbung zu einem detailliert begründeten und umfassenden Antrag für das UNESCO-Welterbe-Komitee weiterentwickelt werden. Dazu sind unter anderem auch umfangreichere wissenschaftliche Vorarbeiten nötig. Speyer, Worms und Mainz gelten als „Wiege der Gelehrsamkeit“ für das mittelalterliche Judentum in Europa. Durch den intensiven Austausch der nahe beieinander liegenden Städte mit ihren bedeutenden Talmudschulen entwickelte sich seit dem 11. Jahrhundert ein einzigartiger Verbund, der Kultur, Religion und Geistesleben des europäischen Judentums entscheidend geprägt hat. Einzigartige, europaweit ausstrahlende kultische Bauwerke zeugten und zeugen von dieser mittelalterlichen Blütezeit.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer betonte: „Mit der Gründung dieses Vereins knüpfen wir an das reiche und außergewöhnliche jüdische Erbe in Rheinland-Pfalz an. Gemeinsam wird es uns noch besser gelingen, das Erbe der SchUM-Städte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die gemeinsame Arbeit am Welterbeantrag wird dieses Sichtbar-Machen ganz wesentlich befördern. Gleichzeitig freue ich mich und empfinde es als Verpflichtung, dass wir mit der Gründung des SchUM-Vereins einen wichtigen Beitrag für das heutige jüdische Leben in unserem Land leisten. Der SchUM-Verein schlägt eine Brücke vom Gestern ins Heute und Morgen. Durch ihn können wir den Menschen näher bringen, dass die jüdische Kultur bedeutender Teil unserer Heimat ist. Und wir können dazu beitragen, dass auch zukünftig der jüdischen Kultur wieder die Bedeutung beigemessen wird, die sie über Jahrhunderte hinweg hatte.“

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling sagte: „Der neu gegründete Verein der SchUM-Städte wird eine große Unterstützung sein, um das mittelalterliche, jüdische Erbe im Verbund mit anderen Partnern stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Und er wird zur Koordination unseres gemeinsamen Ziels – der Verankerung der SchUM-Städte in der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste – einen wichtigen Beitrag leisten“. Sein Wormser Kollege, Oberbürgermeister Michael Kissel, ergänzte: „Als wesentlicher Impulsgeber für die Bewerbung der SchUM-Städte um die Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe liegt der Stadt Worms das bevorstehende Antragsverfahren besonders am Herzen. Der Verein soll aber nicht nur den Welterbeantrag vorantreiben, sondern auch gemeinsame Projekte der drei Städte, der jüdischen Gemeinden und des Landes. Besonders stolz sind wir als Wormser natürlich, dass unsere Stadt Sitz des Vereins wird.“ Der Oberbürgermeister von Speyer, Hansjörg Eger, hielt fest: „Die Vereinsgründung ist ein wichtiger Schritt der drei SchUM-Städte auf ihrem Weg zum erhofften Welterbe-Status. Die mittelalterlichen jüdischen Stätten von Speyer, Worms und Mainz sind ein bedeutender Teil der mitteleuropäischen Geschichte und Kultur. Hinzu kommt, dass der universelle und ideelle Wert von SchUM für das Judentum weltweit von großer Bedeutung ist. Der Verein wird dazu beitragen, die SchUM-Tradition noch stärker sichtbar und wahrnehmbar zu machen.“
Für den Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz unterstrich dessen Vorsitzender, Avadislav Avadiev: „Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz ist davon überzeugt, dass die Wiederbelebung der SchUM-Städte nicht nur für Rheinland-Pfalz, sondern für die ganze Welt eine große historische Bedeutung hat. Für die jüdische Glaubensgemeinschaft in Rheinland-Pfalz ist es äußerst wichtig, dass kulturelles Erbe, was verlorengegangen ist, an heutige und zukünftige Generationen weitergegeben wird.“ Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz-Worms, Stella Schindler-Siegreich, sagte: „Die Jüdische Gemeinde Mainz/Worms wünscht sich, dass der neue Verein alle Kräfte bündeln möge, um die geistigen, kulturellen und religiösen Impulse, die sich in den liturgischen Texten, Kommentaren, Verordnungen, Bräuchen und Wundergeschichten der großen Gelehrten bewahrt haben, zu erforschen und zu kommunizieren. Der Verein hilft sicher auch, die Orte, die das Überleben und Weiterleben der Juden und des Judentums in der Diaspora trotz Ausgrenzung und Verfolgung über Jahrhunderte möglich machten, für nachkommende Generationen zu erhalten und zu pflegen.“ Für die Jüdische Gemeinde der Rheinpfalz hielt deren Vorsitzender Israel Epstein fest: „Wir stehen am Anfang eines großen Vorhabens und ich bin mir sicher, dass wir dieses Ziel schon in naher Zukunft erreichen werden: Dass wir der ganzen Welt die Wichtigkeit der SchUM-Städte mitteilen können!“

Eine Aufgabe des Vereins wird es sein, das jüdische Erbe in den SchUM-Städten im Verbund mit anderen Institutionen, Vereinen und interessierten Privatpersonen weiter zu erschließen. Die auch für Religionsgemeinschaften zuständige Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturministerin Doris Ahnen hofft, dass der neue Verein zur „Keimzelle eines breit getragenen Bürgerschaftsprojekts“ wird und hielt fest: „Es gibt bislang auf der inzwischen mehr als 1.000 Stätten umfassenden Liste des UNESCO-Weltkulturerbes keine einzige, die ausschließlich dem jüdischen Erbe gewidmet ist. Unser gemeinsames Ziel ist es, dies bis 2020 zu ändern. Jede Unterstützung, die wir dabei erhalten, ist äußerst willkommen.“
Dem SchUM-Verein fielen wichtige Aufgaben zu, so die Ministerin weiter: Er solle dafür sorgen, dass das materielle wie das ideelle jüdische Erbe in den SchUM-Städten weiter erforscht, ein einheitliches Erscheinungsbild für die Präsentation dieses Erbes entwickelt sowie die Vernetzung der Akteure und die Koordination von Veranstaltungen gefördert werden. Konkret wollten die Vereinsmitglieder auch eine angemessene touristische Vermarktung der jüdischen Denkmäler entwickeln und gemeinsame Bildungsangebote zu dem Thema konzipieren.

Kulturstaatssekretär Walter Schumacher, der auch Welterbe-Beauftragter der Landesregierung ist, erinnerte aus Anlass der Unterzeichnung daran, dass die Landesregierung bereits seit 2006 das Ziel verfolge, das mittelalterlich-jüdische Erbe der SchUM-Städte als UNESCO-Weltkulturerbestätte auszeichnen zu lassen. Im August 2012 sei eine entsprechende Bewerbung an die Kultusministerkonferenz (KMK) gegangen, die immer auf deutscher Ebene eine Vorauswahl trifft. Am 12. Juni 2014 habe nun die KMK beschlossen, den rheinland-pfälzischen SchUM-Antrag auf die Liste von insgesamt 31 nationalen Vorschlägen zu setzen, denen ein „außergewöhnlicher universeller Wert“ attestiert wurde. Die SchUM-Städte wurden dabei auf Platz 5 gesetzt. Auf Basis einer Experten-Evaluation könnten nun bis 2020 sukzessive neun der 31 vorgeschlagenen Kulturgüter bei der UNESCO zur Aufnahme in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes angemeldet werden, so Schumacher, der resümiert: „Das heißt: Bis 2020 muss Rheinland-Pfalz nun für das Welterbe-Komitee einen umfangreichen Antrag erstellen. Über die endgültige Aufnahme in die Welterbeliste entscheidet das Welterbekommittee der UNESCO voraussichtlich ein Jahr später.“


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