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Buchpatenschaft Nr. 68

Leonhart Fuchs: De humani corporis fabrica epitomes. (Teil 1 und 2) Lyon: Michael Sylvius für Johannes Frellonius, 1551–1555 Leonhart Fuchs: De curandi ratione libri octo. Lyon: Guillaume Rouillé, 1548.

Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz, Sign.: II a 713 ® Provenienzen: Heinrich Kitsch (Leipzig), Johannes Kraußhaar (Heidelberg), Jesuitenkolleg Mainz

Das Buch und seine Geschichte

Leonhart Fuchs (1501–1566) entwickelte früh schon Interesse an medizinischen und botanischen Fragen. Mit 14 Jahren bereits immatrikulierte er sich an der Erfurter Universität, wo er in Kontakt zu humanistischen Kreisen und reformatorischem Gedankengut kam. Beides sollte für sein weiteres Leben prägend werden. Sein Weg führte den praktizierenden Arzt und Medizinprofessor über Ingolstadt und Ansbach schließlich nach Tübingen – hier verbrachte er mehr als 30 Jahre. Dem glänzenden Philologen und Humanisten wurde die Rückbesinnung auf die antiken Grundlagen der Medizin zum Lebensthema. Ohne die vielfach sinnentstellende Vermittlung durch die arabischen Mediziner des Mittelalters sollten Galen, Hippokrates u. a. wieder im Original zu Rate gezogen und übersetzt werden.

Die bleibende Bedeutung von Fuchs liegt zum einen in seiner Grundlagenforschung auf dem Feld der Botanik, die zu seiner Zeit noch kein eigenständiges Fach, sondern Teil der Medizin war. Die oft unzureichenden Beschreibungen in antiken Werken ergänzte Fuchs durch Exkursionen und machte diese Beobachtungen am Objekt auch verpflichtend für die universitäre Lehre. Seine illustrierten Kräuterbücher in lateinischer oder deutscher Sprache ließen ihn zu einem der Väter der Botanik werden. Zum anderen sind seine Bekämpfung der medizinischen Irrtümer in der mittelalterlichen Medizin, seine Modernisierung des medizinischen Lehrbetriebs mit Einführung neuer Methoden wie der Leichensektion und seine anatomischen Lehrbücher als dauerhafte Verdienste zu nennen.

1551 kam sein Anatomiewerk auf den Buchmarkt, dessen Titel sich bewusst an das kurz zuvor erschienene Opus des großen flämischen Anatomen Andreas Vesalius anlehnte. Die erste Tübinger Ausgabe enthält den Titelzusatz ex Galeni & Andreae Vesalij libris concinnatae. Und auch in der Vorrede zum vorliegenden Lyoner Druck verdeutlichte Fuchs, dass er sich an Galen und Vesal orientierte, als er sein De humani corporis fabrica verfasste. Während Vesals 1543 gedrucktes Werk, das die frühneuzeitliche Anatomie begründen sollte, eine Vielzahl ganzseitiger Illustrationen enthielt, blieb Fuchs‘ Darstellung unbebildert. Sie brachte die deutschen Mediziner erstmals in Kontakt mit dem von ihm so verehrten Anatomen und war auf Grund ihrer Ausstattung deutlich preiswerter als die illustrierte Vorlage.Dem Buchbinder, der den Pappband mit Blindprägung für das in Lyon gedruckte Mainzer Exemplar anfertigte, unterlief ein Irrtum: er stellte Teil II an den Anfang und ließ Teil I folgen. 

Dem Buchbinder, der den Pappband mit Blindprägung für das in Lyon gedruckte Mainzer Exemplar anfertigte, unterlief ein Irrtum: er stellte Teil II an den Anfang und ließ Teil I folgen.

Der Oktavband hat eine interessante Geschichte, die durch Einbandgestaltung und handschriftliche Einträge zumindest ansatzweise nachvollziehbar ist: Auf dem Vorderdeckel sind die Initialen H K L und das Jahr des Einbands 1579 eingeprägt. Durch Vergleich mit einem anderen Band identischer Prägung aus der Stadtbibliothek ließ sich der Erstbesitzer, der den Einband in Auftrag gab, als Henricus Kitschius Lipsiensis identifizieren. Heinrich Kitsch, der später Schulrektor in Dessau und Gymnasialprofessur und Bibliothekar in Zerbst werden sollte, stammte aus Leipzig, wo er auch einen Teil des Studiums absolvierte; 1593 ist er in der Heidelberger Matrikel aufgeführt, vermutlich, um Medizin zu studieren. Dazu passt ein zweites Glied in der Provenienzkette: 56 Jahre später trug sich Johannes Kraushaar mit den Worten Joan. Kraushaar M. D. 1635 auf dem Titelblatt ein. Der aus Schlettstadt gebürtige Mediziner hatte in Freiburg studiert, war in Heidelberg Stadtphysicus und bekleidete Mitte des 17. Jahrhunderts über einen längeren Zeitraum das Amt des Rektors der Universität sowie des Dekans der medizinischen Fakultät. Die letzte Station vor Übernahme durch die Alte Universitätsbibliothek Mainz markiert der Eintrag der Mainzer Jesuiten Collegii Societ. Jesu Moguntiae, die das Exemplar in ihre Konventsbibliothek übernahmen und – wie bei Ihnen üblich – den Rücken mit einem Papierüberzug versahen, um ihrer Sammlung einen einheitlichen Eindruck zu verleihen.

Schäden und Behandlung

Das Exemplar hat durch Feuchtigkeitseinwirkung und massiven Schimmelbefall schweren Schaden erlitten. Auffällig ist die durchgehend starke Verschmutzung mit plackigen Ablagerungen am Vorderschnitt. Eine sorgfältige Trockenreinigung Blatt für Blatt steht daher am Anfang der Behandlung. Wie üblich, sind erste und letzte Lage besonders beeinträchtigt und bedürfen bei der Restaurierung einer Auslösung, Nassbehandlung und Nachleimung des Papiers. Während der Vorderdeckel recht gut erhalten blieb, ist der Rückdeckel durch Feuchtigkeit aufgequollen und sein Überzugsleder hat sich abgelöst. Hier muss das Deckelmaterial neu stabilisiert und partiell ergänzt und das in Mitleidenschaft gezogene Schweinsleder regeneriert werden. Zum Schutz vor mechanischer Beschädigung und klimatischen Einflüssen erhält das Exemplar eine Bindemappe aus säurefreiem Karton.

Restaurierungskosten: 1.274,00 €

Adresse

Frau Dr. Annelen Ottermann
Abteilungsleiterin Handschriften, Rara, Altbestände, Bestandserhaltung
Rheinallee 3b
55116 Mainz
Telefon
+49 6131 12-2650
E-Mail
Annelen.Ottermannstadt.mainzde

Erreichbarkeit

Barrierefreier Zugang vorhanden.
Barrierefreier Eingang in der
Greiffenklaustraße über den Schulhof des Schlossgymnasiums. Bitte
klingeln.