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Buchpatenschaft Nr. 71

Johann Joachim Becher: Chymischer Glücks-Hafen, oder Grosse Chymische Concordantz und Collection von funffzehn hundert chymischen Processen … Nebst einer neuen Vorrede, oder Bedencken Von der Gold-Macherey, Herrn Georg Ernst Stahls … Neue und viel verbesserte Edition. Halle: Ernst Gottlieb Krug, 1726.
Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz, Sign.:

Das Buch und seine Geschichte

Mit Johann Joachim Becher (1635–1682) begegnen wir einem wichtigen frühneuzeitlichen Universalgelehrten, der als Chemiker, Alchemist, Ökonom bis heute einige Bekanntheit genießt. Seine Spur führt uns zugleich nach Mainz!

Becher wurde als Sohn eines lutherischen Pfarrers in Speyer geboren und verbrachte nach Ende des Dreißigjährigen Krieges einige Jahre auf Bildungs- und Studienreisen quer durch Europa. 1657 wurde er in Mainz ansässig, wo ihn Kurfürst Johann Philipp von Schönborn zum Leibarzt und Hof-mathematiker ernannte. Sein Medizinstudium an der hiesigen Universität schloss er 1661 mit der Promotion zum Doctor medicinae ab. Die öffentliche Disputation wurde von Ludwig von Hörnigk geleitet, der kurze Zeit später sein Schwiegervater werden sollte. Rechtzeitig vor der Eheschließung konvertierte Becher zum katholischen Glauben. Er gehörte nur kurze Zeit der medizinischen Fakultät an und verbrachte die 18 Jahre nach seinem Ausscheiden bis zum Tod in London unstet zwischen verschiedenen euro-päischen Höfen als Leibarzt und Berater.

Bechers Interessen waren weit gespannt und umfassten so unterschiedliche Bereiche wie Ökonomie, Chemie und Philosophie. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des frühkapitalistischen Wirtschaftssystems. In der Umbruchzeit zwischen mittelalterlicher Alchemie und neuzeitlicher Chemie führte Becher wichtige Untersuchungen an, die ihn auch zu neuen Ansätzen und Hypothesen über elementare Substanzen und chemische Reaktionen führten. Die Phlogistontheorie zu chemischen Verbrennungsprozessen geht auf Becher und den Hallenser Mediziner und Chemiker Georg Ernst Stahl zurück. Von Stahl stammt auch das in der 2. Auflage des vorgestellten „Chymischen Glücks-Hafens“ erstmals mit abgedruckte Bedenken über die Goldmacherei, Becher hatte den alten alchemistischen Traum durch Entwicklung eines neuen Verfahrens verfolgt, dessen Umsetzung jedoch nicht finanzierbar war. Der „Glücks-Hafen“ leistet eine Zusammenstellung chemischer Experimente und liefert Beschreibungen großer europäischer Laboratorien.

Schäden und Behandlung

Das Frontispiz mit einem Kupferstich des Autors ist im Exemplar der Stadtbibliothek nicht mehr erhalten. Vermutlich war es zum Zeitpunkt seiner Überlassung als Geschenk im Jahr 1928 auch bereits herausgerissen.  Der als Halbpergamentband mit Buntpapierüberzug gebundene Quartband trägt deutliche Spuren intensiver Benutzung und zugleich unsachgemäßer Lagerung und Handhabung.

Verschmutzungen im Buchblock, Griff-Flecken und Papierabnutzungen gehören ebenso wie Eselsohren, Knicke und kleinere Fehlstellen zu den üblichen Alterserscheinungen. Hinzu kommen jedoch großflächige Wasserränder und punktuelle Schimmelablagerungen im Bereich von Schriftträger und Einband. Die Pappdeckel sind an den Ecken umgeknickt und ohne Festigkeit; das Pergament am Rücken ist geschrumpft, die Pergamentecken sind stark fragmentiert. Unterstreichungen, wenige Anmerkungen und Notizen deuten an, dass das Exemplar „mit dem Stift in der Hand“ durchgearbeitet wurde.

Die Trockenreinigung von Buchblock, Schnitt und Einband umfasst auch das Ausbürsten des partiellen Schimmel-Rasens. Risse und Fehlstellen werden geschlossen, die stark beschädigten Vorsätze erneuert bzw. ergänzt. Das Titelblatt, das der mechanischen Beanspruchung über Jahrhunderte am stärksten ausgesetzt war, bedarf der Nassbehandlung und Nachleimung. Die Pappdeckel müssen stabilisiert und die verlorenen Pergamentecken ergänzt werden.

Zum Schutz vor mechanischer Beschädigung und klimatischen Einflüssen erhält das Exemplar am Schluss eine Bindemappe aus säurefreiem Karton. Hier werden auch die ausgelösten Pergamentfragmente aufbewahrt, sodass der einstige Zusammenhang mit dem Trägerband sich erschließt. Über verwendete Materialien und Eingriffe informiert ein ausführliches Restaurierungsprotokoll, das durch Bildmaterial vom Zustand vor und nach der Restaurierung ergänzt wird.

Restaurierungskosten: 1.130,50 €

Adresse

Frau Dr. Annelen Ottermann
Abteilungsleiterin Handschriften, Rara, Altbestände, Bestandserhaltung
Rheinallee 3b
55116 Mainz
Telefon
+49 6131 12-2650
E-Mail
Annelen.Ottermannstadt.mainzde

Erreichbarkeit

Barrierefreier Zugang vorhanden.
Barrierefreier Eingang in der
Greiffenklaustraße über den Schulhof des Schlossgymnasiums. Bitte
klingeln.