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Buchpatenschaft Nr. 72

Conrad Gessner: De chirurgia scriptores optimi quique veteres et recentiores, plerique in Germania antehac non editi, …
Zürich: Andreas und Jakob Geßner, 1555. (VD16 G1707)
Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz, Sign.: I ee:2°/369
Provenienz: Alte Universitätsbibliothek

Das Buch und seine Geschichte

Es gibt vielerlei Gründe, sich an den Züricher Conrad Gessner (1516–1565) als einen der bedeutendsten Renaissance-Gelehrten der Schweiz zu erinnern – sei es in seiner Funktion als Naturforscher, Mediziner, klassischer Philologe oder Bibliograph. Geboren und aufgewachsen in Zürich, kam er hier und in Straßburg früh in Kontakt mit Huldrych Zwingli und Wolfgang Capito, erlernte Griechisch und Hebräisch und studierte Medizin. Er bekleidete altphilologische und naturwissenschaftliche Professuren und wechselte in rascher Folge zwischen verschiedenen großen europäischen Universitäten.

Als typischer Vertreter der Renaissance-Medizin griff er auf die antiken Texte bei Galen, Hippokrates u.a. zurück, edierte und kommentierte sie. Wie vielen seiner Zeitgenossen, war es ihm vordringliches Anliegen, die Originalquellen neu zu studieren und zugänglich zu machen, befreit von mittelalterlichem Aberglauben, erstarrten Interpretationen und oftmals fehlerhaften Vermittlungen durch die arabischen Ärzte. Die Prägekraft des Andreas Vesalius und seiner Anatomiestudien bestimmte auch Conrad Gesner. Systematische Naturstudien des Feldbotanikers, des Zoologen und Mineralogen gehörten fest zu seiner Arbeitsweise, die den Blick auf die moderne naturwissenschaftlich aus-gerichtete Medizin lenkte, ohne indes ihre Fundierung in der hippokratisch-galenischen Tradition zu verlieren. Vorhandenes Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt wie auch Mineralien und Fossilien suchte er zusammenzuführen und herauszubringen.

Dem Buch- und Bibliothekswissenschaftler sind Gesners Pionierleistungen auf dem Gebiet des Bibliographierens ein Begriff: mit der „Bibliotheca universalis“ wollte der Polyhistor das handschriftlich und gedruckt überlieferte Wissen in den alten Sprachen verzeichnen, um das Wissen darum vor etwaigem Verlust zu schützen.

Die vorgestellte kompilatorische Textsammlung entstand auf Anregung zweier Cousins Gesners, die hier als Züricher Buchdrucker im Impressum genannt werden. Die „Chirurgia“ tritt mit dem Anspruch auf, die besten alten und neueren Autoren in einem Band zu vereinigen und viele von ihnen erstmals in Deutschland bereitzustellen. Die Zusammenstellung von rund 150 Autoren wird durch ein bemerkenswertes Register mit ca. 3000 Schlagworten ergänzt und handhabbar gemacht. Vervollständigt wird das Opus durch eine in ihrer Art erstmalige Bibliographie chirurgischer Autoren.

Die Alte Mainzer Universitätsbibliothek erwarb ein Exemplar der „Chirurgia“, gebunden als großformatiger Ganzpergamentband. Zahlreiche Randbemerkungen und vereinzelte Zeigerhände zeugen von der vorherigen Nutzung – Sorgfalt und Schriftduktus lassen auf einen gelehrten Mediziner schließen. Da der Herausgeber und Bearbeiter auf dem Titelblatt nicht genannt wird, fühlte ein späterer Leser sich zu der handschriftlich ergänzten Anmerkung veranlasst, dass die Sammlung selten und von Conrad Gessner herausgegeben worden sei.

Schäden und Behandlung

Während der Buchblock mit mehr als 400 Seiten zwar verschmutzt, aber ansonsten erstaunlich gut erhalten und nur ganz punktuell durch Eindringen eines spitzen Gegenstands beschädigt ist, zeigt der Einband starke Auflösungserscheinungen. Die aus Druckmakulatur zusammengesetzten Pappen haben sich schichtweise gelöst, sind lappig und deformiert. Eingedrungene Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung haben hier zusammengewirkt. Die Lederbänder an Vorder-, Kopf- und Fußschnitt sind abgerissen. Das Pergament ist durch klimatische Unzulänglichkeiten verformt, verworfen und sichtlich geschrumpft.

Die restauratorische Behandlung bezieht sich neben der obligatorischen Trockenreinigung und Fehlstellenergänzung am Buchblock vor allem auf eine Einbandrestaurierung. Dabei werden die Spiegel abgelöst, gewässert, ergänzt und gefestigt. Die gereinigte Deckelmakulatur wird ebenfalls nass behandelt und anschließend geglättet separat zurückgegeben. Eine Wiederverwendung schließt sich aus, weshalb neue Deckel für das regenerierte und ausgebesserte Überzugspergament anzufertigen sind. Bindebänder, die in Farbe und Material den vorgefundenen Resten angepasst werden, halten den Einband künftig zusammen. Zum Schutz vor mechanischer Beschädigung und klimatischen Einflüssen erhält das Exemplar am Schluss eine Bindemappe aus säurefreiem Karton. Hier wird auch die alte Deckelmakulatur aufbewahrt, sodass der einstige Zusammenhang mit dem Trägerband sich erschließt. Über verwendete Materialien und Eingriffe informiert ein ausführliches Restaurierungsprotokoll, das durch Bildmaterial vom Zustand vor und nach der Restaurierung ergänzt wird.

Restaurierungskosten: 1.338,75 €

Adresse

Frau Dr. Annelen Ottermann
Abteilungsleiterin Handschriften, Rara, Altbestände, Bestandserhaltung
Rheinallee 3b
55116 Mainz
Telefon
+49 6131 12-2650
E-Mail
Annelen.Ottermannstadt.mainzde

Erreichbarkeit

Barrierefreier Zugang vorhanden.
Barrierefreier Eingang in der
Greiffenklaustraße über den Schulhof des Schlossgymnasiums. Bitte
klingeln.