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Rede des Oberbürgermeisters zum Ersten Spatenstich für das Archäologische Zentrum Mainz

18. September 2015, Baugelände am Museum für Antike Schiffahrt

Sehr geehrte Frau Ministerin Ahnen,
sehr geehrte Frau Ministerin Reiß,
sehr geehrter Herr Professor Daim,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

 
zum Glück sind Archäologen für ihre Geduld bekannt, sonst hätte sie die hürdenreiche Wegstrecke bis zum heutigen Tag vielleicht entmutigt.

Doch das Warten hat sich gelohnt: Das international renommierte Römisch-Germanische Zentralmuseum mit seinen bedeutenden Sammlungen bekommt eine neue, glanzvolle Heimstatt mitten in der Landeshauptstadt!

Damit aber bekommt auch die römische Gründungsepoche der Mainzer Geschichte ein neues Zuhause – eine Epoche, die den Mainzerinnen und Mainzern bekanntlich besonders am Herzen liegt und die mit Drususstein, Amphitheater und Römerschiff-Museum im unmittelbaren Umfeld des künftigen Hauses deutliche Spuren hinterlassen hat.

Sicher: Im schillernden Mosaik all dessen, was das AZM hier be­herbergen und ausstellen wird, mag dieses römische Erbe nur ein leuchtendes Bild unter mehreren sein. Und dennoch gründet auf diesem römischen Erbe ein wesentlicher Teil unserer kulturellen Identität. Und damit meine ich jetzt nicht das Wissen um den für Mainz so prägenden Weinanbau.

Ich meine damit vielmehr unser modernes Verständnis von Recht, Moral und Ordnung, das in erheblichem Maße auf den Lehren unserer römischen und griechischen Vorfahren basiert.

Wann immer wir uns mit den Relikten der Vergangenheit be­schäftigen, beschäftigen wir uns zugleich mit unseren ureigenen Wurzeln und erhoffen uns Antworten auf das Hier und Heute.

Wie brisant eine solche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sein kann, das erleben wir auf schrecklichste Weise gerade in diesen Wochen wieder.

Weltweit ist die antike Ruinenstadt Palmyra zu einem Symbol für blinde Zerstörungswut, religiösen Fanatismus und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und deren historischen Wurzeln geworden.

Mit ihren Angriffen auf das Weltkulturerbe der Menschheit zerstören die Barbaren des sogenannten „"Islamischen Staats" dabei nicht nur Kulturgüter von unschätzbarem Wert, sondern sie zielen damit auf das kulturelle Gedächtnis der Menschheit.

Auch in diesem Zusammenhang muss man daher die Bedeutung des heutigen Tages sehen: Dieser Erste Spatenstich für ein neues großes Archäologisches Zentrum in Mainz ist ohne Frage eine außerordentlich bedeutende Kulturinvestition in unsere Stadt und in das Land Rheinland-Pfalz insgesamt.

Er ist aber auch ein mutiges Statement: Wer heute zum Spaten greift, um ein archäologisches Museum, eine Bibliothek, eine Restaurierungswerkstatt und ein Forschungszentrum zugleich entstehen zu lassen, der wendet sich entschieden dagegen, das Feld der Geschichtsdeutung Fundamentalisten oder Fanatikern zu überlassen!

Natürlich kann kein Museum der Welt reale Erinnerungsstätten wie Palmyra ersetzen, und kein Museum der Welt macht den Verlust des Baal-Shamin-Tempels dieser Tage oder der Buddha-Statuen von Bamiyan vor über zehn Jahren ungeschehen. Diese Zerstörungen reißen nie zu heilende Wunden in unser kulturelles Bewusstsein.

Aber ein Museum kann und muss einen wichtigen Beitrag zum Bewahren und Verstehen leisten – und diesen Beitrag wird dereinst das Archäologische Zentrum Mainz noch öffentlichkeitswirksamer leisten können, als es das Römisch-Germanische Zentralmuseum im Schatten des Schlosses schon heute tut.

 

Meine Damen und Herren,

2000 Jahre ist die Stadt Mainz alt, und da überrascht es fast, dass die Rückbesinnung auf die Anfänge unserer Stadtgeschichte doch erst vergleichsweise spät stattfand.

Wir verdanken diese Rückbesinnung – und damit das Wieder­erblühen des "römischen Mainz" – in nicht unerheblichem Maße der "Initiative Römisches Mainz" und ihren vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern:

Während wir hier gleich zu den Spaten greifen werden, sehe ich sie im Geiste schon ihre "Pinselchen" zücken, denn jeder Spatenstich in den Mainzer Boden birgt, wie wir wissen, die Chance – Bau­unternehmer mögen auch denken: das Risiko – just an dieser Stelle auf einen historischen Schatz zu stoßen.

Einen Schatz bewahrt haben uns hingegen die engagierten Bürge­rinnen und Bürger der "Initiative Neutorschule". Ihnen ist der Erhalt der denkmalgeschützten Schule zu verdanken, die jetzt Teil des neuen AZM werden soll.

Auch architektonisch verbinden sich damit Historisches und Modernes, Vergangenheit und Gegenwart an ein und demselben Standort. Was könnte besser zu einer geschichtsträchtigen und zugleich modernen Stadt wie Mainz passen?

 

Meine Damen und Herren,

hier, am südlichen Ende der Altstadt, entsteht ab heute ein neuer Anziehungspunkt für Mainzerinnen und Mainzer und für Touristen aus aller Welt. Hier eröffnen sich mit dem Umzug des RGZM neue Zukunfts­perspektiven für unser Kurfürstliches Schloss. Und nicht zuletzt erfährt von hier aus auch der Universitäts- und Wissenschaftsstandort Mainz eine neue, ungeahnte Schubkraft.

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz stemmt mit dem AZM ein

Kulturprojekt erster Güte und erhebt unsere Stadt damit einmal mehr zu einem würdigen Mitspieler im Kreise der bedeutenden Museumsstandorte in Rhein-Main und der Republik.

Dafür bedanke ich mich im Namen aller Mainzer Bürgerinnen und Bürger ganz herzlich, verehrte Frau Ministerin Ahnen, verehrte Frau Ministerin Reiß!

Voller Neugierde blicken wir auf das, was in den kommenden Monaten hier entstehen wird. Es wird – soviel ist jetzt schon sicher – ein weiteres kulturelles und städtebauliches Juwel und ein Highlight für unser Aushängeschild, für unser "römische Mainz"!