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Rede des Oberbürgermeisters zur Verleihung der Gutenberg-Plakette an Prof. Ralf Otto, Leiter Bachchor Mainz

16. April 2016
Atrium-Hotel, Mainz-Finthen

Sehr geehrter Herr Professor Eckes,

sehr geehrte Kuratoriumsmitglieder,

sehr geehrte Mitglieder des Bachchors Mainz,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

vor allem aber: sehr geehrter Herr Professor Otto,

fast auf das Jahr genau 300 Jahre nach der Geburt Johann Sebastian Bachs tritt ein junger Kirchenmusiker vor den 30 Jahre zuvor gegründeten Mainzer Bachchor.

Was er aufführt, gehört zum Repertoire des Chores. Doch wie er diese Musik zu Gehör bringt, das leitet in Mainz eine neue Ära ein!

Heute, wieder 30 Jahre später, genießt der Bachchor Mainz in der Musikwelt einen hervorragenden Ruf und daran haben Sie, verehrter Herr Professor Otto, wesentlichen Anteil.

Meine Damen und Herren,

300 Jahre, 30 Jahre und noch einmal 30 Jahre – diese Zahlen klingen eindrucksvoll. Aber eigentlich sind sie für die Bewertung von Kunst gar nicht von Bedeutung – auch das hat uns niemand besser gelehrt als Ralf Otto.

Denn was wirklich zählt, ist das, was die Kunst in unserem Innersten macht. Was wir manchmal erst erspüren, wenn der letzte Ton verklungen ist. Und was in uns noch lange nachwirkt, wenn wir den Konzertsaal bereits verlassen haben.

Ihnen, verehrte Gäste, muss ich mich gar nicht näher erklären: Sie alle kennen diesen fast magischen Moment in der „Christuskirche“, wenn Ralf Otto am Ende einer Aufführung die Hände sinken, oder besser: ruhen lässt.

Dann breitet sich – unmittelbar bevor der Applaus losbrandet – eine große Ruhe, eine tiefe Stille in uns Zuhörerinnen und Zuhörern aus.

Dann erleben wir hautnah, was mit „Klängen, die atmen“ – dieser Losung des Bachchors – gemeint ist.

Für das Publikum des Mainzer Bachchors sind das unschätzbare Momente des Musikerlebens, und allein für diese Momente, für dieses stille „Nachspüren dürfen“ in unserer sonst so schnelllebigen und lauten Zeit, möchte ich Ihnen, Herr Professor Otto, meinen – unser aller – Dank aussprechen.

Sehr geehrter Herr Professor Otto,

als Sie vor 30 Jahren – um nun doch noch einmal auf die „harten Fakten“ zurückzukommen – die Leitung des Bachchors über­nahmen, waren die Erwartungen an Sie groß. Schließlich war es keine leichte Aufgabe, in die Fußstapfen einer Ikone wie Diethard Hellmann zu treten.

Und dennoch ist es Ihnen in der Folgezeit in einzigartiger Weise gelungen, nicht nur eine reiche Tradition fortzuführen, sondern darüber hinaus neue musikalische Akzente zu setzen und eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln.

Und mehr noch: Es ist Ihnen gelungen, die Altvorderen unter den Sängerinnen und Sänger weiter an sich zu binden und zugleich junge Menschen für den Chorgesang zu begeistern.

140 Sängerinnen und Sänger gehören heute dem Bachchor an. In unterschiedlicher Besetzung absolvieren sie Jahr für Jahr unzählige Proben, Auftritte und sogar Tourneen – und das alles ehrenamtlich!

Sicher, diese Menschen tun dies aus Liebe zur Musik. Aber nicht nur! Sie tun es auch, weil sie in Ralf Otto einen Chorleiter haben, der vieles in einem ist: eine große Musikerpersönlichkeit, ein leiden­schaftlicher und kluger Lehrmeister und noch dazu einfach ein feiner Mensch!

Mit ihm an der Spitze konnten sich die Sängerinnen und Sänger des Bachchors ein umfangreiches und anspruchsvolles musika­lisches Oeuvre erarbeiten, das sich dem Werk des Namenspatrons Johann Sebastian Bach zwar nach wie vor verpflichtet fühlt, das sich aber über die Jahrzehnte mehr und mehr geöffnet hat für andere musikalische Epochen bis hin zur zeitgenössischen Musik.

Heute zählt der Bachchor Mainz zu einem der herausragenden Chöre in Rheinland-Pfalz, und mein Dank gilt an dieser Stelle allen Sängerinnen und Sängern des Bachchors, die sich in beispielloser Weise in ihrer Freizeit für den Chor und damit für das Musikleben in Mainz einbringen. Das ist echtes Bürgerengagement, denn ohne diesen Einsatz wäre die Stadt Mainz um eine musikalische Institution ärmer.

Mein Dank gilt außerdem Ihnen, verehrte Frau Oberkirchenrätin Noschka, für die konstante Trägerschaft des Chores durch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau.

Und nicht zuletzt gilt mein Dank den vielen Freunden und Förderern des Bachchors Mainz, allen voran dem Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Eckes.

Nach außen offen, nach innen fest geschlossen: Das ist sicher nicht der alleinige Grund für den Erfolg dieses Chors.

Aber Beständigkeit, Präzision, Ausdauer und Geduld, mit denen Ralf Otto das Ensemble seit 30 Jahren zu immer neuen Höhen führt, sind das feste Fundament, vom dem aus sich die Kunst und Strahlkraft des Bachchors Mainz zu voller Blüte entfalten kann.

Diese Kunst aber prägt längst nicht mehr nur das kirchliche Leben in unserer Stadt, sondern das kulturelle insgesamt: Wer heute in Mainz von Musik spricht, der spricht immer auch vom Bachchor Mainz und damit von einem Konzert-Chor von nationalem und internationalem Rang.

Meine Damen und Herren,

liebe Gäste,

es gibt den schönen Spruch „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg.“

Warum fällt mir aber dieser Spruch ausgerechnet im Zusammen­hang mit Herrn Professor Otto ein?

Ganz einfach: Der feste, unverrückbare Berg ist natürlich Professor Otto. Der Prophet aber – das ist die Musik. Und die musste in Ralf Ottos Leben zunächst erstaunlich laut auf sich aufmerksam machen.

Denn in die Wiege gelegt war ihm der Musikerberuf nicht. Seine Hinwendung zur Musik war schlicht und einfach der Tatsache geschuldet, dass es in Melsungen – der Stadt, in der Herr Professor Otto aufwuchs –, gerade einmal zwei außerschulische Aktivitäten gab: Musik oder Tennis.

Professor Otto wählte die Musik, auch und vor allem, weil er in seinem Musiklehrer einen mitreißenden Mentor fand. Einen Mentor, wie er es heute selbst für viele junge Musikerinnen und Musiker ist, sei es im Bachchor oder sei es an der Hochschule für Musik in Mainz, an der eine Professur für Chordirigieren innehat.

Vorgezeichnet aber war der spätere Berufsweg damit längst noch nicht. Denn gleich nach dem Abitur folgte die nächste Hürde: Was studieren – Medizin oder Musik?

Er entschied sich für die Musik – aber nur für wenige Semester. Dann bewarb er sich um einen Studienplatz in Medizin. Und bekam ihn.

Erst im letzten Moment entschied er sich erneut um: für die Musik, mit Leib und Seele und diesmal endgültig.

Von da an war musikalisch kein Halten mehr: Noch während seines Studiums gründete Professor Otto das Vokalensemble Frank­furt, mit dem er namhafte internationale Wettbewerbe gewinnen konnte, bis er 1986 schließlich die Leitung des Bachchors Mainz übernahm. 1990 folgte zusätzlich eine Berufung als Professor an die Folkwang Hochschule in Essen.

Keine Frage: Der Bachchor Mainz genoss schon zur Zeit der Über­nahme durch Professor Otto einen erstklassigen Ruf als semi­professioneller Konzert-Chor.

Und dennoch sprach er anfangs musikalisch eine völlig andere Sprache als die des jungen Kirchenmusikers aus Frankfurt.

Umso erstaunlicher erscheint die Erfolgsgeschichte, die aus dem Zusammenspiel von Chor und Chorleiter innerhalb kürzester Zeit erwuchs.

Heute jedenfalls ist der Bachchor Mainz ein besonders hell glänzendes Aushängeschild des Mainzer Kulturlebens.

Sein Ensemble begeistert dabei nicht nur die musikliebenden Mainzerinnen und Mainzer.

Es trägt den Namen unserer Stadt auch über die Stadtgrenzen hinaus und in die Musikwelt hinein: durch die Teilnahme an nahezu allen namhaften deutschen Musikfestivals, durch große Tourneen innerhalb Europas und bis nach Südamerika, durch eine rege Aufnahmetätigkeit – erst jetzt wieder ist für den Weltmarkt eine Neuproduktion der großen Bach-Werke auf CD geplant – sowie nicht zuletzt durch die regelmäßigen Fernsehauftritte.

Auch dafür möchte ich im Namen der Landeshauptstadt Mainz herzlich danke sagen: dem Ensemble des Bachchors Mainz, vor allem aber seinem hervorragenden Leiter, Herrn Professor Ralf Otto.

Sehr geehrter Herr Professor Otto,

Sie haben sich in allerhöchstem Maße um die Musik und um die musikalische Nachwuchsförderung in Mainz verdient gemacht.

Für diese Verdienste sind Sie vom Land Rheinland-Pfalz mit der Peter-Cornelius-Plakette, der höchsten Auszeichnung des Landes für Verdienste im Bereich der Musik, geehrt worden.

Es ist eine Freude und Ehre für mich, Sie, verehrter Herr Professor Otto, in Anerkennung Ihres herausragenden Engage­ments als künstlerischer Leiter des Bachchors Mainz und Ihrer Verdienste um den Musikstandort Mainz heute Abend mit der Gutenberg-Plakette auszeichnen zu dürfen.

Die Gutenberg-Plakette ist die höchste kulturelle Auszeichnung, die unsere Stadt zu vergeben hat. Damit verbunden nehmen Sie bitte meinen Dank und meine Hochachtung für Ihr jahrzehntelanges engagiertes Wirken entgegen.

Verehrter Herr Professor Otto, ich darf Sie jetzt zu mir nach vorne bitten.