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Rede anlässlich des ICAN-Empfangs

Freitag, 15. Dezember 2017
Ort: Rathaus

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

können wir uns überhaupt noch eine Welt ohne Atomwaffen und ohne atomare Bedrohung vorstellen? Ja, das können wir wieder!

Seit der Vergabe des Friedensnobelpreises an ICAN – der internationalen Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen – keimt endlich wieder Hoffnung auf. Und worüber lange Zeit – so schien es zumindest – nur noch hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde, das steht endlich wieder auf der politischen Tagesordnung! Allein schon für diese Wende hat die Kampagne ICAN den Friedensnobelpreis hoch verdient. Und sollte daraus tatsächlich einmal eine „Zeiten-Wende“ werden: es wäre nicht nur das schönste Geschenk, das sich die Menschheit selbst machen könnte, es wäre ihre Rettung!

“Choose the end of nuclear weapons over the end of us!”: Mit diesen Worten appellierte ICAN-Geschäftsführerin Beatrice Fihn in ihrer Dankesrede in Oslo an alle Nationen weltweit. Und weltweit ist auch das Netzwerk, das ICAN für diesen Appell geknüpft hat.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Gäste,

ich begrüße Sie herzlich im Mainzer Rathaus zu einer Feierstunde, wie wir sie in unserer Stadt nicht oft erleben: Wir feiern heute die Auszeichnung von ICAN mit dem Friedens-nobelpreis und diese Auszeichnung steht auch in einem direkten Bezug zu unserer Stadt und zu unserer Region. Denn ICAN ist der Zusammenschluss von vielen hundert Partner-organisationen in über hundert Ländern – darunter auch von Friedensorganisationen und Einzelpersonen in Mainz.

Sie alle machen sich oftmals schon seit Jahrzehnten für die atomare Abrüstung stark und das nicht nur auf internationaler Ebene, sondern auch ganz konkret in Deutschland und Rheinland-Pfalz, ich nenne hier als Stichworte nur Ramstein und Büchel.

Ich freue mich daher außerordentlich, heute begrüßen zu dürfen

  • die Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Sektion der Organisation Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW),
  • des internationalen Versöhnungsbundes,
  • der buddhistische Glaubensgemeinschaft SGI Deutschland,
  • der deutschen Friedensgesellschaft DFG-VK,
  • der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi
  • der Sozialdemokratischen Bildungsinitiative Gau-Algesheim
  • sowie – last but not least – Heidi Kassai von ICAN Deutsch-land und der nationalen Kampagne „atomwaffenfrei. jetzt“.

Sie alle – meine Damen und Herren – sind über Ihre Organisa­tionen Teil auch des ICAN-Netzwerkes und bilden damit das starke Fundament, von dem aus ICAN erfolgreich agieren kann.

Umso mehr freut es mich, dass jetzt Ihr jahre- oft sogar jahrzehnte-langes Wirken eine solche öffentlich Aufmerksamkeit und einen solchen Zuspruch erhält. Darauf dürfen Sie zu Recht stolz sein. Der Preis, den das Nobelpreiskomitee am vergangenen Sonntag an ICAN überreicht hat, ist eine Bestätigung auch Ihres Wirkens. Und mehr noch: Er ist eine Ermutigung und ein Ansporn für die Zukunft!

In nur zehn Jahren wurde dank ICAN Geschichte geschrieben, denn endlich haben nicht länger die Atomwaffenmächte das alleinige Sagen über Wohl und Wehe der gesamten Menschheit.

Im Gegenteil – diese Mächte sehen sich einem neuen starken Gegner gegenüber: 122 Ländern, also zwei Dritteln der Staaten-gemeinschaft der Vereinten Nationen, sowie zahlreichen NGOs und Zivilgesellschaften.  Das hat es in dieser Form noch nie gegeben!

Was Sie erreicht haben, meine Damen und Herren, ist daher ein unschätzbares Geschenk für alle, die heute leben, und es ist ein Geschenk an die Generationen von morgen. Es ist zugleich aber auch die Verpflichtung, nicht nachzulassen im Kampf um eine atomwaffenfreie Welt.

Dieser Verpflichtung sind wir uns gerade in Mainz – einer durch Krieg und Zerstörung schwer geprüften Stadt – deutlich bewusst, und sie ist mit ein Grund, warum wir uns der Initiative „Mayors for Peace“ angeschlossen haben. Auch diese Initiative zählt zum Bündnis von ICAN.

Die verheerenden Bombenangriffe vor 72 Jahren auf unsere Stadt haben sich den Mainzerinnen und Mainzern sowohl im persönlichen Erlebnis der Zeitzeugen wie auch im kollektiven Gedächtnis als schwärzester Tag und stete Mahnung eingebrannt. Und ebenso müssen sich uns die Worte der Hiroshima-Überlebenden Setsuko Thurlow einbrennen: "Jede Sekunde an jedem Tag bedrohen Atomwaffen jeden, den wir lieben, und alles, was wir wertschätzen. Wir dürfen diesen Irrsinn nicht länger tolerieren."

Wir werden Frau Thurlows Rede gleich noch gemeinsam hören, daher an dieser Stelle nur so viel: Das Rathaus von Oslo hat schon viele gute Rednerinnen und Redner erlebt, doch selten hat jemand Worte gefunden, die sich so unmittelbar an die gesamte Menschheit richten. Worte, die an unser Mitgefühl appellieren, aber noch viel mehr an unser Handeln.

Sie, verehrte Gäste, brauchen keine Appelle mehr, um aktiv zu werden. Was Sie aber brauchen, sind viele Unterstützerinnen und Unter­stützer. Und wenn dazu das internationale Renommee des Friedensnobelpreises beitragen kann, dann ist das vielleicht das schönste und wichtigste Preisgeld.

Ich danke Ihnen für Ihren großartigen Einsatz sowohl als Oberbürgermeister von Mainz als auch als Mit- und Weltbürger.

Denn das sind wir letztlich alle: Weltbürgerinnen und Weltbürger! Und als diese lassen wir uns das Heft nicht länger aus der Hand nehmen.