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Rede zur Verabschiedung des Beigeordneten Kurt Merkator mit Verleihung des Ehrenrings

Mittwoch, 28. Juni 2017, 15.00 Uhr
Rathaus

Sehr geehrte Stadtratsmitglieder,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Familie Merkator,
lieber Kurt Merkator,

ich freue mich sehr, dass du heute gekommen bist. Wer dich kennt, der weiß, bei nur noch drei Tagen im Amt hast du eigentlich gar keine Zeit für so etwas wie deine eigene Verabschiedung. Denn wer dich kennt, der weiß auch: In drei Tagen kriegt Kurt Merkator noch so einiges geschafft für seine, für unsere Stadt.

Und er würde das alles am liebsten sofort auch noch anpacken, wenn man ihn nicht mit der Verleihung des Ehrenrings davon abhalten würde.

Aber lieber Kurt,

auch wenn du selbst nie Aufhebens um dich und deine Arbeit gemacht hast, wir müssen es heute machen. Denn deine Verabschiedung aus dem Amt als Dezernent für Soziales, Kinder, Jugend, Schule und Gesundheit ist nicht nur für dich eine Zäsur und für deine Frau, die sich sicher keine Illusionen darüber macht, dass du künftig öfter zuhause bist, sich aber schon fragt, unter welcher Telefonnummer sie dich in Zukunft den ganzen Tag erreicht.

Deine Verabschiedung ist auch ein Einschnitt für Rat und Verwaltung, vor allem aber für deine Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger, deren Anwalt du in fast vier Jahrzehnten politischen Engagements und in jeder deiner kommunalpolitischen Tätigkeiten immer warst.

Und für dieses Engagement wollen wir dich heute ehren, für dieses Engagement darf ich dir gleich als Zeichen der Anerkennung und des Dankes den Ehrenring überreichen und auf dieses Engagement wollen wir gemeinsam zurückblicken.

Als dein kommunalpolitisches Leben 1977 mit dem Eintritt in die SPD begann, da kamen zwei glückliche Umstände zusammen:

Die Rolling Stones hatten in diesem Jahr kein neues Studioalbum veröffentlicht, du hattest also Zeit.

Und: Dein Großvater, der den Spitznamen „Roter Willi“ trug, gab dem längst schon politischen Menschen Kurt Merkator nicht nur die politische Richtung vor, sondern auch den entscheidenden Rat: „Red’ nicht immer so viel, mach was!“.

Dieser Rat steht am Anfang des Weges, der dich zu dieser Ratssitzung und der Verleihung des Ehrenringes heute geführt hat, und er sollte Kurt Merkator in den folgenden Jahrzehnten auf zwei Arten beeinflussen:

Die erste war: Er trat mit 25 Jahren in die SPD ein und prägte als aufrechter Sozialdemokrat mit seinen unverrückbaren Über­zeugungen seine Partei ebenso wie die Ämter, die sie ihm, der darauf nie hinarbeitete, stets mit Nachdruck antrug.

Kurt Merkator hat in all seinen Funktionen nie aus dem Blick verloren, für wen er das macht: für die Menschen in seiner Stadt und besonders für jene, die nicht das Glück haben, sich selbst helfen zu können. Die Menschen, die dich brauchten, waren dir, lieber Kurt, immer Antrieb in jeder der ungefähr 730 sechzig-und-mehr-Stunden-Wochen in deinen 14 Jahren als Dezernent und davor im Ortsbeirat, als Ortsvorsteher, Stadtrat und Fraktionsvorsitzender.

Und so angetrieben, war Kurt Merkator, wenn er sich einmal einer Sache verschrieben hat, unaufhaltsam wie eine Dampflok auf dem Gleis.

Und das Bild passt, denn obwohl Kurt Merkator ein zutiefst freund­licher und menschenfreundlicher Mensch ist, erlebte man ihn beim Kampf gegen Ungerechtigkeiten – in der Gesellschaft und in der politischen Diskussion – auch schon einmal schnaubend.

Wenn er sich über eine ungerechte Darstellung in der Öffentlichkeit geärgert hat, dann – so wird es berichtet – zog er sich mit den Worten in sein Büro zurück „dem schreibe ich jetzt eine Mail“ und man hörte in den folgenden Minuten einen in die Tasten hackenden Sozial­dezernenten durch die Tür.

Und auch die vielen Briefe von Bürgerinnen und Bürgern in der Flüchtlingskrise ließ der Dezernent, wenn er sich über manche Wortwahl auch mehr als ärgerte, nicht unbeantwortet.

„Demokratie ist ein anstrengendes Geschäft, aber es lohnt sich“: Das ist ein typischer Merkator-Satz.

Einer übrigens, den auch so manch Verhandlungspartner und Verhandlungspartnerin nach einem Gespräch mit ihm, in dem es unterschiedliche Meinungen gab, unterschreiben würde.

Und für Kurt Merkator heißt Demokratie immer auch: das Gespräch suchen, Sorgen ernst nehmen, aber auch klar zu seinen Über­zeugungen stehen.

Und so konnten alle Mainzerinnen und Mainzer, die sich – nicht nur in der Flüchtlingskrise – an ihren Sozialdezernenten wandten, immer auch mit einer Antwort rechnen, mit einem Brief, einer Mail oder einem Anruf.

Nicht immer war es die Antwort, die sich die Schreibenden gewünscht hätten, und natürlich war man hinterher nicht plötzlich einer Meinung, aber meistens konnte man sich gegenseitig besser verstehen. Und dieses gegenseitige Verständnis zu schaffen, das gelang Kurt Merkator, der immer vor allem eines war und blieb: ein Bürger im Amt.

Geholfen hat ihm dabei ganz wesentlich die zweite Art, auf die der großväterliche Satz vom Machen und nicht Reden Kurt Merkator in seinem Jahrzehnte währenden Engagement prägen sollte.

Denn tatsächlich war er – außer bei der Fastnacht im Radfahrverein, da hat er zum Glück regelmäßig gebabbelt – nie ein Freund der vielen, aber dafür immer der klaren Worte: Eine Eigenschaft, für die er in all den Jahren – über alle Partei­grenzen hinweg – geschätzt und gelegentlich gefürchtet war.

Die Rhein-Zeitung schrieb zu seinem 50. Geburtstag einmal in eine Überschrift das Wort vom „Freundlichen Finther Dickkopp“. Ohne uns freilich mit dieser Beschreibung gemein zu machen, können wir auf jeden Fall das aus eigener Erfahrung unterschreiben, was die Zeitung noch ergänzte: „besonnen, bodenständig, ehrlich“.

Und wir können hinzufügen: fleißig, pragmatisch und auch dort zupackend, wo andere lieber die Finger von einem Problem lassen; dabei niemals eitel, sondern immer geprägt von einem ehrlichen Mainzer Understatement.

Als du 2003 zum Finanzdezernenten gewählt wurdest, lieber Kurt, da fragte dich die AZ, ob du ein Masochist seiest. Du hast gelacht und geantwortet: „Ich bin sicher kein Masochist. Ich stelle mich einer für die Stadt wichtigen Aufgabe und denke, dass ich einiges bewegen kann.“

Du hast damals prophetische Züge bewiesen, auch wenn du noch nicht wissen konntest, dass dein Wirken bald weit über das Finanzdezernat hinausreichen würde. Aber eine ganze Menge bewegt, das hast du in den folgenden 14 Jahren für dein Mainz.

Du hast – und das Wort, das ich jetzt verwende, klingt nicht nach Mainzer Understatement, ist es aber in deinem Fall – du hast einige Großtaten vollbracht, die mit deinem Namen verbunden bleiben werden und von denen unsere Stadt auf Jahrzehnte profitieren wird.

Die erste dieser Großtaten war, dass du 2007 neben dem Finanz­dezernat, in dem du – damals noch deiner Zeit voraus – die Grundlagen für ein Haushaltssicherungskonzept erarbeitet hast, auch das Sozialdezernat übernommen hast.

Diese Doppelbelastung zu übernehmen, war keineswegs selbstverständlich.

Und vielleicht lässt sich dein erster Arbeitstag damals, als du als „Sparkommissar“, als studierter und eigentlich glücklicher Zahlenmensch, ins Sozialdezernat kamst, am besten mit dem Satz beschreiben: „Sie hatten mehr Angst vor dir als du vor ihnen“.

Aber, lieber Kurt, deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sozialdezernat sagen heute im Rückblick auf diese ersten Tage im neuen Amt: „Wir haben schnell sein Herz gewonnen“.

Und umgekehrt war es genauso. Wurde der eine oder die andere anfangs noch ganz blass bei dem Gedanken daran, hörte man schnell Sätze wie: „Ich habe heute den Dezernenten auf dem Flur getroffen, der ist ja sogar stehengeblieben und hat sich mit mir unterhalten“.

Ein Dezernent zum Anfassen, ein Kümmerer, das warst du nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch immer für deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und so musstest du in den vergangenen Monaten geradezu auf Abschiedstournee durch das Dezernat gehen, in und mit dem du in einem ganzen Jahrzehnt so viel erreicht hast. Dabei hast du sicher niemanden getroffen, der deinen Abschied nicht bedauert hat.

Vor allem deine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich regelmäßig über Gebackenes und Geschlachtetes von Finther Bäckern und Metzgern freuen durften – wobei du natürlich immer genau wusstest, wer was mag –, fürchten ohne dich magere Zeiten.

Aber wir wissen, du hinterlässt nicht nur ein gut bestelltes Feld, sondern hast in den vergangenen Monaten auch für einen reibungs­losen Übergang gesorgt und deinen Nachfolger bestens eingearbeitet.

Ich bin sicher, Eckart Lensch weiß jetzt nicht nur alles über die Kinderbetreuungssituation, sondern auch über die Kuchenwünsche seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Lieber Eckart Lensch, auf diese Weise bestens vorbereitet wünschen wir alles Gute im neuen Amt. Ich bin überzeugt davon, du wirst das Amt mit all seinen wichtigen Aufgaben ebenso erfolgreich weiterführen.

Lieber Kurt,

die großen Fußstapfen, die du hinterlässt, hinterlässt du überall in unserer Stadt. Immerhin durchläufst du sie ja auch jeden Tag schon vor der Arbeit.

Zu den Großtaten, von denen ich sprach, gehört auch, dass du als Vorsitzender des Aufsichtsrates gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern die Wohnbau nach ihrer größten Krise wieder in sicheres Fahrwasser gebracht hast. Du hast den Vorsitz des Aufsichtsrates wie schon das Finanzdezernat in schwierigen Zeiten übernommen.

Damals gab es keine Aufsichtsratssitzung ohne SWR-Kamera vor der Tür. Aber du hast dich auch vor solchen Aufgaben niemals gedrückt.

Immer hast du dich als Diener deiner Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger gesehen, die Ärmel hochgekrempelt und angepackt.

Heute ist die Wohnbau wieder ein Schlüssel dazu, die soziale Frage der Städte des 21. Jahrhunderts zu beantworten, die Frage danach, wie wir bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das verdanken wir ganz wesentlich deinem Beitrag.

Zu erwähnen sei an dieser Stelle auch, dass sich „inbetrieb“, als Nachfolgerin der WFB, und das Mainzer Altenwohnheim dank deines Einsatzes wieder in ruhigem Fahrwasser befinden und schwarze Zahlen schreiben.

Und, lieber Kurt, mit dem Ausbau der Kinderbetreuung hast du eine Jahrhundertaufgabe für unsere Stadt gemanagt!

Eine Aufgabe, die du selbst einmal umschrieben hast mit „Ausbauen wie verrückt“ und eine Aufgabe, die eine wachsende Großstadt wie Mainz immer wieder auch vor große Herausforderungen stellt.

Du hast diese Herausforderungen bewältigt: Mehr als 8.600 Kita-Plätze gibt es heute in unserer Stadt.

Die 1.700 weiteren Plätze, die wir bis 2020 noch zusätzlich brauchen werden, wirst du nun in den verbleibenden drei Tagen nicht mehr schaffen, lieber Kurt, auch wenn du das vermutlich gern noch getan hättest. Diese Aufgabe übernimmt ab dem 1. Juli Eckart Lensch.

Die zweite große gesellschaftliche Aufgabe von nationalem Rang, die du in den vergangenen Jahren bewältigen musstest, war der Flüchtlingszuzug.

Es war eine Zeit, in der Grenzen überschritten wurden, nicht nur geografische – die Briefe, die du dazu bekommen hast, habe ich vorhin schon erwähnt, manche enthielten mehr als nur Beleidigungen.

Es war eine Zeit, die uns manchmal an die Grenzen des Machbaren brachte. Aber eben auch eine Zeit der grenzenlosen Unterstützung durch unzählige Mainzerinnen und Mainzer.

Dass wir die große Aufgabe in Mainz in den vergangenen Jahren so gut bewältigt und gleichzeitig den Grundstein gelegt haben für die Aufgabe, die uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird – die Integration –, das verdanken wir ganz wesentlich Kurt Merkator.

Und noch eines verdanken wir Kurt Merkator: Er hat in dieser Zeit, nie zugelassen, dass die Mainzerinnen und Mainzer und die Menschen, die bei uns Zuflucht suchten, gegeneinander ausgespielt wurden. Denn er hat stets alle Menschen, die in unserer Stadt Hilfe brauchten, im Blick behalten.

Lieber Kurt,

ich müsste eigentlich noch mehr sagen, zum Mainzer Altenheim, das heute wieder gut aufgestellt ist, zur Schulsozialarbeit an Grund­schulen, für deren Ausbau und Sicherung du dich immer eingesetzt hast, zu den Mainzer BBSen, der Schullandschaft überhaupt, in die du, nachdem du 2009 das Schulamt übernommen hattest, viel Bewegung gebracht hast, zum Open Ohr und zu vielem mehr.

Aber ich fasse es aus Zeitgründen einfach so zusammen: Das Mainzer Sozialdezernat ist es gewohnt, das in ihm große Fußstapfen hinterlassen werden. Und in den vergangenen zehn Jahren ist ein großes Paar dazugekommen.

Dir dafür und für vieles mehr zu danken, das wollen wir heute tun. Und als Zeichen dieses Dankes und der Anerkennung für dein Jahrzehnte langes Engagement in der Kommunalpolitik – der „einzig wahren Politik“, wie du selbst einmal gesagt hast – darf ich dir heute den Ehrenring verleihen.

Ich darf dich dafür zu mir bitten.