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Grußwort zur Gutenberg-Matinee zum 75. Geburtstag von Dr. Peter Hanser-Strecker

Samstag, 15. Juli 2017, 11 Uhr
Frankfurter Hof

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße sehr herzlich unseren heutigen Ehrengast Dr. Peter Hanser-Strecker und seine Frau Ingrid sowie alle Mitglieder ihrer großen und unaufhaltsam wachsenden Familie.

Ich begrüße den Vorstandsvorsitzenden der Gutenberg Stiftung, Professor Andreas Barner, sowie die Vorstandsmitglieder Rudolf Bödige und Eckart Helfferich;

ich begrüße von der Johannes-Gutenberg-Universität den Präsidenten Professor Georg Krausch sowie den Leiter des Instituts für Buchwissenschaften, Professor Stephan Füssel;

ich begrüße Dr. Annette Ludwig, die Leiterin des Gutenberg Museums, und Hans Georg Schnücker, den Sprecher der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Rhein-Main;

und ich begrüße Sie alle, meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr herzlich zur Gutenberg-Matinee unter dem Titel „In the Footsteps of Franz Liszt“ mit Vestard Shimkus hier im Frankfurter Hof!

Verehrte Gäste,

begeben wir uns zunächst kurz in die Fußstapfen eines großen Sohnes unserer Stadt, in die Johannes Gutenbergs.

Wenn wir an ihn erinnern, dann erinnern wir nicht nur an den weltberühmten Erfinder des Buchdrucks, sondern zugleich an den Urvater des Verlegens, denn bis heute ist Gutenberg ein – wenn nicht das – Vorbild für Verlegerinnen und Verleger – ganz gleich, ob sie nun mehr mit Büchern oder mehr mit Musik oder mit gleich beidem zu tun haben.

Gutenberg ist ein Vorbild, weil er sich schon vor einem halben Jahrtausend von Ideen leiten ließ, die bis heute die Grundlage für erfolgreiches Verlegen überhaupt sind. Gutenberg suchte und fand entscheidende technische Ver­besserungen für sein Gewerbe, und seine Erfindung löste eine Medienrevolution aus, die unsere Welt bis heute prägt.

Erfindungsgeist „à la Gutenberg“ ist heute mehr denn je gefragt,  wenn es darum geht, die Chancen der modernen Technik, der Digitalisierung, zu nutzen. Und nicht nur ein Buch-, sondern auch ein erfolgreicher Musik­verleger wird stets danach trachten, technische Innovationen bestmöglich zu nutzen oder sie sogar selbst anzustoßen.

Damit aber wären wir bei den Verlegern des Hauses Schott, die alle ihrer Zeit weit voraus waren und zu Vorbildern für die nach­folgenden Generationen geworden sind. Seit der Unternehmensgründung im Jahr 1770 – also seit immerhin bald zweieinhalb Jahrhunderten – zeichneten sie sich durch größte Innovationsfreude aus – und das gilt ganz besonders für die Ära von Peter Hanser-Strecker. Unter seiner Ägide führte Schott als erster Musikverlag bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den digitalen Notensatz ein.

Schott war auch der erste deutsche Musikverlag im Internet und der erste mit eigenem Onlineshop. Und erst vor kurzem gründete Hanser-Strecker den größten Onlineshop für Musikalien mit über 100.000 Titeln und das erste legale Downloadportal für Noten.

Überhaupt sind bis heute innovative Produkte und Vertriebswege geradezu ein Herzensthema für den umtriebigen Verleger – auch darin ähnelt Hanser-Strecker seinem großen Vorbild Gutenberg, diesem „Meister der Innovation“. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass zu Guten­bergs Zeit Bücher noch ein sehr rares Gut waren, das Klöstern und Fürstenhöfen vorbehalten war. Bücher wurden mit der Hand geschrieben und per Hand ab­geschrieben. Ein äußerst mühseliges Unterfangen, aber: Man kannte es nicht anders! Nur einer, der konnte es sich anders vorstellen!

Gutenbergs bahnbrechende Idee war weit größer als der Kenntnis­stand seiner Zeit – und sie war ein unglaubliches Wagnis noch dazu: Denn er wollte nicht weniger als das Wissen aus den engen Mauern der Klöster befreien und es jedermann zugänglich machen! Tatsächlich erlaubte Gutenbergs Erfindung die nahezu unendliche Vervielfältigung eines Buches und damit die für unsere moderne Welt so wichtige Verbreitung von Informationen. Gutenbergs Bibeldruck wurde zum ersten Bestseller der Geschichte.

Um nichts anderes aber geht es auch dem Musikverleger! Er will musikalische Werke ver­breiten, will sie bekannt machen und in die Welt hinaus tragen, damit die Musik gespielt und gehört wird: von jedermann und jederfrau, von Menschen jeglichen Alters, in allen Ländern und über alle Grenzen hinweg, von Könnern und Kennern, von Laien und Profis!

Dafür muss er ein gutes Gespür, ein offenes Ohr im wahrsten Sinne des Wortes und viel Herz­blut mitbringen. Und er muss – ganz wichtig! – wirtschaften können! Auch hierin kann Guten­berg noch heute ein Vorbild sein, denn als er sich an die Entwicklung der Druckerpresse und der beweglichen Lettern machte, wusste er nicht nur, dass er drucken wollte, sondern auch was er drucken wollte: Zuerst waren es Heilsspiegel – also eine Art christlicher Erbauungs­bücher – die jeder Pilger mit auf die Reise nahm.

Ein Volltreffer, wie sich bald herausstellte! Nun konnte Gutenberg nachlegen und er entschied sich als nächstes für den Druck einer Bibel, für das Buch der Bücher also! Das zeigt: Gutenberg war ein ausgewiesener Spezialist, aber er war eben auch ein cleverer Unternehmer.

Und genau das gleiche gilt für einen guten Musikverleger! Er muss beides sein: Kaufmann und Kenner. Er muss lieben, was er verkauft, und zugleich kühl kalkulieren können, denn nur so kann sein Unternehmen über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte bestehen – ein Unternehmen wie auch der Schott-Verlag in Mainz mit einem Unternehmer an der Spitze wie Peter Hanser-Strecker.

Meine Damen und Herren,

die enge Verbundenheit des Musikverlegers Peter Hanser-Strecker mit dem Urvater Guten­berg drückt sich unübersehbar auch in seinem großen Engagement für den Meister aus Mainz aus.

So ist unser heutiges Konzert eine Benefiz-Veranstaltung zu­gunsten der Gutenberg Stiftung, die im Jahr 2009 vom Förderverein des Gutenberg-Museums ins Leben gerufen wurde und beide – Stiftung ebenso wie Förderverein – wären ohne Dr. Peter Hanser-Strecker nicht denkbar.

Er ist Ehrenvorsitzender des Fördervereins, Vorsitzender des Stiftungsrats der Gutenberg Stiftung und nicht zuletzt Senator der internationalen Gutenberg-Gesellschaft und Senatoren­sprecher – eine einzigartige Art „Mainzer Dreifaltigkeit“ also!

Im „Nebenberuf“ ist Hanser-Strecker mit Leib und Seele Musik­verleger und seit bald 45 Jahren geschäftsführender Gesellschafter des besagten, des weltberühmten Schott-Verlags. Außer­dem prägt er seit über vierzig Jahren erfolgreich die Geschicke der Verlagsgruppe Rhein-Main, davon viele Jahre als Vorsitzender des Beirats.

Seine Ämter und Ehrenämter alle aufzuzählen, würde uns für den Rest des Tages hier fest­halten. Einziger Wermutstropfen: Wer hätte gedacht, dass eine so mar­kante und prägende Persönlichkeit der Stadt Mainz ausgerechnet aus Wiesbaden kommen kann!

Hanser-Strecker macht aber auch aus diesem schweren Schicksal das Beste: Tag für Tag radelt er über den Rhein in unsere ungleich schönere, jüngere und coolere Stadt, lässt seine drei Kinder, sieben  Enkel­kinder und neun  Hühner im Mehrgenerationen-Zuhause  der „Dynastie“ Hanser-Strecker zurück und leitet stattdessen hier in Mainz die Geschicke seiner Verlags­gruppe Schott Music.

Diese Verlagsgruppe ist nicht nur für ihn, sondern auch für unsere Stadt eine einzige „Ode an die Freude“, denn sie trägt wesentlich dazu bei, dass sich Mainz als internationale Medien­stadt etablieren konnte. Der Urvater Gutenberg jedenfalls wäre – da bin ich mir sicher – sehr stolz auf solch einen Nachfahren!

„Zufällig“ feierte dieser Nachfahre nun gestern seinen 75. Ge­burtstag und dazu gratuliere ich ihm im Namen der Landeshaupt­stadt Mainz von ganzem Herzen!

Meine Glückwünsche und mein großer Dank gelten einem Mann, der sein Leben ganz in den Dienst der Musik, in den Dienst des Traditionshauses Schott, in den Dienst der Familie und nicht zuletzt auch in den Dienst unserer Stadt gestellt hat. Denn wenn wir von der Musik-, der Medien- oder der Gutenberg­stadt Mainz sprechen, dann können wir das guten Gewissens nur tun, weil Menschen wie Peter Hanser-Strecker diese Schlagworte tagtäglich mit Leben füllen.

Peter Hanser-Strecker bringt die Musik-Welt nach Mainz, und er trägt zugleich ein gutes Stück Mainz in die Welt hinein – dafür bin ich, dafür ist die Stadt Mainz dem leidenschaftlichen Verleger und klugen Unternehmer, dem Freund und Förderer des Gutenberg-Museums und dem vielfach engagierten Menschen Peter Hanser-Strecker unendlich dankbar!

Doch nun soll die Musik das Wort übernehmen, „die Sprache der Leidenschaft“, wie kein anderer als Richard Wagner befand, dessen Name mit dem Hause Schott ebenfalls auf das Engste verbunden ist.

Ich wünsche Ihnen jetzt viel Freude mit dem Pianisten Vestard Shimkus und seinem Programm auf den Spuren von Franz Liszt, dessen Musik übrigens, wie könnte es anders sein, auch bei Schott in Mainz verlegt wird!

Ihnen allen viel Vergnügen dabei!