Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche
Suche
Kopfillustration
Bild in voller Höhe anzeigen Bild in halber Höhe anzeigen
Sie befinden sich hier:
  1. Verwaltung & Politik
  2. Oberbürgermeister und Dezernate
  3. Dezernat I - Oberbürgermeister
  4. Reden
  5. Rede anlässlich der Verleihung Meenzer Jockelche an Heinz Hoenig

Rede anlässlich der Verleihung Meenzer Jockelche an Heinz Hoenig

Dienstag, 23. Januar 2018,17 Uhr
Ort: Favorite Parkhotel

Sehr geehrter Herr Präsident und Stadtmarschall Müller,

lieber Peter,

liebe Mainzer Kleppergarde,

verehrte Ehrengäste,

vor allem aber lieber Herr Hoenig,

es kommt selten vor, dass ich ein Grußwort mit einem Zitat über Gulasch beginne. Dann habe ich aber in den Berichten über Ihre Camps für Kinder und Jugendliche auf der Homepage Ihrer gemeinnützigen Unternehmergesellschaft Folgendes gelesen:

„Heinz Hoenig, der nicht nur ein leidenschaftlicher Schmied ist, sondern auch gerne kocht, hatte 16 Liter Gulaschsuppe gekocht, die dann zum Mittagessen gegessen wurde.“ Das soll jetzt kein Wink mit dem kulinarischen Zaunpfahl sein. Keine Sorge, bei uns müssen die Preisträger nicht selbst kochen. Zumal im Favorite-Hotel.

Es verdeutlicht vielmehr die unterschätze Rolle des Gulaschkochens in der Gesellschaft – wie auch ein zweiter Bericht auf der Homepage: „Die von Kindern selbstgemachte Suppe in der sogenannten ‚Gulaschkanone‘ bleibt ein unvergessliches Erlebnis“, heißt es da.

Wo das Gulaschkochen so zentral ist, dachte ich, ist meine Chance gekommen, endlich einmal ein Grußwort mit einem Gulasch-Zitat zu beginnen. Und weil es in diesem Zitat ebenso wie beim Gulaschkochen in Ihren – wie ich finde – sehr bewundernswerten Camps nicht wirklich um das Gulasch geht, sondern um die Menschen, passt es noch besser.

Das Zitat stammt von der Wiener Malerin Maria Lassnig, die sich einst zu dem wunderschönen Satz hat hinreißen lassen: „Der Mensch ist wie ein Gulasch“.

Sie meinte damit, dass sich im Menschen alles mischt: seine Erfahrungen und Erlebnisse, sein Empfinden und die Einflüsse der Außenwelt. Und so seltsam uns der Satz der Künstlerin im ersten Moment vorkommt, so erinnert er uns im zweiten daran: Dort, wo Menschen Schlimmes, ja Traumatisches erleben, geht es nicht einfach an ihnen vorbei, es wird ein Teil von ihnen. Ein Teil aber, den wir nicht einfach hinnehmen dürfen. Und: – das zeigen Sie uns – zum Glück auch nicht hinnehmen müssen.

Sie ermöglichen jungen Menschen, denen in ihrem noch kurzen Leben bereits Traumata widerfahren sind, positive Erfahrungen: Sie zeigen und geben ihnen Gemeinschaft und Anerkennung, Selbstwirksamkeit, das Gefühl von Sicherheit und Akzeptanz.

Oder mit anderen Worten: Beim gemeinsamen Gulaschkochen und all dem, was darum herum noch passiert, fügen Sie der Mischung der Erfahrungen, Einflüsse und Empfindungen Positives hinzu und helfen so, das Traumatische zu verarbeiten. Diese Erfahrungen sind für die Kinder und Jugendlichen ganz sicher von unschätzbarem Wert.

Die Auszeichnung, die wir Ihnen heute gemeinsam dafür überreichen wollen, lieber Herr Hoenig, ist eine ganz besondere. Sie werden das auch gleich an der Laudatio sehen, die sogar für Sie, dem Preise und Auszeichnungen ja nun weder im Ehrenamt noch im Hauptberuf völlig fremd sind, sicher eine neue Erfahrung sein wird. Und weil dieser Preis so besonders ist, haben Sie sich vielleicht – als der Anruf der Mainzer Kleppergarde kam – gefragt, warum es gerade Mainzer Närrinnen und Narrhallesen sind, die Ihnen einen Preis für Ihr soziales Engagement für Kinder und Jugendliche überreichen wollen.

Die Antwort darauf ist ganz einfach: Es passt einfach beides gut zusammen. Denn beides, Ihr Engagement und die Meenzer Fastnacht, sind in einer Welt, die immer närrischer wird, auf die eine oder andere Art pure Lebenshilfe.

Wo wir in unserer Gesellschaft immer mehr ein Auseinanderdriften, ein Vereinzeln und Abgrenzen sehen, da erleben wir in der Fastnacht  ein Miteinander, da bringt die Fastnacht die Menschen zusammen – zum Singen, Schunkeln und Lachen. Die Fastnacht stiftet eine gemeinsame, eine positive, ja fröhliche Identität.

Das ist dieser Tage eine besonders schöne Abwechslung zu manch anderer Identität, die in letzter Zeit von manchen, denen Identität besonders wichtig ist, so gestiftet wird. Mit anderen Worten: Die Fastnacht und Ihr Engagement, lieber Herr Hoenig, verbindet, dass sie die wohl Freude bringendsten Arten harter Arbeit an unserer Gesellschaft sind, die man sich vorstellen kann – getragen vom ehrenamtlichen Engagement, sehr viel investierter Zeit und Herzblut. Das Meenzer Jockelche ist deshalb ein ganz besonderer Preis, ein Preis der Fröhlichkeit und des Optimismus, mit einem ganz speziellen Schwerpunkt: Die Kleppergarde und die Stadt Mainz verleihen diese Auszeichnung seit  35 Jahren nämlich an jene Menschen, die mit ihrem Engagement Kindern Freude und Frohsinn schenken und die sich so um unsere Gesellschaft verdient machen.

Und weil die Fastnacht lebendiges Brauchtum und lebendige Tradition ist, auf die wir Mainzerinnen und Mainzer überaus stolz sind, steht natürlich auch das Jockelche in einer langen Tradition des Engagements der Kleppergarde für die Kinder und die Jugend. Denn schon die Gründung der Garde 1856 war ein Einsatz für die Jugend. Karl Dremmel, zuvor Offizier bei der Mainzer Ranzengarde und damit Bindeglied zwischen den beiden ältesten Stadtgarden, hat mit der Gründung der Kleppergarde dafür gesorgt, dass die Mainzer Kinder offiziell am Fastnachtsumzug teilnehmen konnten. Das war damals nämlich unerwünscht, um, so hieß es, „der Zügellosigkeit“ der Jugend nicht weiter Vorschub zu leisten.

Und so ist das Vermächtnis schon dieser Gründungstage im Jahr 1856 das Engagement für die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. Und dieses Vermächtnis inspirierte auch die Ehrung, lieber Herr Hoenig, die Sie heute erhalten.

Die Kleppergarde als anerkannte karnevalistische Jugendorganisation ist sich dabei von der Gründung bis heute treu geblieben, hat stets Offenheit gezeigt für die Anliegen und Bedürfnisse junger Menschen und neue Konzepte entwickelt, um sie für die Fastnacht zu begeistern und sie einzubeziehen.

Als Senator der Garde bin ich da natürlich voreingenommen, aber, lieber Herr Hoenig, wenn Sie mögen, überzeugen Sie sich bei der Traditionssitzung „Jugend in die Bütt“ selbst von der Freude und dem Können der Nachwuchstalente in Tanz, Büttenrede und Gesang.

Für dieses Jahr haben Sie die Sitzung leider schon verpasst, aber es gibt sie zum Glück jedes Jahr. Und daneben gibt es noch viel mehr, das wir der Kleppergarde verdanken, den Klepperwettbewerb zum Beispiel, und auch beim Thema Inklusion leistet die Garde u.a. mit ihrem Trommlerkorps einen wichtigen Beitrag.

Lieber Herr Hoenig,

weil das närrische Volk seine eigene Kultur und Geschichte hat, soviel vorab zur Erklärung von mir. Bevor nun Laudatio und Preisübergabe folgen, noch ein kurzer Einblick in die Ahnenliste der Ritter vom Meenzer Jockelche:

Direkt vor Ihnen erhielt „Mutter Beimer“, ich meine Marie-Luise Marjan, diese Auszeichnung. Zu den Preisträgern gehören u.a. auch Kardinal Lehmann, Harald Glööckler oder Rolf Zuckowski.

Sie sehen, das gesellschaftliche Spektrum ist breit. Und das ist gut, weil es zeigt, dass sich viele Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft für Kinder und Jugendliche stark machen.

Ihnen, lieber Herr Hoenig, möchte ich für Ihr ganz persönliches Engagement schon einmal herzlich danken. Ich wünsche  Ihnen und der Mainzer Kleppergarde weiter viel Tatkraft und Erfolg bei Ihrem Einsatz für die jungen Menschen!