Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche
Suche
Gutenberg-Museum
01_GM_Bibel_Tresor_Foto_Carsten_Costard.jpg
Bild in voller Höhe anzeigen Bild in halber Höhe anzeigen
Sie befinden sich hier:
  1. Museum
  2. Über das Museum
  3. Das neue Gutenberg-Museum
  4. 5 Fragen an Direktorin Dr. Annette Ludwig

5 Fragen an Direktorin Dr. Annette Ludwig

1. Warum ist ein neues Gutenberg-Museum aus Ihrer Sicht notwendig?

Seit meinem Amtsantritt im Mai 2010 betreibe ich die bauliche und inhaltliche Optimierung und Neuaufstellung des Gutenberg-Museums, die Hand in Hand gehen müssen. Mit einer kleineren, gewissermaßen kosmetischen Operation ist dies nicht getan. Unser Ausstellungsgebäude stammt aus dem Jahr 1962 und weist inzwischen infrastrukturelle und bauliche Mängel auf. Auch die technische Ausstattung ist in die Jahre gekommen. Problematisch sind auch die Eingangssituation sowie die an manchen Stellen mangelnde Barrierefreiheit. Auch in Bezug auf die Ausstellungsgestaltung kann die Dauerausstellung mit aktuellen Entwicklungen in der deutschen und internationalen Museumslandschaft nicht Schritt halten, eine starre Gliederung in Abteilungen ist nicht mehr zeitgemäß. 

Mit seiner Erfindung des Druckens mit beweglichen Lettern aus Metall und weiteren Innovationen hat Johannes Gutenberg vor 550 Jahren die Grundlagen für eine Medienrevolution gelegt: Wissen wurde verbreitet, immer mehr Menschen bekamen Zugang zum geschriebenen Wort. Wenn die globalisierte und digitalisierte Informations- und Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts das gesamte Wissen der Menschheit uneingeschränkt verfügbar macht, wiederholt sich diese Revolution und setzt sich mit anderen Mitteln fort – mit all ihren positiven und negativen Folgen.

Dieses Erbe und seine Nachwirkungen bis in die Gegenwart müssen und wollen wir erforschen, zeigen und erklären. Mainz ist zu Recht stolz auf seinen berühmtesten Sohn. Doch es braucht eine bauliche und inhaltliche Neuausrichtung, um die großartige Leistung Gutenbergs mit aktuellen szenografischen Mitteln in den Blick zu rücken. Das hat Johannes Gutenberg selbst, aber auch die Gutenberg-Stadt Mainz als Wiege des europäischen Buchdrucks mit ihren Bürgerinnen und Bürgern verdient.


2. Was wird die Gäste im neuen Gutenberg-Museum erwarten?

Ein Haus voller Geschichten! Wir möchten anschaulich und lebendig Buch-, Druck- und Schriftgeschichte aus vier Jahrtausenden erzählen und zum „Mitmachen“ anregen. Das gemeinsam mit dem Stuttgarter Atelier Brückner erstellte Szenografiekonzept ist unsere Grundlage für ein neues Gutenberg-Museum. Wir werden mit neuen, auch digitalen Mitteln auch das 21. Jahrhundert reflektieren – so wie wir das bereits in Sonderausstellungen ausloten.

Künftig sollen die Objekte in Themeninseln präsentiert werden, was spannende zeitliche und inhaltliche Zusammenhänge sichtbar macht. Gutenbergs Erfindung war keine lokal begrenzte für einen ausgesuchten Kreis, sondern eine Innovation für die Welt. Deshalb soll das neue Gutenberg-Museum im Sinne des Museums als „dritter Ort“ eine echte Lern- und Begegnungsstätte werden, in dem das Erbe des Buchdrucks, seine Entwicklung und Reflexion, auf die Fragen trifft, die aktueller sind denn je. Wie viel Information haben wir nötig? Was unterscheidet das Analoge vom Digitalen? Was kommt nach dem überall proklamierten Ende des Buchs? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Demokratisierung des Wissens, die mit Gutenbergs Erfindung ihren Anfang nahm? Wir brauchen für unsere Schätze von Weltrang einen neuen Rahmen, um die Fragen der Gegenwart angemessen beantworten zu können.


3. Was für ein Ort soll das neue Gutenberg-Museum Ihrer Meinung nach sein? Wie trägt es zum „mainzgefühl“ bei?

Ein aufgeschlossener, offener Ort, an dem sich die Stadtgesellschaft, das heißt die Mainzer:innen und die internationalen Gäste begegnen und miteinander über die gerade skizzierten Fragen ins Gespräch kommen. Das im Herzen der Stadt gelegene Museum ist aber auch ein Mainzer Ort, an dem gelebt und gefeiert werden soll. Es gehört zur Stadt wie der Dom, die Fastnacht oder Mainz 05. Und selbstverständlich ist das neue wie das alte Gutenberg-Museum tief mit dem „mainzgefühl“ verwurzelt.

Das Gutenberg-Museum wurde im Jahr 1900 von den Mainzer:innen aus Bürgerstolz ins Leben gerufen. Diese Tradition, die bis heute durch ideelle und finanzielle Unterstützung der Bürger:innen fortlebt, ist uns Ansporn und vornehmste Verpflichtung zugleich.


4. Was würde Gutenberg heute ausstellen, zeigen, ausprobieren?

Gutenberg würde sich sicherlich für die technischen Entwicklungen begeistern, die auf seinen Erfindung folgten! Er selbst war ja ein Tüftler, ein Entrepreneur mit einer ganz besonderen Geisteshaltung – Mut, Innovationsfreude, Risikobereitschaft –, der Bestehendes kreativ zerbrochen hat, um Neues zu entwickeln. Damit kurbelte er die demokratische Verbreitung von Information und Wissen an. Ich glaube deshalb, dass Gutenberg die Möglichkeiten, die das Internet bietet, gerne aufgegriffen und weiterentwickelt hätte.


5. Wo sehen Sie das Gutenberg-Museum in fünf, in zehn Jahren?

Ich arbeite dafür und wünsche mir, dass das neue Gutenberg-Museum als Bürgermuseum in fünf Jahren noch selbstverständlicher zu der Stadt und der Region gehört und dass es durch seine Forschungs- und Vermittlungstätigkeit höchstes internationales Renommee genießt. Dafür braucht es viele Unterstützer:innen und Freund:innen, aber auch eine adäquate personelle und finanzielle Ausstattung, um dieses Haus mit Alleinstellungsmerkmal zu einem Forum für aktuellste Fragestellungen und zu einem echten „Weltmuseum“ der Druckkunst auszubauen. Denn dieser Anspruch ist gerade in Zeiten erodierender demokratischer Prozesse und erstarkender Nationalismen von größter Relevanz.

Mehr zu Dr. Annette Ludwig und dem Weltmuseum der Druckkunst in #kulturfrauen

Der SWR2 interviewte Direktorin Dr. Annette Ludwig in der Reihe #kulturfrauen. Hier geht es zum Podcast:

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot und einen funktionierenden Online-Service zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie unter 'Datenschutz'.