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Verabschiedung von Dr. Annette Ludwig

Dienstag, 8. März 2022, 11.30 Uhr
Ort: Marc-Chagall-Raum

Liebe Frau Grosse,

liebe Frau Spengler,

liebe Vertreter und Vertreterinnen des Personalrats und der Presse,

sehr geehrter Herr Prof. Schmidt-Bergmann (Ehemann),

vor allem aber: sehr geehrte, liebe Frau Dr. Ludwig!

 „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an – und handelt.“

 Mit einem Zitat von Goethe zu beginnen, kann nie verkehrt sein. In unserem Fall aber liegt der Rückgriff auf Goethe besonders nahe und das aus doppeltem Grund: zum einen natürlich wegen seiner Wirkungsstätte Weimar, die demnächst auch die Ihre sein wird.

 Aber mindestens ebenso, weil er mit diesen wenigen Worten jemanden genau wie Sie beschreibt!

Denn Sie, liebe Frau Dr. Ludwig, haben in ihren zwölf Jahren als Direktorin des Gutenberg-Museums nie nur abgewartet, dass die Zeit sich wandelt, sondern Sie haben, im Gegenteil, zugepackt und gehandelt, wann immer es darum ging, das Weltmuseum für Druck­kunst voranzubringen.

Und nicht zuletzt haben Sie zugepackt, als sich Ihnen die einzig­artige Chance bot, an eine der wichtigsten deutschen Kultur­stiftungen, die Klassik-Stiftung Weimar, zu wechseln:

Sage und schreibe 21 (!) Museen werden dann unter Ihrer Leitung stehen – eine Aufgabe, die nicht nur eine große Herausforderung ist, sondern vor allem auch eine großartige Auszeichnung und Anerkennung Ihrer verdienstvollen Arbeit als Mainzer Museums­direktorin.

Dazu gratuliere ich Ihnen im Namen der Mainzer Stadtverwaltung, dazu gratuliere ich Ihnen aber auch und besonders im Namen von Rat und Bürgerschaft von Mainz.

Wir alle, das darf ich Ihnen versichern, haben uns unglaublich mit Ihnen gefreut – auch wenn uns die Freude über den Ruf aus Weimar zugegebenermaßen ziemliche Schmerzen bereitet hat.

Wir mussten erst lernen, uns mit dem Gedanken an Ihren Abschied vertraut zu machen. Und ich gebe offen zu: Wir hätten gerne den Wandel der Zeit in Ihrem Fall auf- oder zumindest ein wenig angehalten. Aber: „Ach, wer bringt nur eine Stunde jener holden Zeit zurück!“  

In meinen eigenen Worten klingt es zwar längst nicht so schön wie bei Goethe, aber die Wahrheit ist: Mit Ihrem Weggang, liebe Frau Dr. Ludwig, geht eine „Ära“ für das Gutenberg-Museum und für unsere Stadt zu Ende.

Zwölf Jahre lang – von 2010 bis heute – dauerte diese Ära. Zwölf Jahre, in denen sich das Gutenberg-Museum gewandelt und erneuert hat und das nicht nur inhaltlich, konzeptionell und organisatorisch, sondern im wahrsten Sinne des Wortes von Grund auf:

Denn praktisch alles, was es für die Neuausrichtung und Zukunfts­fähigkeit des Museums braucht – von der Standortsuche für den Neubau über die Finanzierung bis hin zur Ausgestaltung der Interimszeit und sogar der Trägerschaft – haben Sie bereits geplant, vorbereitet und so weit möglich auf den Weg gebracht.

Eine Punktlandung sozusagen – und ein enormer Kraftakt noch dazu, für den ich – auch im Namen von Kulturdezernentin Marianne Grosse – herzlich danke sage. 

Der Kraftakt begann, wie wir wissen, praktisch von Tag eins Ihrer Amtszeit an, denn mit ein wenig Kosmetik war es an dem Haus weder baulich noch inhaltlich getan.

Hier musste groß gedacht werden – und Größe, liebe Frau Dr. Ludwig, haben Sie stets gezeigt: als ideenreiche Ausstellungs­macherin ebenso wie als unermüdliche Netzwerkerin und kluge Planerin.

Größe haben Sie aber auch in der vielleicht schwersten Stunde des Museums gezeigt: bei der Ablehnung des so genannten „Bibel­turms“ durch eine Mehrheit der Mainzer Bevölkerung.

So schmerzlich dieser Erkenntnisprozess für alle Beteiligten war, so wichtig war er in der Rückschau aber letztlich doch für unsere Stadtgesellschaft.

Denn das Neue, das Sie jetzt an der Seite von Kulturdezernentin Marianne Grosse, mit auf den Weg gebracht haben, es wurde von Ihnen beiden hart erkämpft. Und wie vielleicht alle hart erkämpften Entscheidungen erweisen sich gerade diese nicht selten als besonders tragfähig.

In den vergangenen zwölf Jahren verging jedenfalls kaum ein Tag, an dem das Gutenberg-Museum nicht Schlagzeilen machte – aber zum Glück nicht nur wegen baulicher Querelen. Sondern auch und vor allem wegen der vielen markanten Ereignisse, die ebenfalls in die Jahre Ihrer Amtszeit fielen.

Ich erinnere nur an die Tagung des Deutschen Museumsbunds in Mainz im Jahr 2014 – erstmals wieder nach dreißig Jahren und auf Ihre ausdrückliche Einladung hin.

Ich erinnere gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit an die bahnbrechende Ausstellung „Moving Types“, die das Museum inhaltlich und technisch schlagartig ins 21. Jahrhundert katapultierte und mit der die Typografie als neuer Schwerpunkt des Museums etabliert werden konnte.

Ich erinnere auch an den Beitrag des Museums zum Reformations­jubiläum „Am 8. Tag schuf Gott die Cloud“ oder an die Schau zum Bauhaus-Jubiläum: nur zwei Beispiele von vielen, aber Beispiele, die zeigen, wie sich aus einem Museum der Vergangenheit ein Museum der Zukunft entwickelte.

Und das in Zeiten knapper öffentlicher Kassen, wie wir alle noch gut in Erinnerung haben!

Sie, liebe Frau Dr. Ludwig, haben es dennoch verstanden, auch aus dieser Not eine Tugend zu machen: die gleiche Kreativität und Einfühlsamkeit, mit der Sie Ihre Ausstellungen realisierten, halfen Ihnen auch bei der Akquise von Sponsorengeldern – wie wir wissen ein ziemlich steiniges Feld, das es zu beackern gilt.

Ihrem ganz persönlichen Einsatz ist es jedenfalls zu verdanken, dass Finanzmittel in namhafter Höhe sowie auch bedeutende Sammlungen dem Museum – und damit dem Kulturstandort Mainz - zu Gute kamen. Auch dafür sage ich herzlich danke!

Und auch der Druckladen, ein so großartiger Ort für die Vermittlung der alten Technologien an junge Leute, wurde von Ihnen „auf Vordermann“ gebracht:

Heute kann man hier nicht mehr nur das Drucken in Guten­berg‘scher Manier erleben, man kann es auch erlernen!

In enger Zusammenarbeit mit der Berufsbildenden Schule Mainz werden hier Medientechnologen bzw. -technologinnen ausgebildet: nach allen Regeln der schwarzen Kunst, vor allem aber in einer geradezu einzigartigen Kombination aus traditioneller Buchdruckkunst und modernen Druckverfahren.

Altes und Neues, Vergangenes und Modernes miteinander zu verbinden, es einander beleben und befruchten zu lassen – auch das ist geradezu ein Markenzeichen von Ihnen, liebe Frau Dr. Ludwig.

Sie waren ein Glücksfall für unsere Stadt – und sind es jetzt für die Stadt Weimar, davon bin ich fest überzeugt.

Wir alle, und hier spreche ich ausdrücklich auch im Namen von Frau Grosse, haben Sie immer als verlässliche wie auch lösungs­orientierte Ansprechpartnerin erlebt und geschätzt; als eine Kultur-Expertin und Museums-Macherin, die mit beispiellosem Engagement und einem wahren Feuerwerk an kreativen Ideen für ihr Museum gekämpft, gelebt – und manchmal auch gelitten hat.

Die enorme Wirkungsgeschichte von Johannes Gutenberg und seiner Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern; dieses kultur- und mediengeschichtliche Highlight unserer Stadt, das Menschen aus aller Welt nach Mainz kommen lässt – das alles war bei Ihnen immer in den allerbesten Händen.

Jetzt geben Sie diese Aufgabe, jetzt geben Sie die Leitung des Gutenberg-Museums an Ihren Nachfolger weiter.

Sie übergeben ihm ein wohlbestelltes Haus, das nicht zuletzt in veränderter Trägerschaft – auch dies ein langer Kampf, den Sie für Ihr Haus ausgefochten haben – neue Handlungsspielräume eröffnet.

Ich danke Ihnen im Namen von Rat, Verwaltung und Bürgerschaft der Landeshauptstadt Mainz sehr herzlich für alles, was Sie als Direktorin des Gutenberg-Museums geleistet haben.

Ihre hohe Identifikation mit dem Museum, Ihr Verantwortungs­bewusstsein und Ihr Pflichtgefühl gingen weit hinaus über das, was üblicherweise auf einer solchen Position erwartet werden kann, das möchte ich ausdrücklich betonen.

Was Sie geleistet haben, war und ist nicht selbstverständlich!

Und ich möchte ebenfalls betonen: Wir alle bedauern Ihren Weggang außerordentlich – umso mehr, als Sie ausgerechnet zu einem Zeitpunkt gehen, wo die Früchte Ihrer Arbeit in greifbarer Nähe hängen.

So bleibt uns nur, Ihnen herzlich Danke zu sagen für alles, was Sie in und für Mainz bewegt und erreicht haben.

Herzlichen Dank auch für die stets gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit – und natürlich viel Erfolg für Ihre neue spannende Aufgabe in Weimar, an dieser einzigartigen Schnittstelle von Kultur und Geschichte in Deutschland.

Eine Bitte habe ich noch: Bleiben Sie unserer Stadt und ihren Menschen verbunden, bleiben Sie vor allem Ihrem Gutenberg-Museum verbunden!

Denn das Museum birgt nicht nur einen Schatz, es ist ein Schatz – und dieser Schatz strahlt nach zwölf Jahren unter Ihrer Pflege und Aufsicht, liebe Frau Dr. Ludwig, heller und schöner denn je. 

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