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  1. Ja, es geht! Und wir wollen!

Ja, es geht! Und wir wollen!

4. Reinigungsstufe kann kommen

Von der technisch-praktischen Seite her kann das Mainzer Klärwerk problemlos mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet werden: Das haben die Ergebnisse einer Studie der TU Kaiserslautern vor gut einem Jahr bewiesen. Und auch ansonsten steht dem Projekt mittlerweile nichts mehr im Wege.

Blick auf die Mainzer Kläranlage
Die Mainzer Kläranlage im Stadtteil Mombach© WB Mainz

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sagen ganz klar: ‚Ja, wir wollen‘“, bestätigt Jeanette Wetterling. „Nun müssen unser Verwaltungs- und der Mainzer Stadtrat sagen, ob wir loslegen dürfen.“ Zuvor hatten die Vorstandsvorsitzende und ihr Team eine ganze Reihe von Punkten auf ihrer internen To-Do-Liste abarbeiten müssen.

Fördergelder? Check!

Vor einigen Wochen bereits, hatte der Bund entschieden, 6,6 Millionen Euro zuzuschießen. Weitere 6,6 Millionen hat das Land zugesagt, sobald die wasserrechtliche Bau- und Betriebsgenehmigung vorliegt. Entscheidend dafür waren drei Aspekte:

  1. dass die Reinigungsstufe Spurenstoffe mit Ozonung und Aktivkohle entfernt, statt nur auf eine der beiden Techniken zu setzen.
  2. dass sie umweltfreundlich, kostengünstig und energieeffizient betrieben werden kann. Und
  3. dass das besonders innovativ und energiewendetauglich geschieht, in dem u. a. mit Hilfe einer Elektrolyse grüner Sauer- und Wasserstoff erzeugt werden.

Landespolitisch gewünscht? Check!

Aber macht eine vierte Reinigungsstufe aus Sicht der Landesregierung überhaupt Sinn? Immerhin verfügt das Mainzer Klärwerk mit dem Rhein über einen besonders großen, sogenannten Vorfluter. Das heißt, die gereinigten Abwässer werden zusätzlich stark verdünnt, wenn sie in den natürlichen Kreislauf zurückgelangen. Trotzdem ist die Meinung des zuständigen Ministeriums für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) in dem Fall eindeutig.

„... Danach sprechen u.a. folgende Gründe für eine Einrichtung einer 4. Reinigungsstufe auf der Kläranlage Mainz:

  • die Spurenstofffracht des gereinigten Abwassers der KA Mainz. Derzeit gelangen mit dem gereinigten Abwasser zB noch immer rund 100 Tuben Diclofenac in den Rhein.
  • Zusammen mit den weiteren großen Kläranlagen am Rhein, die bereits nachgerüstet wurden oder im Bau bzw. der Planung sind, kann die Belastung des Rheins mit Spurenstoffen in einem relevanten Umfang reduziert werden.
  • Effizienzgründe (Kosten/Nutzen) bei einer großen Kläranlage.“

Auszug aus einem Schreiben des MUEEF an den Wirtschaftsbetrieb.

Rechtssicherheit? Check!

Gesetzlich ist eine vierte Reinigungsstufe für Kläranlagen (noch) nicht vorgeschrieben. Weil die Fördergelder allein aber nicht ausreichen werden, sind Gebühren nötig, um die restliche Bausumme und den Betrieb der vierten Reinigungsstufe zu bezahlen. Geht das? Ja, sagt MUEEF nach Rücksprache mit dem Ministerium des Inneren und für Sport.

„... Ich kann dem Wirtschaftsbetrieb daher bestätigen, dass die Gründe zusammen mit den Anforderungen der Spurenstoffelimination im wasserrechtlichen Bescheid Eingang finden werden.“

Dr. Erwin Manz, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft, MUEFF

Kostenplan? Check!

Bleibt noch die Frage, was die vierte Reinigungsstufe unter dem Strich kosten und dem Gebührenzahler damit blühen könnte. Eine Rechnung mit zahlreichen Zwischenschritten:

  • Rund 33 Millionen € Investitionskosten sind einkalkuliert.
  • Zieht man die zwei Mal 6,6 Millionen € Fördergelder ab, bleiben 19,8 Millionen übrig.
  • Da das Landesumweltministerium die größeren Kläranlagenbetreiber aufgefordert hat, Phosphor ab 2021 stärker aus dem Abwasser herauszufiltern als bisher, müsste das Mainzer Klärwerk ohnehin mit einer sogenannten Filtrationsanlage ausgestattet werden. Nach Abzug möglicher Fördergelder würde das 14,2 Millionen € kosten. Die Summe ist bereits eingeplant und muss deshalb abgezogen werden. Dadurch bleiben 5,6 Millionen € übrig, die allein der vierten Reinigungsstufe zugerechnet werden müssen.
  • Das bedeutet eine Gebührenerhöhung von circa 9,5 Cent pro Kubikmeter Abwasser bzw. rund 4,30 € pro Kopf und Jahr bedeuten. Fällig würde die übrigens erst drei Jahre nach Inbetriebnnahme der 4. Reinigungsstufe. Sprich: frühestens 2028.

Bedenkenlos? Bedenken los!

Politisch kein Muss! Technisch nicht ausgereift! Unnötig, wenn nur das ins Abwasser gelangt, was tatsächlich rein darf! Es gibt viele Bedenken gegen eine vierte Reinigungsstufe zum jetzigen Zeitpunkt. „Und mit denen haben wir uns selbstverständlich auch beschäftigt, das jeweilige Für und Wider abgewogen“, betont Jeanette Wetterling. Letztlich aber habe am Ende ein Argument alle Zweifel überwogen: „Der Wille, etwas zu tun“, so die Vorstandsvorsitzende, „Für den Gewässerschutz, den Umweltschutz und damit auch den Schutz jedes einzelnen von uns.“

Stichwort "4. Reinigungsstufe"

Darunter versteht man eine technische Ergänzung bereits bestehender Klärwerke. Mit ihrer Hilfe können Spurenstoffe, also kleinste Schadstoffe, wie Arzneimittelrückstände, Hormone, Mikroplastik, aber auch multiresistente Keime besser aus dem Abwasser entfernt werden. Anlagen, die bereits mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet sind, haben entweder auf Aktivkohle oder Ozonung gesetzt.

Die Studie der TU hatte unter anderem festgestellt, dass in Mainz beide Verfahren gemeinsam angewendet werden können. Dadurch können deren jeweilige Vorteile kombiniert und so die Reinigungsleistung optimiert werden.


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