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Blog Weingut Menger

Dies ist der Wein, den Martin Luther liebte, ein etwas stärkerer Weißwein mit vollem Körper und viel Reifenoten – der goldgelbe Malvasier ist eine der ältesten Rebsorten. „Bis 1720 war der gesamte Rote Hang in Nierstein mit Malvasier bewachsen", sagt Dagmar Rückrich-Menger. Heute gehört das Weingut H.L.Menger im rheinhessischen Eich zu den wenigen Orten, wo sie noch Malvasier in Deutschland anbauen. Es waren die Mengers, die die Rebsorte vor dem Aussterben bewahrten – es ist nicht der einzige Grund für den Best of Wine Tourism Award 2020.

Nachhaltigkeit ist die Kategorie, in der die Mengers den GWC Award erhielten, und wenn Nachhaltigkeit Bewahren, Pflege, Überdauern und ein Herz für historisches Erbe meint, dann hätte es wohl keinen besseren Ort dafür geben können. Seit 1651 ist die Familie Menger in dem kleinen Ort Eich am Ufer des Rheins verzeichnet, als Winzer, Landbesitzer und als Bürgermeister ihres Ortes.

"Ich bin die zwölfte männliche Generation in direkter Folge", erzählt Horst Menger. Sein intensivster Rotwein ist nach seinem Großvater benannt, einem Rittmeister. Seine Mutter exportierte Menger Weine nach Großbritannien in den 1930ern, es war die Hochzeit der Liebfrauenmilch. „Nach der alten Regel sind wir hier die Grenze der originären Liebfrauenmilch-Region", sagte Horst Menger. Eich liegt so nahe bei Worms, dass hier noch der alte Spruch gilt: "So weit der Schatten des Kirchturms fällt, wächst die Liebfrauenmilch."

Heute gibt es im Weingut keine Liebfrauenmilch mehr, zu altbacken kam die berühmte Marke zuletzt daher. „Ich liebe Riesling, aber nur Riesling ist langweilig", sagte Horst schmunzelnd. 15 Hektar Weinberge besitzt die Familie, verteilt auf nicht weniger als sechs Gemeinden – der nächste Weinberg ist vier Kilometer entfernt, der weiteste 40. „Es macht halt Spaß, Unterschiedliches auszuprobieren", sagte Menger, „wenn mir eine Rebsorte schmeckt, will ich sie auch anbauen."

Und so finden sich auf der Weinliste Burgunder ebenso wie Scheurebe und Gewürztraminer, Temperanillo, Saint Laurent und Syrah. Vor mehr als 30 Jahren beschloss Dagmar Rückrich-Menger dann, sich als Erhaltungszüchterin für den Malvasier eintragen zu lassen – die Rebsorte war da so gut wie ausgestorben in Deutschland. „Mein Großvater hat die Zucht kultiviert", erzählt sie, sie rettete die alten Klone aus dem Weinberg des Opas. „Das ist mein Hobby", lacht Dagmar, "ich leiste mir eine Rebsorte."

Der Malvasier, den sie hier heute produzieren, kommt edel-trocken oder süß ausgebaut daher, woher der Opa die Reben hatte, wissen sie nicht. Es war jedoch in Worms, dass Martin Luther einst auf dem Reichstag 1521 die berühmten Worte sprach: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders" – und damit Kaiser Karl V. trotzte. Vielleicht pochen die Winzer in der Region deshalb noch heute so eigensinnig und willensstark auf ihre Individualität ...

In jedem Fall haben sie bei Mengers in Eich einen Hang zu Genuss und gutem Essen. Vor der Corona-Pandemie luden die Mengers ihre Gäste gerne zum Barbecue, auf den Grill aber kommen dann Rehfilet und Wildschweinwurst oder auch mal ein Kaninchen. Passionierte Jäger sind sie hier, es ist Teil ihrer Nachhaltigkeits-Philosophie: „Wildfleisch ist das biologischste Fleisch überhaupt", sagt Horst, „und im Endeffekt geht es bei der Jagd auch um die Ehrfurcht und den Respekt vor dem Tier."

Seit 2003 gestaltet der Jagdmaler Dieter Schiele die Etiketten ihrer Jagdweine, mit "Wein & Wild"-Events versuchen die Mengers ihren Gästen die Hemmschwelle zum Wildgenuss zu senken. „Viele Leute haben Vorbehalte gegen Wildfleisch, dabei haben sie es meist noch nie probiert", sagt Horst. Die Jagd, das ist für ihn Weg, die Natur zu genießen, zu schätzen, was die Umgebung zu bieten hat. Genuss, Wertschätzung und Erbe, das spiegelt auch die "Kuhkappelle", in der heute die Weinstube ist, aber ebenso der Barriquekeller, wo Farbweinproben stattfinden.

Und vorne am Hoftor rankt eine alte Weinrebe in die Höhe, es ist ein Ingram Muskat, eine alte Rebsorte, die schon als ausgestorben galt – bis die Mengers einen alten Rebstock am Haus seiner Mutter entdeckten: Eine Genanalyse im Labor offenbarte die Überraschung. „Man nutzt von der Natur, was man braucht, aber man erhält es damit auch", sagt Dagmar, "das ist unsere Philosophie."

Über die Bloggerin

Die Journalistin Gisela Kirschstein lebt seit 1990 in Mainz und ist unter anderem für ihre Website Mainz& ständig auf der Suche nach spannenden Themen aus Mainz und Rheinhessen. 2015 gewann sie den internationalen Bloggers' Contest der Great Wine Capitals.

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