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Blog Wein-Laster Nierstein

Der Rote Hang in Nierstein gehört zu den spektakulärsten Weinbergslagen Rheinhessens: Die steilen Hängen fallen geradewegs ab, hinunter zum Rhein, die Weine auf den Hängen gehören zu den besten Tropfen deutscher Winzer. Und mittendurch steuert Michael Voß seinen leuchtend-blauen Laster mit der niedlich-runden Motorhaube und der großen Ladefläche hinten, vollgepackt mit Weinen und Sekt und allerlei Köstlichkeiten.

Der "Wein-Laster" ist ein echtes Unikum: "Das ist ein 1979er Barkas", erklärt Michael, "das waren die Laster der DDR, die bis 1991 gebaut wurden, bis kurz nach der Wende." Unter der Motorhaube des Oldtimers schlägt noch ein alter Zweitakt-Motor, der, wenn es hoch kommt, gerade einmal 80 km/h erreicht. "Ich liebe es, damit zu fahren", sagt Michael lachend, "das ist Entschleunigung pur." 

Der Barkas war eigentlich als reines Autohobby gedacht, doch dann heirateten Michael und seine Frau Julia – und suchten jemanden, der ihnen den Sektempfang nach der Kirche ausrichten konnte. Doch da gab es niemanden, der so etwas anbot – die Idee einer rollenden Wein- und Sektbar war geboren. Ein Transporter sollte es sein, der Gläser und Weine, Snacks und Mineralwasser transportieren und schön präsentieren konnte, eine rollende Bar sozusagen.

"Ich habe ein paar Nächte gegrübelt, und dann wusste ich, wie er aussehen sollte", erzählt Michael, der eigentlich Architekt ist. Den Umbau der Plattform stemmte er selbst, es war eine leichte Übung im Vergleich zu dem, was danach kam: die Genehmigung der Behörden einholen. "Ich musste viel beruhigen und viel erklären, dass da kein 40-Tonner durch die Weinberge rollt", sagt Michael, "man brauchte starke Nerven, um das überall durchzukriegen."

Fast genau auf den Tag vor drei Jahren erblickte der "Wein-Laster" das Licht der Geschäftswelt – und zwar zuerst auf Instagram. "Ich habe den Wein-Laster via Instagram die Welt entdecken lassen", sagt Michael schmunzelnd, "wir haben erst mal gar nicht verraten, wer dahintersteckt." Die Marketingstrategie ging auf, die Gäste verliebten sich einfach in den schönen alten Laster – und sie kamen.

Neben Hochzeiten und Familienfeiern boten Michael und Julia schnell auch Weinwanderungen mit dem Laster an, heute sind die das zweitwichtigste Standbein des kleinen Nebenerwerbsunternehmens. "Die Gäste kommen von überall her: Berlin, Hamburg, das ganze Rhein-Main-Gebiet", sagt Michael, "vor allem jetzt in Corona-Zeiten boomen die Anfragen." Der Wegfall der Weinfeste, die Absage sämtlicher großer Events – die Kombination aus Outdoor, spektakulärer Aussicht und Weingenuss ist zurzeit einfach perfekt.

"Unsere Touren dauern so drei bis dreieinhalb Stunden", erklärt Michael. Die Gäste wandern eine halbe Stunde durch die Weinberge, dann treffen sie den Wein-Laster für Erfrischungen und die erste Weinprobe, insgesamt drei Stopps gibt es. "Wir haben uns auf Weißweine und Blanc de Noirs spezialisiert", sagte Michael: "Es gibt immer zwei Weine einer Rebsorte, aber von zwei verschiedenen Winzern, zum Vergleichen."

Die Weine kommen alle von Winzern aus Nierstein, die meisten wachsen gleich hier im Roten Hang. "Wir leben in einer Region, wo wir Topweine haben und Topweingüter", sagt Michael, "da fände ich es falsch zu sagen, das ist der Rote Hang, aber wir bieten andere Weine an." Den Gästen können sie so auch die Vielfalt des Roten Hangs nahebringen, die Weingüter werden vorgestellt, die Machart.

Für die Weingüter sei das auch eine Chance, sich neuen Gästen zu präsentieren, sagt Michael, "die Marke Nierstein und Niersteiner Wein wird von uns ja ein Stück weit mitvermarktet." Vor allem jüngere Gäste hätten häufig eine Scheu, direkt zum Weineinkauf in die Weingüter zugehen, erzählt er, der Wein-Laster helfe, diese Barriere abzubauen.

Inzwischen haben sie so viele Anfragen, dass sie über eine Erweiterung nachdenken – und das Vehikel dafür steht schon im Hof: eine gelbe Ape, eine dreirädrige Piaggio wartet darauf, der kleinste Wein-Laster der Welt zu werden... Kein Wunder, dass Michael und Julia 2020 den Best of Wine Tourism Award in der Kategorie "Innovative Weinerlebnisse" gewonnen haben.

Über die Bloggerin

Die Journalistin Gisela Kirschstein lebt seit 1990 in Mainz und ist unter anderem für ihre Website Mainz& ständig auf der Suche nach spannenden Themen aus Mainz und Rheinhessen. 2015 gewann sie den internationalen Bloggers' Contest der Great Wine Capitals.

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