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Blog "Gut Leben am Morstein"

Wie sieht das perfekte deutsche Winzerhaus aus? Fachwerkhaus mit Weinrebe oder Betonquader mit Solarpanels? Das 1899 im Stil des Historismus erbaute Winzerschloss ist weder das eine noch das andere, aber dennoch ein wunderschönes Denkmal deutscher Weinarchitektur.

Gut Leben im Winzerschlösschen

Kein Wunder, dass Stefan Spies, als er zufällig ein Bild von dem zum Verkauf stehenden Gebäude in Westhofen sah, sich spontan in das Anwesen verliebte. Doch der Betriebswirtschaftler, Chef einer Werbeagentur in Frankfurt, mit viel Erfahrung mit großen Markennamen, erkannte gleich das Potential des ganzen Anwesens. Als er das Schlösschen 2012 entdeckte, schlummerte es seit 30 Jahren im Dornröschenschlaf, war seit 15 Jahren unbewohnt: „Prinz“ Stefan erweckte es mit seiner Begeisterung zu neuem Glanz: „In dem historischen Haus war die Zeit stehen geblieben, das Inventar war noch erhalten“, erinnert er sich. „Ich stellte mir vor, was ich alles mit dem ganzen Ensemble machen könnte!“

Ein wohlhabender rheinhessischer Winzer hatte Ende des 19. Jahrhunderts das Gebäude außerhalb der früheren Dorfgrenzen als „Leuchtturm“ bauen lassen. Der Mannheimer Architekt Haldenwang entwarf auf dem Reißbrett ein Schlösschen mit Wirtschaftsgebäuden, großzügiger Gartenanlage und Weinkeller im alten Wehrgraben. Im Haus durfte sich der Architekt austoben und bediente sich aus verschiedenen Epochen: Es finden sich hier Elemente aus dem Barock, der Gründerzeit und dem Jugendstil.

Fünf Jahre lang dauerte die aufwendige Renovierung: Vom Dach bis zum Keller wurde versucht, dem Urzustand möglichst nahe zu kommen. „Das nicht mehr vorhandene Dachtürmchen haben wir originalgetreu nach den Bauplänen von damals wieder aufgebaut“, erzählt der stolze Bauherr. 

Mit historischer Tapete und Lichtschaltern von anno dazumal beeindrucken drei ehemalige Kinderzimmer und der Salon im ersten Stock – heute werden sie als Bankett- und Tagungsräume genutzt. Das Entrée im Erdgeschoss mit den Original-Fliesen erinnert an den Empfang großbürgerlicher Herrschaftshäuser. Liebe zum Detail ist überall erkennbar: Die ursprünglichen Fliesen aus der Küche, die aus Arbeitsschutzgründen nicht mehr verwendet werden durften, wurden vorsichtig abgetragen und in der Restaurant-Toilette verlegt.

Im Restaurant mit romantischem Erker spürt man den Geist des 19. Jahrhunderts. Stefan Spies schmunzelt: „Anfangs kamen die Gäste vor allem wegen der Architektur – mittlerweile genießen sie natürlich auch unsere Küche!“ Das Restaurant bietet eine gehobene gutbürgerliche Küche mit starkem Fokus auf pflanzenbasierten Gerichten. Das Thema Wein zieht sich durch die ganze Location: Der zum Anwesen gehörende Weinberg in der renommierten Lage Morstein ist verpachtet, im Restaurant werden ausschließlich regionale rheinhessische Weine angeboten. Im Außengelände achtete Stefan Spies auf die ursprünglich geplante Wegeführung und die Aufteilung des Geländes. Der Weingarten und die Weinlaube fügen sich harmonisch ein und schaffen den lauschigen Rahmen für die Außengastronomie.

Nachhaltigkeit und Achtsamkeit gehören zum „Gut Leben am Morstein“ mit dazu: Das gilt bei der Verwendung der Materialien in den Tagungsgebäuden ebenso wie beim Einbau eines Blockheizkraftwerks. Die einzigartige Eventlocation wird durch das ansprechende Kulturprogramm im Weinkeller und das angrenzende Hotel mit 20 Zimmern in einer ehemaligen rheinhessischen Hofreite sinnvoll ergänzt: Stefan Spies hat ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk rund um den Wein geschaffen.

Den Preis für den Great Wine Capitals Best of Wine Tourism Award 2022 in der Kategorie „Architektur, Parks & Gärten“ hat sich „Gut Leben am Morstein“ mit diesem Leuchtturm für den Weintourismus mehr als verdient.

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Wolfgang Junglas
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