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Pioniere der Nachhaltigkeit

Heutzutage gibt es so gut wie kein Weingut mehr, das in seiner Eigendarstellung nicht den Begriff „Nachhaltigkeit“ verwendet: Nachhaltigkeit im Weinberg, beim Ausbau der Weine im Keller, bei der Energieversorgung der Weingutsgebäude und beim Versand. Anfang der 80er Jahre war dies noch ganz anders: Lotte Pfeffer studierte damals Weinbau & Oenologie an der renommierten Hochschule Geisenheim. „Ökologischer Weinbau wurde damals nicht gelehrt – das Thema Biowein wurde belächelt!“ erinnert sie sich.

Schon die Eltern begannen 1978 mit dem ökologischen Weinbau – das Weingut Brüder Dr. Becker ist das erste bio-zertifizierte Weingut im Verband deutscher Prädikatsweingüter. Damals hieß es noch: „Bio hat keine Kunden, sondern Sympathisanten!“ - heute ist das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen und Bioweine treffen den Geschmack der Kundschaft.

Lotte Pfeffer-Müller und ihr Mann Hans Müller setzen auch heute noch auf biologische Innovation: Neben den klassischen Rebsorten Riesling, Silvaner Scheurebe, Müller-Thurgau und Spätburgunder bauen sie pilzresistente Rebsorten Regent und Souvignier gris an.

„Auf den Höhen und in der Terrasse mit Wind sind die Bedingungen für klassische Sorten akzeptabel – aber in der Rheinebene brauchen wir die Piwi Sorten.“ erklärt Lotte Pfeffer-Müller. Kein Weinberg ist mehr als zwei Kilometer vom Weingut entfernt – kurze Wege gehören auch zur Nachhaltigkeit. Ebenso die Solarpanels auf dem Dach, die Schwalbennester an der Wand, die Ökobilanz der Etiketten und das Gewicht der Glasflaschen: „Ich will die leichteste Flasche, die es gibt: Nicht 600 Gramm – eher 380 Gramm!“ wünscht sich die leidenschaftliche Winzerin.

In diesem Weingut werden alle Details hinterfragt, Nachhaltigkeit ist ein fortwährender Prozess. Der Weinausbau entwickelt sich ebenso beständig weiter: Spannende Naturweine im neuen PURE Stil prägen aktuell den Trend. Die Weine sind gänzlich durchgegoren und werden unfiltriert in die Flasche gefüllt. Scheurebe, Riesling und Spätburgunder „pure“ – ungewöhnliche, intensive Geschmackserlebnisse bieten sich bei der Verkostung. Das gleiche gilt für die „Orange“ Weine Silvaner und Souvignier gris: die Weißwein Trauben werden wie Rotwein auf der Maische vergoren und entwickeln dadurch ein intensives Farb- und Geschmackserlebnis.

In Berliner Restaurants sind die experimentellen Weine des Weingutes gerade sehr angesagt. Bei den Wanderungen durch die rheinhessischen Weinberge erklärt Hans Müller den Weintouristen, was Nachhaltigkeit bedeutet, wie sie sich anfühlt. „So schmeckt der Frühling, so sieht es draußen aus!“ zeigt er den Gästen draußen in der Natur. Was wächst gerade zwischen den Rebstöcken? Wenn man auf Spritzmittel verzichtet - wie sieht dann die mechanische „Unterstockbearbeitung“ aus? Bei alledem müssen auch Biobetriebe marktgerecht arbeiten – nicht immer eine einfache Aufgabe. Aber wenn man mit Lotte Pfeffer-Müller und Hans Müller bei der großen Gutsweinprobe mit einem Glas Wein beim Essen unter dem Nussbaum sitzt, schmeckt man im Glas, dass sich Nachhaltigkeit allemal auch geschmacklich lohnt. 

Den Preis für den Great Wine Capitals Best of Wine Tourism Award 2023 in der Kategorie „Nachhaltigkeit im Weintourismus“ geht an das „Weingut Brüder Dr. Becker, Ludwigshöhe“. Das jahrzehntelange Engagement für den biologischen Weinbau und deren konsequente Umsetzung hat die Jury vollständig überzeugt.

Über den Blogger

Der TV- und Weinjournalist Wolfgang Junglas betreut beim SWR Fernsehen in Mainz in der Unterhaltungsredaktion Sendungen wie "Wahl der Deutschen Weinkönigin." Er ist Buchautor, Vorsitzender von Weinfeder eV, Präsident von FIJEV und Lehrbeauftragter an der Hochschule Geisenheim – und seit 2021 der Blogger von GWC Mainz | Rheinhessen.
Neben den klassischen Rebsorten Riesling, Silvaner Scheurebe, Müller-Thurgau und Spätburgunder bauen Lotte Pfeffer-Müller und Hans Müller pilzresistente Rebsorten Regent und Souvignier gris an Wolfgang Junglas
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