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  2. Beethovens Briefe an Schott

Ludwig van Beethovens Briefe an den Musikverlag Schott

Virtuelle Ausstellung zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven

Einleitung

Der Mainzer Musikverlag B. Schott's Söhne war der letzte von Ludwig van Beethovens (1770–1827) insgesamt 31 Verlagen bzw. Verlegern. Es kann als erster Höhepunkt in der Geschichte des Unternehmens betrachtet werden, dass es einen bedeutenden Teil des Spätwerks des Komponisten herausbrachte, der mittlerweile als "culminirender Prachtstern" (so Gottfried Weber 1824 über Beethoven) der Musikwelt gefeiert wurde.

Der Schott-Verlag war in der Regierungszeit des letzten Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Friedrich Karl Joseph von Erthal (1719–1802), der ein großer Förderer der Literatur, Kunst und Musik war, von Bernhard Schott (1748–1809) gegründet worden. Die Anfänge der Verlegertätigkeit Bernhard Schotts sind nicht eindeutig zeitlich festzulegen. Er hatte den Notenstich bei seinem Vater Nicolaus erlernt und 1762–64 in Straßburg eine Lehre als Kupferstecher, Schriftgießer und Drucker absolviert. Zudem erhielt er ab 1761 eine musikalische Ausbildung als Klarinettist. Laut Katalog der Frankfurter Messe von 1770 verkaufte Schott am Stand des Mainzer Kupferstechers Hugo Koentgen Kupferstiche und Musikalien. Dass dies auch das Jahr der ersten Schott-Ausgabe sei, ist bisher nicht bestätigt. Die ältesten heute bekannten Drucke des Verlags finden sich in der Notenbeilage zu Georg Josef Voglers Betrachtungen der Mannheimer Tonschule (Mannheim 1779–1781), deren Notenstich Schott ab der 9. Lieferung übernahm. 1780 erhielt Bernhard Schott durch Erthal das für Mainz zum ersten und einzigen Mal verliehene privilegium exclusivum und den Titel Hofmusikstecher.

Nach dem Tod Bernhard Schotts 1809 wurde das Unternehmen von dessen Söhnen Johann Andreas (1781–1840) und Johann Joseph (1782–1855) weitergeführt. Von der Zeit des Großherzogtums Hessen-Darmstadt an trug das Geschäft das Privileg einer Hof-Musik-Handlung. Durch die Übernahme anderer Verlage und den Bau von Blasinstrumenten sowie Klavieren erweiterten die Gebrüder Schott das Unternehmen. 1816 eröffneten sie in Mainz die erste musikalische Leihbibliothek, 1824 gründeten sie die Musikzeitschrift Cäcilia. Dies war auch der Anlass, weswegen der Kontakt zu Beethoven zustande kam.

Die Redaktion der Cäcilia, namentlich Gottfried Weber (1779–1839), versandte Anfang des Jahres 1824 ein Rundschreiben mit der Bitte um Beiträge für die neu gegründete Zeitschrift. Zu den Empfängern gehörte Ludwig van Beethoven. Auch zuvor hatte es bereits Kontakte zwischen Schott und dem noch in Bonn lebenden Komponisten gegeben, aber damals, 1791, war er weitgehend unbekannt und versprach wenig Renommee. Nach seiner Übersiedlung nach Wien Ende 1792 bemühte sich Beethoven um dort ansässige Verlage, und erst nachdem er sich einen Namen gemacht hatte, waren auch große Verlage andernorts an seinen Werken interessiert. So auch Schott, der sich nun zu einem günstigen Zeitpunkt um Beethoven bemühte, denn dieser suchte soeben nach einem Verleger für seine Missa solemnis und die Neunte Sinfonie. Mit seinen früheren Partnern, darunter Breitkopf & Härtel in Leipzig, Simrock in Bonn und Haslinger in Wien, hatte er sich überworfen.

Johann Joseph Schott, der die Korrespondenz mit Beethoven hauptsächlich führte, gewann schnell dessen Vertrauen, was am Ton der Briefe deutlich abzulesen ist. Dennoch blieb auch dieses zunächst gute Verhältnis nicht ungetrübt, da Schott argwöhnte, Beethoven könne die ihm zum Verlag zugesagten Werke auch noch anderen angeboten oder gar verkauft haben. Diese Zweifel verletzten Beethoven, ebenso wie ihn verstimmte, dass in der Cäcilia ungefragt Passagen aus seinen Briefen veröffentlicht wurden. Nach und nach nahm das Verhältnis aber wieder einen freundschaftlichen Charakter an, der bis zum Tode Beethovens Bestand hatte.

Franz Schott (1811–1874, Sohn von Johann Andreas), der den Verlag seit 1855 führte und außerdem 1865–1871 das Amt eines ehrenamtlichen Bürgermeisters der Stadt Mainz innehatte, vermachte der Stadt einen Teil der Verlagskorrespondenz, insgesamt rund 600 Briefe. Als größte Kostbarkeit enthielt diese Sammlung auch 32 Briefe Beethovens und seines Umkreises (zwei Briefe stammen von Beethovens Bruder Johann, einer von Anton Schindler; einige der Briefe sind von anderer Hand und lediglich von Beethoven unterschrieben) an den Schott-Verlag, die sich seither in der Stadtbibliothek befinden. Die übrige "Schott-Autografensammlung" ist seit 1977 im Stadtarchiv. 1991 konnte ein weiterer eigenhändiger Brief Beethovens an Schott antiquarisch erworben werden, so dass unter dem Bestand "Beethoven-Briefe an B. Schott's Söhne" mit der Signatur Hs III 71 nun 33 Nummern verzeichnet sind.

Die Briefe werden hier in einer Auswahl und auszugsweise wiedergegeben und kommentiert. Die Rechtschreibung der Originale wurde beibehalten.

Mit einem Mausklick auf die Bilder werden diese vergrößert dargestellt.

Sämtliche Briefe Beethovens an Schott aus dem Bestand der Stadtbibliothek Mainz wurden digitalisiert und können auf dilibri eingesehen werden.

Nr. 1, 20. Mai 1824

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne. Wien, 20.5.1824.
2 Blatt, 3 Seiten, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 1

"Euer wohlgebohrn!

Es war unmöglich, ihnen eher zu antworten, da ich überhäuft bin. ich ließ habe durch einen GeschäftsMan diesen beygefügten Brief schreiben laßen, da ich wenig bewandert bin in d.g., wenn ihnen diese vorschläge recht sind, so schreiben sie mich mir aber sehr bald, denn zwei andere verleger wünschen jeder eins von diesen werken, ich muß aber sagen, daß mir die so sehr angewachsene Korrespondenz mit dem in- u. Ausland wirklich beschwerlich wird, u. ich d.g. vereinfacht wünschte – wegen einem quartett kann ich noch nicht sicher zusagen, diese beyden werke, wenn sie mir baldigst antworten, könnte ich ihnen als denn noch sicher überlaßen – von ihrer caecilia erhielt ich noch nichts sie muß erst unsere Censur paßiren!!! –
Leben sie wohl ihr mir empholener [Christian Rummel] wird übermorgen mir von seinen Compositionen zeigen, u. ich werde ihm aufrichtig, den weg zeigen, den er betreten kann. – wegen den beyden werken nur bald, indem ich mich auch anderer wegen entschließen muß, da ich nicht von meinem Gehalte hier leben kann, so muß ich d.g. mehr, als ich würde, nicht außer acht laßen.
ihr Ergebenster
Beethoven
vien am 20 May 1824"

Wer der "GeschäftsMan" war, der für Beethoven den beigefügten Brief (Hs III 71, Nr. 2) schrieb, ist nicht überliefert. Die Werke, die Beethoven in diesen Briefen anbietet, sind die Missa solemnis op. 123 und die Neunte Sinfonie op. 125 (Beethoven hatte praktisch jeden Verleger, mit dem er in Verbindung stand, wegen op. 123 angesprochen). Das Streichquartett, von dem die Rede ist, op. 127, erschien ebenso wie die anderen beiden Werke schließlich bei Schott.

Die rote Umrahmung der Anrede, der Passage von "von ihrer caecilia" bis "Leben sie wohl" sowie der Schlussfloskel und Datierung stammt von Gottfried Weber. Er schreibt hierzu, ebenso mit Rotstift, am oberen Rand auf der ersten Briefseite: "Was halten Sie davon wenn man als faksimile von Beethovens Handschrift die roth eingefaßten Stellen zusammensetzen und nachmachen ließe?" Der Vorschlag wurde im dritten Heft der Cäcilia umgesetzt.

Nr. 2, 20. Mai 1824

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Unbekannt. Wien, 20.5.1824.
1 Blatt, 2 Seiten, mit eigenhändiger Unterschrift Beethovens.
Signatur: Hs III 71, Nr. 2

"Wien den [20.] May 1824
Euer Wohlgebohren!
Auf Ihre verehrte Zuschrift vom 27ten v.[origen] M.[onats] habe ich die Ehre Ihnen mitzutheilen, daß ich nicht entgegen bin, Ihnen meine grosse Messe und die neue Symphonie zukommen zu lassen. Der Preis der ersteren ist 1000 f Conv. Münze, und der letzteren 600 f Conv. Münze nach dem 20 fl Fusse. Die Zahlung kann damit arrangiret werden, daß Sie mir 3 Wechsel an ein hiesiges sicheres Haus einschicken, welche solche acceptiret, und wornach ich Ihnen die Werke auf Ihre Spesen einsenden oder allhier an Jemanden, den Sie mir anzeigen wollen, aushändigen werde. Die Wechsel können auf folgende Zeit gestellet werden, als die 600 f auf 1 Monath, 500 f auf zwey Monathe und 500 f auf vier Monathe von jetzt. Sollte Ihnen dieß conveniren, so wird es mir angenehm seyn, wenn Sie die Auflage recht gefällig ausstatten. Indessen habe ich die Ehre mit aller Hochachtung zu geharren Dero bereitwilliger
ludwig van Beethoven"

Nr. 14, 3. Juli 1824

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne. Wien, 3.7.[1824].
2 Blatt, 2 (3) Seiten, mit Adresse. 2 Seiten von Beethoven beschrieben, 3. Seite: Schreiben von Johann Joseph Schott, vermutlich an Gottfried Weber, "Beyfolgender Brief zur Einsicht..." mit der Bitte um Rücksendung.
Signatur: Hs III 71, Nr. 14

"Vien am 3ten juli [1824]
P.P.
Es war mir unmöglich ihnen eher auf ihr letztes vom 27ten May zu schreiben, auch jetzt nur das nöthigste: ich bin bereit ihnen auch das quartett zu schicken u. zwar um das honorar von 50#, wie ich es ihnen auch schon früher angesetzt habe, das quartett erhalten können Sie ganz sicher binnen 6 wochen [tatsächlich erhielt Schott es erst im April 1825], wo ich ihnen anzeigen werde, wann sie mir das Honorar dafür übermachen können; – bey den übrigen 2 werken bleiben schon die 3 festgesetzten termine, Sie haben nur die Güte die wechsel wie ausgemacht ist für vorerst für die 2 Werke an ihren Banquier zu schicken, wo ich selbe abholen u. dagegen die Benannten 2 werke nemlich: Die große Meße u. große Sinfonie abgeben werde […].
– Ich erwarte nun bald das Aviso
mit herzlicher Ergebenheit ihr Freund
Beethoven"

Johann Joseph Schott leitete diesen Brief an Gottfried Weber weiter und notierte darauf:
"[…] Wir erwarten täglich die Manuscripten von Messe und Sinfonie und das Quartett werden wir nächsten Monath erhalten.
Es wird uns recht angenehm seyn, wenn Sie mit allem Feuer ihres Geistes die Ankündigung solcher Kunstwerke in der Caecilia verkündigen wollen.
Wir geben diese 3 Werke in Partitur und in ausgesetzten Stimmen heraus, wegen andern arrangements werden wir später uns entschließen. Wir haben die Absicht diese Werke auf Subscription anzukündigen und herauszugeben, und ersuchen Ihnen für diese Absicht uns eine rechte brillante Ankündigung oder Aufforderung zu entwerfen welche wir ins Französische und Italienische übersetzt in alle Länder und an alle hohe Häupter versenden wollen. Indem die Messe schon 4 der grösten Monachen dedizirt [gemeint ist: von ihnen subskribiert] ist so hoffen wir auch dadurch bey denselben einen Absatz zu bewerkstelligen, und dieselben auch für die Abnahme der anderen Werke zu gewinnen suchen.
Die Nahmen aller Subscribenten werden +jedem Werke+ vorgedrukt, und dieses könnte doch manchen veranlassen, Beethofen zu Ehren der Subscription beyzutretten. […]"

Es verging indessen noch über ein halbes Jahr, bis die Missa solemnis und die Neunte Sinfonie an Schott geliefert wurden; die Stichvorlage für das Streichquartett op. 127 erhielt der Verlag sogar erst im April 1825. In der Zwischenzeit kündigte Beethoven den Versand der Werke immer wieder an, und entschuldigte die Verzögerung damit, dass er zu viel zu tun habe. Er versäumte auch nicht, darauf hinzuweisen, dass andere Verlage lebhaftes Interesse an den Werken hätten, sicherte aber zugleich zu, die Vereinbarungen mit Schott nicht zu brechen.

Zusätzlich bot Beethoven dem Verlag weitere kleinere Werke an, die er zuvor seinem Bruder, (Nikolaus) Johann van Beethoven (1776–1848), als Sicherheit gegen ein Darlehen überschrieben hatte: Das Opferlied op. 121b, das Bundeslied op. 122, die Ouvertüre Die Weihe des Hauses op. 124, die Bagatellen op. 126 und das Lied Der Kuss op. 128. Schott kauft diese Werke dem Bruder zum Preis von 130 Wiener Dukaten ab.

Nr. 8, 5. Dezember 1824

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne. Wien, 5.12.1824.
2 Blatt, 3 Seiten, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 8

"Vien am 5ten decemb. 1824
Euer wohlgebohrn!
Diese woche werden die werke ganz sicher bey Frieß et Compag. [Schotts Bankhaus in Wien] abgegeben, seyn sie übrigens ruhig, indem sie vieleicht von einem Klawierauszuge gehört haben, zu dem ich man mich aufgefordert wurd ich so was ist nicht und wird nicht geschehen, Es war nur so lange die rede davon, als ich von ihnen noch nicht sicher war, denn mir ward abgerathen von ihnen von jemanden hier, welchen sie schwerlich vermuthen, (auch verleger,) [mutmaßlich Steiner und Haslinger] sobald sich aber einer meiner Freunde bey Frieß et Comp. erkundigte u. man alles auf’s Richtigste befunden, so hatte Es gleich sein Abkommen mit dieser ganzen Sache, u. Ich gebe ihnen mein Ehrenwort, daß nichts geschehen u. geschehen wird. – auch von leipzig war ich aufgefordert diese Werke zur aufführung für Honorar hinzusenden, ich habe es aber sogleich rund abgeschlagen; – ich habe ihnen dieses sagen wollen da ich merke, daß es Menschen [womöglich wieder eine Anspielung auf Steiner und Haslinger] hier gibt, denen dran gelegen Das Einverständniß mit ihnen zu stören, vieleicht von beyden Seiten. […]"

Nr. 9, 22. Januar 1825

Die Gerüchteküche um Beethovens Werke brodelte offenbar, denn auch von anderer Seite drohte das "Einverständniß" gestört zu werden: Schott befürchtete, dass die Missa solemnis inzwischen in Paris veröffentlicht worden wäre. Diesen Verdacht zerstreute Beethoven mit seinem Brief vom 22. Januar 1825, in dem er zum einen die Ablieferung der Missa solemnis und der Neunten Sinfonie beim Bankhaus Fries bekundete und zum anderen eine offizielle Erklärung zu diesen beiden Werken abgab:

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne. Wien, 22.1.1825.
2 Blatt, 3 Seiten, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 9

"Vien am 22ten jenner 1825 […] daß sollte die Meße gestochen seyn, scheint mir nicht möglich zu seyn, veranlaßung da zu diesem Gerüchte, wie ich sicher hoffe, könnte ein gewißer [Franz] Stockhausen, welcher einen singverein bildet, gegeben haben, er schrieb mir viel schönes über die Meße, u. daß man von Hof aus das vertrauen zu in ihn seze, u. ihn habe eine abschrift für seinen verein nehmen, wo aber kein Mißbrauch zu erwarten […] – Es wäre mir sehr lieb, wenn sie selbst mir etwas zu unterschreiben schickte[n], wo ich sie des alleinigen Eigenthums dieser allein correcten wenn nöth Auflagen versicherte, jedoch sey es gleich hier – Ich Endes Unterschriebner bezeuge laut meiner Unterschrift, daß die B. Schott Söhne in Maynz die einzigen u. Rechtmäßigen verleger meiner großen solennen Meße sowohl als meiner Großen Sinfonie in D moll sind, auch erkläre ich Sie als alleinige Eigenthümer meiner großen Eröffnungs Overture in C dur, 6 ganz neue Bagatellen für Hammer Klawier drei gesänge wovon zwey +diese beyden+ mit chören u. Blasenden Instrumenten u. einer mit alleiniger Klawierbegleitung. [Vermutlich strich Beethoven diese Zeilen, weil die diese Werke – es handelt sich um diejenigen, die sein Bruder an Schott verkaufte – noch nicht abgesandt waren.] auch erkenne ich Bloß diese Auflagen als rechtmäsige u. korrekte.
vien am jenner 1825
ludwig van Beethoven
m.p.
[…]

Im folgenden Brief vom 26. Januar 1825 geht es um viele konkrete Details zum Notenstich der nun dem Verlag vorliegenden Werke.

Nr. 12, 5. Februar 1825

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne. Wien, 5.2.1825.
1 Blatt, 3 Seiten, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 12

"Vien am 5ten Febr. 1825
[…]
Sie thun wohl, sogleich die Klawierauszüge der overtüre herauszugeben sie sind schon vom Unfug des Hr. Henning, wie ich sehe, unterrichtet, denn eben wollte ich sie damit bekannt machen, die overture [Die Weihe des Hauses op. 124] erhielt das Königsstädt. Theater [in Berlin] bloß zu Aufführung nicht zum Stich oder herauszugeben, mit Behtmann wurde dieses hier schriftlich ausgemacht, sie wissen aber wohl, daß man sich mit ihm zertragen hat, u. nun glaubte man wohl auch recht zu haben, das nicht zu halten, was mit ihm verhandelt worden ist – ich erhielt von einem meiner bekannten in Berlin gleich Nachricht davon, u. schrieb an Henning auf der Stelle, er schrieb auch gleich zurück, daß dieses mit dem 4händig. K.[lavier]auszug zwar geschehen u. unmögl. mehr zurückzunehmen, daß aber gewiß nichts weiter mehr geschehen werde, worauf ich ganz sicher rechnen könnte […]"

Carl Wilhelm Henning (1784–1867) war 1823–1826 Musikdirektor des Königstädtischen Theaters und hatte gemeinsam mit dem Leiter dieses Theaters, Heinrich Eduard Bethmann (1791–1857), im November 1823 in Wien Die Weihe des Hauses gehört. Er erbat sich das Werk für eine Aufführung in Berlin, wo Anfang des Jahres 1825 überraschend ein von ihm erstellter Klavierauszug erschien. Beethoven stellte Henning zur Rede und ließ in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode eine Anzeige drucken, in der er vor dem "gänzlich verfehlten, der Originalpartitur ungetreuen" Klavierauszug warnte und das Erscheinen der von ihm autorisierten Klavierauszüge zu zwei und zu vier Händen ankündigte.

Nr. 17, 13. August 1825

Nachdem das Einvernehmen zwischen Beethoven und Schott mehrere Male auf die Probe gestellt worden war, wegen der begründeten, aber dennoch falschen Annahme, Beethoven habe die dem Verlag zugesagten Werke auch anderen Interessenten verkauft, trat nun im Sommer 1825 auf Beethovens eine Verstimmung ein, da Schott ungefragt Passagen aus seinen Briefen in der Cäcilia veröffentlich hatte.

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Karl Holz. Wien, 13.8.1825.
2 Blatt, 3 Seiten, mit eigenhändiger Unterschrift und Nachschrift Beethovens, mit Adresse von der Hand Tobias Haslingers.
Signatur: Hs III 71, Nr. 17

"[Wien, 13. August 1825]
Euer Wohlgeboren!
Mit Erstaunen nehme ich im 7. Hefte der Cecilia S. 205 wahr, daß Sie mit den eingerückten Canons auch einen freundschaftlich mitgetheilten Scherz, der leicht für beissende Beleidigung genommen werden kann, zur Publicität brachten, da es doch gar nicht meine Absicht war, und mit meinem Character von jeher im Widerspruche stand, jemandem zu nahe zu treten.
[…]
Obschon es Ihnen gleich auf den ersten Anblick hätte in die Augen springen sollen, daß der ganze Entwurf einer Lebensbeschreibung meines geachteten Freundes Herrn Tobias Haslinger nur ein Scherz war, und auch nicht anders gemeint sein konnte, […] so scheint es doch, daß es meine flüchtige, und oft unleserliche Schrift war, welche zu einem Mißverständnisse Veranlassung gab.
[…]
Ich erwarte daher, daß Sie dieses ohne Verzug, und ohne Clausel oder Hinweglassung in die Cecilia aufnehmen werden […]"

Diese Erklärung Beethovens wurde jedoch nie in der Cäcilia abgedruckt. Gottfried Weber notierte am unteren Rand des Briefes: "Der Brief ist wahrscheinlich von Haßlinger selbst geschrieben." Tatsächlich hat der Brief Haslinger vorgelegen. Von seiner Hand stammen aber nur Adresse und Absender.

Nr. 24, 28. Januar 1826

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Karl Holz. Wien, 28.1.1826.
2 Blatt, 3 Seiten, mit eigenhändiger Unterschrift Beethovens sowie Randbemerkungen Johann Josef Schotts und Gottfried Webers.
Signatur: Hs III 71, Nr. 24

"[…]
Sie verlangen neuerdings Werke von mir?
Beste!!
Ihr habt mich gröblich beleidigt!
Ihr habt mehrere falsa begangen!

Ihr habt euch daher erst zu reinigen vor meinem Richterstuhl allhier; sobald das Eis aufthauen wird, hat sich Maynz hieher zu begeben, auch der recensirende Ober-Appellations-Rath [gemeint ist Gottfried Weber] hat hier zu erscheinen, um Rechenschaft zu geben und hie[mit] gehabt euch wohl!
Wir sind euch gar nicht besonders zugethan!
Gegeben, ohne was zu geben auf den Höhen von Schwarzspanien [Beethoven wohnte seit dem 18. Oktober 1825 im sogenannten Schwarzspanierhaus].
den 28. Jänner 1826
Beethoven
il Posaun 16 füßig [Noten] trillo minacciando [= drohender Triller]"

Auf diesem Brief entspann sich in Form von Randbemerkungen ein Dialog innerhalb des Verlags:
Johann Josef Schott:
"Was sagen sie dazu?"
Gottfried Weber: "Leidlich gutes Gespaß! Scheint aber unsere frühere Erwiderung [vom 7. September 1825, erschlossen, Original unbekannt] schon wieder vergeßen zu haben womit wir ihm bemerklich gemacht, wie unangenehm er compromittirt wär wenn wir durch abdrucken seiner Originalbriefe beurkunden wollten daß keine Sylbe falsch ist. das können Sie ihm schreiben."

Der Wortlaut der Romantischen Lebensbeschreibung stimmt tatsächlich im Großen und Ganzen mit Beethovens Version, enthalten im Brief vom 22. Januar 1825 (Hs III 71, Nr. 9), überein. Zusammen mit dem Brief übersandte Beethoven auch die zwei abgedruckten Kanons (WoO 180 und 187), die jedoch keinen inhaltlichen Zusammenhang mit der Lebensbeschreibung haben. Die Formulierung "Mit Vergnügen übergebe ich hier der Cäcilia und ihren Lesern einige Kanons, die ich als Beilagen einer humoristisch-romantischen Lebensbeschreibung des hiesigen Herrn Tobias Hasslinger geschrieben" hat jedoch Weber erfunden. Die Formulierung bei Beethoven lautet: "[…] hier folgen ein paar Canones für ihr Journal – noch drei andere folgen – [Zeilenumbruch] als beylage einer Romantischen Lebensbeschreibung des Tobias Haßlinger allhier in 3 Theilen – […]"

Schott schrieb daraufhin wohl einen versöhnlichen Brief an Beethoven, der jedoch nicht überliefert ist. In Beethovens Konversationsheft findet sich von Beethovens Neffe Karl eine Notiz vom 5. März 1826: "Im letzten Brief reichen sie die Hände zur Versöhnung, bitten aber gleich, in diese Hände Werke zu legen."

Beethoven bot Schott daraufhin das Streichquartett op. 131 an.

Nr. 19, 20. Mai 1826

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Karl van Beethoven. Wien, 20.5.1826.
2 Blatt, 1 Seite, mit eigenhändiger Unterschrift Beethovens, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 19

"Wien am 20 May 1826
[…]
Nochmahls muß ich Sie bitten, daß Sie ja nicht denken möchten, ich wolle irgendein Werk 2 Mahl verkaufen. Wie es mit der Ouverture war, wissen Sie selbst. – Unmöglich hätte ich Ihnen über die Beschuldigung, Ihr Quartett Schlesinger'n nochmahls verkauft zu haben, antworten können, denn so etwas wäre wirklich zu schlecht, als daß ich mich darüber vertheidigen möchte. So etwas kann auch nicht durch den besten Rheinwein abgewaschen werden. Hiezu müßen noch Liguorianische Büßungen, wie wir sie hier haben, kommen.
Ihr ergebenster l. v. Beethoven
[…]"

Beethoven spielte vermutlich auf den Gründer des Redemptoristenordens Alfonso Maria de Liguori (1696–1787) an, der für seine Strenge bekannt war.
Auch in den folgenden Briefen erklärte Beethoven wiederholt, dass er sich an seine Zusagen Schott gegenüber hält und kein Werk mehrere Male verkauft. Insbesondere den Berliner Verleger Schlesinger hatte er in Verdacht, falsches Spiel zu treiben.

Nr. 25, 9. Dezember 1826

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Karl Holz. Wien, 9.12.1826.
1 Blatt, 1 Seite, ohne Unterschrift.
Signatur: Hs III 71, Nr. 25

"Wien am 9ten Xbr 1826
[…]
Der alte Schlesinger aus Berlin war diesen Sommer hier, u. wollte auch von dem hiesigen Verleger Mathias Artaria ein Quartett von meiner Composition [op. 130, das Artaria seit Januar 1826 besaß] haben, welches ihm jedoch abgeschlagen wurde. Wenn ich, die Herausgabe meiner Werke betreffend, eine dringende Ermahnung an Sie zugehen ließ, so war es gerade wegen Schlesinger; denn er hat mir eine Sammlung von meinen frühesten, bis auf die letzten Quartetten überschickt, um sie neuerdings herauszugeben; ich habe ihm das völlig abgeschlagen, weil meine Ehre nicht gestattet, solch ein Unternehmen zu begünstigen, noch weniger aber, ihm gar meinen Nahmen voranzusetzen. Ich rathe Ihnen übrigens, hiervon nichts drucken zu lassen, denn es ist schwer, in derley Fällen vollständige Beweise zu finden. – Leben Sie recht wohl. Besuche ich den Rhein, so besuche ich auch Sie. Ich hoffe, meine Gesundheit wird sich bald bessern. Ihr ergebner"

Nr. 27, 27. Januar 1827

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Anton Schindler und Karl Holz. Wien, 27.1.1827.
2 Blatt, 3 Seiten, mit eigenhändiger Unterschrift Beethovens, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 27

Beethoven ließ seine Briefe häufig von anderen schreiben, beispielsweise seinem Neffen Karl van Beethoven (1806–1858) oder seinem Freund Karl Holz (1799–1858). Korrespondenz war ihm eine Last, mühevoll suchte er nach den treffenden Formulierungen. In den letzten Lebensmonaten Beethovens besorgte Anton Schindler (1795–1864), Freund und späterhin Biograph Beethovens und selbst Musiker, Komponist und Musikschriftsteller, die Korrespondenz fast ausschließlich allein. Diese letzten, von Schindler geschriebenen Briefe zeigen deutlich dessen Stil, da Beethoven inzwischen zu schwach war, den Wortlaut der Schreiben im Einzelnen zu kontrollieren.

Nr. 28, 22. Februar 1827

Ludwig van Beethoven an B. Schott's Söhne, geschrieben von Anton Schindler. Wien, 22. Februar 1827.
2 Blatt, 1 Seite, mit eigenhändiger Unterschrift Beethovens, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 28

"Wien den 22. Febr. 1827
[…]
Nun komme ich aber mit einer sehr bedeutenden Bitte. – Mein Artzt verordnet mir sehr guten, alten Rheinwein zu trinken. So etwas hier unverfälscht zu erhalten, ist um das theuerste Geld nicht möglich. Wenn ich also eine kleine Anzahl Bouteillen erhielt, so würde ich Ihnen meine Dankbarkeit für die Cäcilia bezeugen. […]"

Zu der Zeit, als dieser Brief verfasst wurde, war Beethoven bereits seit drei Monaten bettlägerig – etwa einen Monat später, am 26. März 1827, starb er. In seinen beiden letzten Briefen hatte Beethoven abermals um die Weinsendung gebeten, die von Schott auch bereits Anfang März aufgegeben worden, jedoch erst am 24. März 1827 in Wien angekommen war. Schott hatte zwölf Flaschen "kostbaren Rüdesheimer Berg Wein von 1806" per Fuhrgelegenheit nach Wien abgesandt, zusätzlich per Postwagen vier Flaschen desselben Weins, davon zwei als Arznei mit Kräutern angesetzt.

Nr. 31, 12. April 1827

Am 12. April 1827 informierte Anton Schindler den Verlag über das Ableben Beethovens.

Anton Schindler an B. Schott's Söhne. Wien, 12.4.1827.
2 Blatt, 3 Seiten, mit Adresse.
Signatur: Hs III 71, Nr. 31

"Wien am 12. April 1827.
[…] Bemerken muß ich Ihnen aber doch, daß sie mit diesem Dokumente [die Eigentumserklärung über das Streichquartett op. 131, die Schindler zusammen mit diesem Schreiben an Schott schickte] die letzte Unterschrift dieses unsterblichen Mannes besitzen, denn dieß war der letzte Federzug [diese Aussage Schindlers ist nicht wörtlich zu nehmen]. – So wie ich mich nicht enthalten kann, Ihnen auch etwas aus den letzten Stunden seines Bewußtseyns (nämlich vom 24. März von früh bis gegen 1 Uhr Nachmittags) melden, da es gerade für Sie meine Herren von nicht geringem Interesse seyn dürfte. – Nachdem ich am Morgen des 24. März zu ihm kam, fand ich sein ganzes Gesicht zerstört, und so schwach, daß er sich mit Anstrengung nur mit höchstens 2–3 Worten verständlich machen konnte. Gleich darauf kam der Ordinarius, der, nachdem er ihn einige Augenblicke beobachtete, zu mir sagte: er gehe mit schnellen Schritten der Auflösung nah! […] Beethoven sagte mir dann: ich bitte Sie nun noch um das, an Schott zu schreiben, und ihm das Dokument zu schicken. [… Später] trat der Kanzleydiener vom Hrn Hofrath v. Breuning mit dem Kistchen Wein und dem Tranke, von Ihnen geschickt, ins Zimmer. Dies war gegen ¾ auf 1 Uhr. Ich stellte ihm die 2 Bouteillen Rüdesheimer, und die andern 2 Bout.[eillen] mit dem Tranke auf den Tisch zu seinem Bette. Er sah sie an, und sagte: Schade! – Schade! – zu spät!! – dieß waren seine allerletzten Worte."

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