Ludwig van Beethovens Briefe an den Musikverlag Schott
Virtuelle Ausstellung zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven
Einleitung
Der Mainzer Musikverlag B. Schott's Söhne war der letzte von Ludwig van Beethovens (1770–1827) insgesamt 31 Verlagen bzw. Verlegern. Es kann als erster Höhepunkt in der Geschichte des Unternehmens betrachtet werden, dass es einen bedeutenden Teil des Spätwerks des Komponisten herausbrachte, der mittlerweile als "culminierender Prachtstern" (so Gottfried Weber 1824 über Beethoven) der Musikwelt gefeiert wurde.
Der Schott-Verlag war in der Regierungszeit des letzten Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Friedrich Karl Joseph von Erthal (1719–1802), der ein großer Förderer der Literatur, Kunst und Musik war, von Bernhard Schott (1748–1809) gegründet worden. Die Anfänge der Verlegertätigkeit Bernhard Schotts sind nicht eindeutig zeitlich festzulegen. Er hatte den Notenstich bei seinem Vater Nicolaus erlernt und 1762–64 in Straßburg eine Lehre als Kupferstecher, Schriftgießer und Drucker absolviert. Zudem erhielt er ab 1761 eine musikalische Ausbildung als Klarinettist. Laut Katalog der Frankfurter Messe von 1770 verkaufte Schott am Stand des Mainzer Kupferstechers Hugo Koentgen Kupferstiche und Musikalien. Dass dies auch das Jahr der ersten Schott-Ausgabe sei, ist bisher nicht bestätigt. Die ältesten heute bekannten Drucke des Verlags finden sich in der Notenbeilage zu Georg Josef Voglers Betrachtungen der Mannheimer Tonschule (Mannheim 1779–1781), deren Notenstich Schott ab der 9. Lieferung übernahm. 1780 erhielt Bernhard Schott durch Erthal das für Mainz zum ersten und einzigen Mal verliehene privilegium exclusivum und den Titel Hofmusikstecher.
Nach dem Tod Bernhard Schotts 1809 wurde das Unternehmen von dessen Söhnen Johann Andreas (1781–1840) und Johann Joseph (1782–1855) weitergeführt. Von der Zeit des Großherzogtums Hessen-Darmstadt an trug das Geschäft das Privileg einer Hof-Musik-Handlung. Durch die Übernahme anderer Verlage und den Bau von Blasinstrumenten sowie Klavieren erweiterten die Gebrüder Schott das Unternehmen. 1816 eröffneten sie in Mainz die erste musikalische Leihbibliothek, 1824 gründeten sie die Musikzeitschrift Cäcilia. Dies war auch der Anlass, weswegen der Kontakt zu Beethoven zustande kam.
Die Redaktion der Cäcilia, namentlich Gottfried Weber (1779–1839), versandte Anfang des Jahres 1824 ein Rundschreiben mit der Bitte um Beiträge für die neu gegründete Zeitschrift. Zu den Empfängern gehörte Ludwig van Beethoven. Auch zuvor hatte es bereits Kontakte zwischen Schott und dem noch in Bonn lebenden Komponisten gegeben, aber damals, 1791, war er weitgehend unbekannt und versprach wenig Renommee. Nach seiner Übersiedlung nach Wien Ende 1792 bemühte sich Beethoven um dort ansässige Verlage, und erst nachdem er sich einen Namen gemacht hatte, waren auch große Verlage andernorts an seinen Werken interessiert. So auch Schott, der sich nun zu einem günstigen Zeitpunkt um Beethoven bemühte, denn dieser suchte soeben nach einem Verleger für seine Missa solemnis und die Neunte Sinfonie. Mit seinen früheren Partnern, darunter Breitkopf & Härtel in Leipzig, Simrock in Bonn und Haslinger in Wien, hatte er sich überworfen.
Johann Joseph Schott, der die Korrespondenz mit Beethoven hauptsächlich führte, gewann schnell dessen Vertrauen, was am Ton der Briefe deutlich abzulesen ist. Dennoch blieb auch dieses zunächst gute Verhältnis nicht ungetrübt, da Schott argwöhnte, Beethoven könne die ihm zum Verlag zugesagten Werke auch noch anderen angeboten oder gar verkauft haben. Diese Zweifel verletzten Beethoven, ebenso wie ihn verstimmte, dass in der Cäcilia ungefragt Passagen aus seinen Briefen veröffentlicht wurden. Nach und nach nahm das Verhältnis aber wieder einen freundschaftlichen Charakter an, der bis zum Tode Beethovens Bestand hatte.
Franz Schott (1811–1874, Sohn von Johann Andreas), der den Verlag seit 1855 führte und außerdem 1865–1871 das Amt eines ehrenamtlichen Bürgermeisters der Stadt Mainz innehatte, vermachte der Stadt einen Teil der Verlagskorrespondenz, insgesamt rund 600 Briefe. Als größte Kostbarkeit enthielt diese Sammlung auch 32 Briefe Beethovens und seines Umkreises (zwei Briefe stammen von Beethovens Bruder Johann, einer von Anton Schindler; einige der Briefe sind von anderer Hand und lediglich von Beethoven unterschrieben) an den Schott-Verlag, die sich seither in der Stadtbibliothek befinden. Die übrige "Schott-Autografensammlung" ist seit 1977 im Stadtarchiv. 1991 konnte ein weiterer eigenhändiger Brief Beethovens an Schott antiquarisch erworben werden, so dass unter dem Bestand "Beethoven-Briefe an B. Schott's Söhne" mit der Signatur Hs III 71 nun 33 Nummern verzeichnet sind.
Die Briefe werden hier in einer Auswahl und auszugsweise wiedergegeben und kommentiert. Die Rechtschreibung der Originale wurde beibehalten.
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Sämtliche Briefe Beethovens an Schott aus dem Bestand der Stadtbibliothek Mainz wurden digitalisiert und können auf dilibri (Öffnet in einem neuen Tab) eingesehen werden.
Nr. 1, 20. Mai 1824
Nr. 2, 20. Mai 1824
Nr. 14, 3. Juli 1824
Nr. 8, 5. Dezember 1824
Nr. 9, 22. Januar 1825
Nr. 12, 5. Februar 1825
Nr. 17, 13. August 1825
Nr. 24, 28. Januar 1826
Nr. 19, 20. Mai 1826
Nr. 25, 9. Dezember 1826
Nr. 27, 27. Januar 1827
Nr. 28, 22. Februar 1827
Nr. 31, 12. April 1827
Die Ausstellung in Rundfunk und Fernsehen
Kontakt
Adresse
Frau Silja Geisler
Sondersammlungen, Autographen, Nachlässe und Bestandserhaltung
Bereich Medienbearbeitung, Bestandserhaltung und Digitalisierung
Wissenschaftliche Stadtbibliothek
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