Sprungmarken
Dynamische Navigation einblenden
Dynamische Navigation ausblenden
Suche
Suche
Sie befinden sich hier:
Sekundärnavigation

Blog Weingold Guntersblum

Das Hoftor führt von einer engen Straßen in einen kleinen, lauschigen Hinterhof. Martin Luther soll hier abgestiegen sein, sagt die Legende, vielleicht 1521 auf dem Weg zum Reichstag in Worms. Das kleine Guntersblum mit seinen schmucken Fachwerkhäuschen ist nur 20 Kilometer weit von Worms entfernt. Tatsache ist: das kleine Hotel Weingold mitten im Ort ist seit 400 Jahren ein Hotel.

Ein romantischer weißer Pavillon zieht die Blicke im Hof auf sich, umgeben von Pflanzen und Tischen und viel liebevollen Arrangements. "Wir haben hier in Guntersblum geheiratet, vor 22 Jahren", sagt Stefanie Löb nostalgisch, "mitten in den Weinbergen." Die 52 Jahre alte Architektin ist in Frankfurt geboren, 1988 zog ihre Familie nach Guntersblum.

Stefanie studierte Architektur in Mainz, dann zog es sie hinaus in die Welt: Melbourne, Manila, Wien. "Ich habe ihn in London gefunden", sagte Stefanie, und schaut lachend zu ihrem Mann Dirk. Der 51-Jährige ist gebürtige Australier, aus der Metropole Sydney, der gelernte Koch arbeitete sich durch die Hotels rund um den Erdball, wurde schließlich Hoteldirektor in Berlin und Frankfurt.

"Wir sind oft hier durch die Weinberge in Guntersblum spaziert", erzählt Stefanie, "und Dirk sagte dann: ach, das ist so schön hier, die Weinberge, der Wein, direkt vor der Tür." Nur 4.000 Einwohner hat der kleine Ort, aber 15 Weingüter mit renommierten Winzern. Wein wird hier seit 1200 Jahren angebaut, die Weinberge gehörten mal Klöstern, mal Erzbischöfen oder Adligen – bis 1797 die Franzosen mit ihrer Revolutionsarmee kamen, und Freiheit, Gleichheit und französische Küche brachten.

Heute servieren sie  Quiche Lorraine im "Weingold", oder auch Schnitzel oder Wild-Burger. 2017 wurde mit dem Kauf des kleinen Hotels otels ein Traum für Stefanie und Dirk wahr. Sie benannten es in "Weingold" um und machten daraus eine Oase des Weinerlebnisses – wofür sie 2020 den Best of Wein Tourism Award in der Kategorie Weingastronomie gewannen.

Denn der wahre Star im Weingold ist die Weinkarte: 25 verschiedene Weine kann man hier im offenen Ausschank bestellen, die Auswahl erfolgt nach einem ganz besonderen Ritual. "Wir treffen uns Montagsabends mit Freunden, Nachbarn, Gastronomen und Winzern", erklärt Dirk, "und dann probieren wir 85 Weine, verdeckt und anonym."

 Alle Weine kommen aus Guntersblum, "die Winzer bieten uns die Weine an, von denen sie glauben, dass sie gut zu unserer Karte passen", sagt Dirk. Dann werden die Weine verkostet und bewertet, ein Ranking ergibt am Ende, welche Weine am besten ankommen. "Es funktioniert hervorragend, wir bekommen so eine schöne, neutrale Auswertung", sagt Stefanie – und bisher habe die Auswahl noch jedes Mal auch den Geschmack der Gäste getroffen.

Zehn Zimmer und eine Ferienwohnung hat das kleine Hotel zu bieten, 60 Gäste können im Hof oder im Inneren des alten Gemäuers Platz nehmen. Der älteste Teil stammt aus 1660, jedes Jahrhundert kam ein anderer Teil hinzu. Im Inneren zieren dunkle Holzpanele die Wände und geben den Gaststuben ein edles und zugleich gemütliches Flair. Auf den Toiletten wartet eine eigens kreierte Weinseife, hergestellt aus Traubenkernöl.

Der Corona-Lockdown war hart für das kleine Hotel, neun Wochen lang musste das Weingold schließen, wie alle Hotels und Restaurants. Sie überlebten, in dem sie Essen to go anboten, Genusspakete mit korrespondierenden Weinen. "Wir haben jetzt mehr Gäste als vorher", sagt Dirk erleichtert, "wir sind praktisch jeden Tag ausgebucht." In der Pandemie entdecken die Deutschen den Urlaub in der Heimat, es sind gerade die Weinregionen, die davon profitieren.

"Die Luft ist sauber hier, und es gibt nur wenig Leute", sagt Stefanie – und dazu kommt natürlich noch das Bedürfnis, sich in harten Zeiten etwas zu gönnen. Und dann serviert Dirk drei Weingläser auf einem Holzträger, einen Weißburgunder, einen Grauburgunder und einen Blanc de Noir vom Spätburgunder.

"Viele unserer Gäste wollen verschiedene Weine probieren, aber das ist natürlich schwierig bei 25 Weinen", sagt Stefanie schmunzelnd. Also erfand Dirk die "Piffchen Probe", so können die Gäste verschiedene Weine in 0,1 Liter-Größe probieren. Eine Entdeckungsreise in die Vielfalt der Guntersblumer Weine – Martin Luther würde das gefallen. 

Über die Bloggerin

Die Journalistin Gisela Kirschstein lebt seit 1990 in Mainz und ist unter anderem für ihre Website Mainz& ständig auf der Suche nach spannenden Themen aus Mainz und Rheinhessen. 2015 gewann sie den internationalen Bloggers' Contest der Great Wine Capitals.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot und einen funktionierenden Online-Service zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie unter 'Datenschutz'.

'Datenschutz'
Piffche-Probe im Weingold Gisela Kirschstein
1 / 3