Vortrag und Konzert: Jazz von den 20ern bis in die 20er – Aufbruch zu neuen Ufern?
In den 1920er Jahren entwickelte sich Jazz von einer Nischenmusik zu einem weltweit populären Stil. Musiker wie Duke Ellington verbanden afro-amerikanische Traditionen mit Einflüssen der europäischen klassischen Musik. Der neue, experimentierfreudige Stil stieß zunächst auf heftigen Widerstand, legte jedoch den Grundstein für zwei Jahrzehnte, in denen Jazz in weiten Teilen der Welt zur populärsten Musikrichtung wurde. Seitdem entstanden zahlreiche neue Stilrichtungen, während sich viele heutige Jazzmusiker bewusst keiner davon verpflichtet fühlen und zur grenzenlosen Experimentierfreude der frühen Jazztage zurückkehren.
Ganz in diesem Sinne dieser Experimentierfreude steht das Duo Sebastian Gramms und Leonhard Huhn.
Sebastian Gramss, Kontrabassist, Cellist und Komponist, Dozent für Ensemble/Improvisation und Kontrabass an der Musikhochschule Köln und am Institut für Musik Osnabrück, gehört seit Jahren zu den renommiertesten Musikern im Bereich Jazz und zeitgenössische Musik. Neben zahlreichen Jazzgruppen verschiedenster Stilrichtungen erstrecken sich seine Projekte z.B. auch auf die Goldberg-Variationen von Bach oder ein 50-köpfiges Bassorchester.
Leonhard Huhn, Dozent an der Hochschule für Musik Würzburg, Saxophonist und Komponist steht ebenso für Vielseitigkeit ohne Berührungsängste. U.a. spielt er (wie auch Gramss) im Multiple Joy(ce) Orchestra, dass nicht nur klassischen Jazz, sondern auch Kompositionen von Karlheinz Stockhausen oder John Cage aufführt.
Dem Konzert vorangestellt wird ein kurzer Vortrag von Prof. Dr. Wolfram Knauer, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Gründungsdirektor des Jazzinstituts Darmstadt (1990-2024), in dem dieser einige Fragen in Bezug auf eine Musik aufwirft, die sich so oft neu erfunden hat und sich so hartnäckig weigert, endgültig zur Tradition zu werden. Was kann diese Musik eigentlich noch? Wofür steht sie? Und wen betrifft sie eigentlich?
Der Abend findet im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz mit dem Motto "Die Goldenen Zwanziger" statt und schlägt an dessen letzten Tag noch einmal die Brücke zwischen den 20er Jahren des 20. und 21. Jahrhunderts.
*** Die Veranstaltung wird vom Mainzer Verein UpArt e.V. durchgeführt, der seit über 30 Jahren unterschiedlichen Stilen und Grenzbereichen des Jazz eine Bühne bietet und dessen AKUT-Festival überregionale Bedeutung hat. Kooperationspartner ist das Atelier Christiane Schauder, welches seit vielen Jahren in Mainz als ein bekannter Aufführungsort für anspruchsvolle Musik aus den Bereichen Jazz, Klassik und neuer Musik etabliert ist.