Die architektonische und bautechnische Beschaffenheit erlaubt einen Rückschluss auf die Bedeutung und funktionale Nutzung des Hauses. Mit seinen 1,40 Meter starken Mauern war der Turm Teil der mittelalterlichen Wehranlage. Der sonst bei Wohntürmen übliche Hocheingang lässt sich am Haus zum Stein nicht nachweisen. Die Fenster aber waren erst in neun Meter Höhe über dem damaligen Straßenniveau eingelassen. Im Untergeschoss befanden sich lediglich vereinzelt Schlitzfenster, von denen auf der Ostseite heute noch zwei in Straßenhöhe erhalten sind.
Diese geschlossene Bauweise des unteren Baukörpers wie auch die starken Vollmauern bezeugen die Wehrfähigkeit des Haus zum Stein. So diente es bis zur Erweiterung der Stadtmauer im 14. Jahrhundert vermutlich als Schutz- und Verteidigungseinrichtung der Vorstadt Seelenhofen.
Aufgrund seiner Höhe ließ sich von dem Turm aus das weite Umland gut beobachten. Umgekehrt diente er als Wegweiser für Ritter, Kaufleute und Fahrende. Häufig wurde er auch in Urkunden als Lageangabe für andere, kleinere in der Umgebung liegende Häuser herangezogen.
Der wehrhafte Wohnbau hatte sich aus Vorbildern ober- und mittelitalienischen Geschlechtertürmen entwickelt. Besonders in der Toskana gab es im Mittelalter ein große Zahl solcher Türme. Im Besitz einflussreicher Patrizierfamilien und in günstigen Lagen konnten sie dazu beitragen, einzelnen Familien die Vorherrschaft über die ganze Stadt zu sichern. In Deutschland fanden die Wohntürme seit dem 12. Jahrhundert weite Verbreitung. Auch das Haus zum Stein entstand in dieser Zeit.