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26. Oktober 2026

Gedenkstätte St. Christoph: Neue Angebote machen Geschichte erlebbar

Neue Wendeltreppe, Informationsbildschirm und Bronzetastmodelle ergänzen die Gedenkstätte – Landeshauptstadt Mainz und Initiative St. Christoph entwickeln Gedenkstätte weiter

Die Gedenkstätte St. Christoph in der Mainzer Altstadt wird um weitere Angebote ergänzt, die ihre Geschichte und Architektur für Besucherinnen und Besucher anschaulich und unmittelbar erfahrbar machen. Im Mittelpunkt stehen die neu errichtete Außentreppe zum Turm, ein Informationsbildschirm sowie zwei Bronzemodelle, die den Zustand der ehemaligen Pfarrkirche vor 1940 und das heutige Erscheinungsbild der Gedenkstätte zeigen. Diese sind als „Tastmodelle“ konzipiert und sollen insbesondere auch Menschen mit Sehbehinderungen einen Zugang zur Baugeschichte ermöglichen.

Die Wiederherstellung der Standfestigkeit des Turms, die steinkonservatorischen Maßnahmen, die neue Turmspitze sowie die Aussichtsplattform und deren Zugang sind fertiggestellt. 

Die Enthüllung des Bronzemodells erfolgte durch Oberbürgermeister Nino Haase, den Dezernenten für Bauen, Denkmalpflege und historisches Erbe, Ludwig Holle sowie Hanna Schmitz, die das Projekt ebenfalls mit einer großzügigen Spende unterstützt hatte. 

Neue Außentreppe erschließt den Turm

Die neu errichtete Spindeltreppe ermöglicht den Zugang zum Turm und greift den historischen Standort des früheren Treppenturms auf. Sie ist als freitragende Stahlkonstruktion ausgeführt und führt von außen in den Turmschaft hinein. 

Von März bis Mai 2026 wurden die Erdarbeiten und die Gründung für die neue Außentreppe ausgeführt. Dabei legte die archäologische Denkmalpflege die Reste des historischen Treppenaufgangs frei und kartierte diese. Die Gründung der neuen Treppe setzt deckungsgleich auf dem alten Fundament auf. 

Oberbürgermeister Nino Haase hob die Bedeutung der Gedenkstätte für die Mainzer Erinnerungskultur hervor: „St. Christoph führt uns die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs vor Augen und mahnt, die Erinnerung an die Folgen von Krieg und Gewalt wachzuhalten. Gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen wird deutlich, wie wichtig Frieden, Freiheit und ein respektvolles Miteinander sind.“ 

Zugleich würdigte Haase das Engagement der Initiative St. Christoph und insbesondere der privaten Spender:innen, dem Ehepaar Dr. Peter und Annette Wöhrlin und Frau Hanna Schmitz, die einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes der Stadt leisteten: „Mit der neuen Außentreppe, dem Informationsbildschirm und den Bronzemodellen entwickeln wir die Gedenkstätte behutsam weiter. Wir machen ihre Geschichte auf unterschiedliche Weise zugänglich und ermöglichen es den Menschen, sich intensiver mit diesem besonderen Ort auseinanderzusetzen.“

Die Erschließung des Turms umfasst insgesamt 150 Stufen: 34 an der äußeren Spindeltreppe, zehn am Übergang oberhalb des Seitenschiffs zum Turmeingang und weitere 106 innerhalb des Turms bis zur Aussichtsplattform. Die Kosten für die Außentreppe belaufen sich auf rund 400.000 Euro brutto.

Informationsbildschirm vermittelt die Geschichte des Ortes

Ein Informationsbildschirm an der Westwand des südlichen Seitenschiffs ergänzt die Vermittlungsangebote der Gedenkstätte. Er ist bereits in Betrieb und zeigt täglich von 9.00 bis 21.00 Uhr eine Bilderstrecke zur Geschichte des Ortes. Eine englischsprachige Version erstellte der Ortsvorsteher der Mainzer Altstadt, Dr. Brian Huck. Die Bilder stammen aus dem Mainzer Stadtarchiv. Bei der Gestaltung und Montage des Bildschirms wurden die Anforderungen des Denkmalschutzes berücksichtigt. Die Kosten belaufen sich auf 20.600 Euro.

Zwei Bronzetastmodelle machen den Wandel der Kirche begreifbar

Zwei Bronzetastmodelle im Maßstab 1:100 veranschaulichen vor Ort den historischen Zustand der Kirche vor 1940 und das heutige Erscheinungsbild der Gedenkstätte. Beide Modelle stehen auf einem Granitsockel vor dem Seitenschiff.

Als Tastmodelle ermöglichen sie auch Menschen mit Sehbehinderungen, die frühere Gestalt der Kirche und ihr heutiges Erscheinungsbild taktil zu erfassen. Ergänzende Texttafeln in Brailleschrift vermitteln weitere Informationen zur Geschichte des Ortes.

Ludwig Holle, Dezernent für Bauen, Denkmalpflege und historisches Erbe, betonte die Verbindung von denkmalgerechter Weiterentwicklung und zeitgemäßer Geschichtsvermittlung: „Die neue Spindeltreppe greift den historischen Standort des früheren Treppenaufgangs auf und übersetzt ihn in eine eigenständige architektonische Lösung. Die beiden Bronzemodelle machen die bauliche Entwicklung der Kirche anschaulich und ermöglichen durch ihre taktile Gestaltung auch Menschen mit Sehbehinderungen einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte des Ortes. Die Umsetzung zeigt, wie sich der Erhalt historischer Substanz und neue Formen der Vermittlung miteinander verbinden lassen.“

„Ich freue mich, wenn viele Mainzerinnen und Mainzer sowie Gäste unserer Stadt die Gelegenheit nutzen, St. Christoph zu besuchen, um die Geschichte dieses besonderen Ortes anhand der neuen Angebote zu entdecken“, schloss Oberbürgermeister Nino Haase. 

Hintergrund

Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf rund 3,6 Mio. Euro. 

Die Gesamtkosten der Modelle und die damit verbundenen Leistungen belaufen sich auf 39.500 Euro. Der überwiegende Teil dieser Summe wird durch die großzügige Spende des Ehepaars Annette und Dr. Peter Wöhrlin in Höhe von 35.000 Euro getragen. Weitere 4.500 Euro steuert Hanna Schmitz, die Witwe des 2022 verstorbenen Förderers Stefan Schmitz, bei. Initiiert wurde das Vorhaben von Hartmut R. Raible und der Initiative St. Christoph, die sich gemeinsam für die Umsetzung des Projekts einsetzen.

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