Lohnt sich ein Stromspeicher?
Die Kosten für Stromspeichergeräte werden immer günstiger und die Geräte effizienter. Die Anschaffung eines Stromspeichers hängt aber von viel mehr Faktoren ab. Im Umwelttipp des Mainzer Umweltladens erklären wir Ihnen, worauf Sie achten sollten.
Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, kann tagsüber, wenn die Sonne scheint, günstigen Strom direkt vom eignen Dach nutzen. Sobald es dunkel wird funktioniert dies leider nicht mehr. Den Strom, der tagsüber erzeugt wird, für die Abend- und Nachtstunden zu speichern, anstatt ihn ins Stromnetz einzuspeisen, scheint eine gute Idee zu sein. Die Kosten für Stromspeichergeräte werden sinken und die Geräte werden effizienter. Lohnt sich die Anschaffung eines Stromspeichers für die Photovoltaikanlage?
Wie funktioniert ein Stromspeicher?
Auf dem Markt haben sich die Lithium-Ionen-Speicher durchgesetzt. Die Technologie ist von Smartphones und E-Autos bekannt und erprobt. Die Speicher bieten einen hohen Wirkungsgrad, eine hohe Energiedichte und eine vergleichsweise lange Lebensdauer, auch bei intensiver Nutzung. Laut Verbraucherzentrale kommen neben Batterien aus Lithium-Oxiden aktuell verstärkt Batterien aus Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) auf den Markt.
Neben dem eigentlichen Speicher werden noch weitere Geräte für den Betrieb benötigt. Dazu gehören ein Batteriemanagementsystem, die Elektronik für das Monitoring und die Anlage sowie ein eigener Wechselrichter. Mittlerweile gibt es auch Hybrid-Wechselrichter, die für die Photovoltaikanlage und den Speicher genutzt werden können. Der Wechselrichter ist notwendig, um den Gleichstrom aus Speicher und Anlage in Wechselstrom für die Haushaltsgeräte umzuwandeln.
Es gibt auch Geräte, die zusätzlich bei einem kurzfristigen Stromausfall als Notfallstromaggregat einspringen können. Eine komplette Unabhängigkeit vom Stromnetz kann aber nicht erreicht werden. In den Wintermonaten November bis Januar liefern Photovoltaikanlagen in unseren Breiten zu wenig Strom für einen durchschnittlichen Haushalt. Daran kann auch der Batteriespeicher nichts ändern.
Welche Kosten fallen an?
In den vergangenen Jahren sind die Anschaffungskosten für die Speichergeräte gesunken. Die Preise für Batteriespeicher werden oft in Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität angegeben. Laut Verbraucherzentrale liegen die Preise einschließlich Installation in Deutschland aktuell etwa zwischen 400 und 800 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität, bei Speichern ab fünf Kilowattstunden.
Außerdem müssen die Betriebs- und Wartungskosten pro Jahr mit ein bis zwei Prozent des Kaufpreises beachtet werden. Der Speicher verbraucht selbst Strom und kann außerdem die Photovoltaik-Versicherung etwas verteuern. Im Zuge des PV-Anlagen-Checks empfiehlt sich außerdem alle vier bis fünf Jahre auch eine Prüfung der Batterie.
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin vergleicht jährlich die Batteriespeicher namhafter Hersteller. Außerdem findet sich auf der Seite auch ein Unabhängigkeitsrechner, der dabei hilft, die passende Speichergröße zu ermitteln. Die Homepage der HTW Berlin finden Sie in der untenstehenden Linkliste. In Deutschland gibt es keine einheitliche Förderung von Stromspeichern. Fördermöglichkeiten sind durch die hohe Nachfrage außerdem schnell ausgeschöpft. Ob es für Sie eine Fördermöglichkeiten gibt, sollten Sie im Vorfeld prüfen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet eine kostenfreie Energieberatung an, unter andrem in den Räumen des Mainzer Umweltladens.
Wie rechnet sich ein Stromspeicher?
Solarstrom ist mit 10 bis 15 Cent pro Kilowattstunde deutlich günstiger als der Strom aus dem Netz. Je mehr Solarstrom tagsüber aus der Photovoltaik-Anlage direkt verbraucht wird, umso höher ist die Wirtschaftlichkeit. In der Regel ist der Stromverbrauch eines Haushalts in den Morgen- und Abendstunden am höchsten. Leider ist dann die Stromausbeute auch am geringsten und es muss Strom aus dem Netzt zugekauft werden. Das prozentuale Verhältnis von selbst verwendetem, zu ins Netz eingespeistem Strom, wird als Eigenverbrauchsquote bezeichnet. Diese liegt ohne Stromspeicher bei ca. 30 Prozent. Mit einem Stromspeicher sind 60 bis 80 Prozent Eigenverbrauch möglich.
Derzeit erhalten Photovoltaikbesitzende, wenn der Strom in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird, eine Vergütung vom Staat, die sogenannte Einspeisevergütung. Für jede Kilowattstunde gibt es 20 Jahre lang einen festen Geldbetrag, Dieser beträgt beispielsweise bei einer Anlage bis 10 kWh und Teileinspeisung (wenn man einen Teil des Stroms selbst nutzt, 7,78 Cent pro Kilowattstunde). Derzeit ist in der politischen Diskussion diese Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen (bis 25 kWp installierter Leistung) aus Kostengründen zu streichen. Dann würde es länger dauern, bis sich die Anlage amortisiert.
Inwieweit sich die Anschaffung eines Stromspeichers tatsächlich lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Das sind einerseits die Preise für eingekauften und verkauften Strom und die Eigenverbrauchsquote. Dazu kommen noch Faktoren wie die Kosten für das Speichergerät, den Wechselrichter und die Installation, aber auch die Lebensdauer des Speichers (10 bis 15Jahre) spielen eine Rolle bei der Kosten-Nutzen-Rechnung. Daher sind eine individuelle Beratung und Prüfung der Gegebenheiten vor Ort vor dem Kauf ratsam.
Fazit:
Die Anschaffung eines Stromspeichers hängt von vielen Faktoren ab. Die Rechnungen beinhalten zahlreiche Variablen, die die Wirtschaftlichkeit beeinflussen. Der Stromverbrauch des Haushalts, die Größe der Solaranlage und der aktuelle Strompreis können die Bilanz positiv, aber auch negativ ausfallen lassen. Oft spielen die finanziellen Aspekte für Kaufende aber nur eine untergeordnete Rolle. Die höhere Unabhängigkeit vom Stromversorger, mehr Eigenverbrauch des Solarstroms und ein persönlicher Beitrag zur Energiewende sind oftmals die Hauptgründe für die Kaufentscheidung.
